Mittwoch, 31. Dezember 2008

Jahresrückblickstöckchen

Mein erster Stock überhaupt, glaub ich -- zumindest der erste gefangene. Ich bin da leider meistens etwas schusselig und auch nicht so motiviert. Aber hier und jetzt präsentiere ich den Jahresendstock, geworfen von Ansku.

Natürlich wieder mal nur fast rechtzeitig, aber das ist ja auch schon Tradition. Ich hätte es allerdings gestern geschafft, wenn nicht Sylvester gewesen wäre ;-).

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr? Vielleicht so 8? Ich kann mich überhaupt garnicht beklagen, aber man weiss ja nicht, was noch kommt. Ist schliesslich eine relative Skala ;-)

2. Zugenommen oder abgenommen? Bischen zugenommen, glaub ich. Hosen passen aber noch alle.

3. Haare länger oder kürzer? Länger. Ich glaube ich sollte mich mal trauen zu nem finnschen Frisör zu gehen. Hat irgend jemand Frisörvokabular? Ich bin ja schon auf Deutsch ziemlich schlecht im Frisurwünsche beschreiben...

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Augentechnisch immer noch gleichweitsichtig. Ansonsten hoffentlich auch. Allerdings hat sich die Illusion, dass man mit dem Alter weiser und klüger in allen Lebenslagen wird, schon früher mal selbst zerstört.

5. Mehr Kohle oder weniger? Mehr. Irgendwas muss das Sklavendasein ja einbringen. Weniger Freizeit hab ich jetzt allerdings auch.

6. Besseren Job oder schlechteren? Besseren. Ich muss zu meinem eigenen Erstaunen sagen, dass ich der Uni nur selten nachtrauere.

7. Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nix.

9. Mehr bewegt oder weniger? Vermutlich weniger. Sport mach ich schon, aber ich fahr nicht mehr jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit.

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr? Ich glaube keine richtige.

11. Davon war für Dich die Schlimmste? --

12. Der hirnrissigste Plan? Hab ich andere Pläne? Vielleicht einen Job gleich neben dem Nordpol anzunehmen? Nee, der war nicht der hirnrissigste.

13. Die gefährlichste Unternehmung? Gefühlt die Wandertour nach Lappland, realistischer wohl die Motorradüberführung von Hamburg nach Oulu, so rein vom statistischen Risiko aus gesehen.

14. Die teuerste Anschaffung? Ein Auto. Das hab ich allerdings sofort wieder verkauft, also gilt es vielleicht nicht. Dann ein riesiger Schrank.

15. Das leckerste Essen? Poronkäristys (gebratenes Rentier) vielleicht. Das gabs letzten Samstag. Mein kulinarisches Gedächnis reicht auch nicht viel weiter. ;-)

16. Das beeindruckendste Buch? Das Spitzbergen-Experiment von Hauke Trinks, Die Geschichte meiner Familie von Jari Tervo.

17. Der ergreifendste Film? Ich war mal irgendwann im Kino, hab aber gerade vergessen was wir geschaut haben. Gestern kam Blade Runner im Fernsehen, den fand ich recht beeindruckend.

18. Die beste CD? Gehen auch 2? Bodo Wartke - Noah war ein Archetyp und Kettcar - Sylt.

19. Das schönste Konzert? Puh, ich wohn hier ja so etwas in der Einöde... rein kulturell gesehen. Ich wäre fast zu Apulanta gegangen... Hmmm, dann war wohl eins von unseren Bigband-Konzerten das schönste, unter anderem auch, weil ich nur bei solchen war. Das lustigste war auf jeden Fall das in der Schwimmhalle. Da gabs Clownspringer und die Idee eine Bigband und die Akustik einer Schwimmhalle zu kombinieren ist an sich auch unschlagbar.

20. Die meiste Zeit verbracht mit? Arbeit. Oder Schlafen. Die sind rein stundenmässig kaum schlagbar. Und man kann sie miteinander kombinieren ;-)

21. Die schönste Zeit verbracht mit? Jyrki, Wandern bzw. draussen sein.

22. Zum ersten Mal getan? Durch die finnische Taiga wandern -- ohne Pfad und Steg, allerdings mit einem kundigen Mitreisenden.

23. Nach langer Zeit wieder getan? Richtig Musikmachen. Wobei das auch nur gefühlt ne lange Zeit her war.

24. Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Autoabmeldestress, sonst fällt mir grade nichts ein.

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Ich bin nicht so missionarisch veranlagt. Ausserdem hab ich ein schlechtes Gedächnis...

26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Da sollte man vielleicht die Betroffenen fragen.

27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Mit mir zusammenzuleben.

28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? Ganz klassisch: Ich liebe dich. In verschiedenen anderen Sprachen.

29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe? S. 28

31. Dein Unwort des Jahres? 'kiire', d.h. Eile. Das ist ein deutlich zu häufig verwendetes Wort. Bürokratie kommt spätestens an zweiter Stelle.

32. Dein Lieblingsblog des Jahres? Siehe Blogroll.

33. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchem vor vorigen Jahr! Sorry, vielleicht nächstes Jahr.

Puh, geschafft ;-) Bitte, es bediene sich wer will.

Dienstag, 30. Dezember 2008

Weihnachten an verschiedenen Punkten im Raum-Zeit-Kontinuum

Ich hoffe dass noch jemand einen Weihnachtsartikel lesen möchte -- ich bin wie meistens ein bischen spät dran. Dafür ist der Artikel sowie die Überschrift um so länger ;-)


Ich hatte mir nie klargemacht, dass ich tatsächlich 24 Jahre lang immer zu Hause auf die mehr oder weniger selbe Art und Weise Weihnachten gefeiert habe. Es gibt Rituale, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben, und von denen ich teilweise garnicht wusste, dass sie existieren, und besonders nicht, dass sie mir fehlen würden.

In meiner Familie geht Weihnachten nämlich eigentlich so:
Imke und ihr Vater organisieren einen Weihnachtsbaum am 23. oder 24., denn vorher muss die fünfköpfige Familie üblicherweise tagelang diskutieren, ob man denn dieses Jahr wirklich einen Baum braucht wo doch alle schon erwachsen sind und so weiter. Dadurch wird dann das Tannenbaumbesorgen und auch die erwischten Baumformen interessanter. Der Baum wird vorzugsweise mit dem Schlitten geholt, das klappt so in ca. 10% der Fälle, sprich 2 Jahre von 20.

Das Weihnachtsbaumschmücken findet am 24. um 2 Uhr statt, denn da läuft in NDR 4 "Hilfe die Herdmanns kommen" -- jedes Jahr. Das ist ungefähr so wichtig wie Weihnachten bei Hoppenstedts. Neben "normalem" Christbaumschmuck kommen bei uns Schokokringel an den Weihnachtsbaum, die man auf Fäden auffädeln muss, deswegen nimmt das Schmücken so ca. den Nachmittag in Anspruch.

Weihnachtsmusik live mit bis zu drei Mitwirkenden und in teilweise interessanter Besetzung (z.B. Posaune, Gitarre, Pikkoloflöte).

Und echte Kerzen am Baum. Die Finnen halten das ja für lebensgefährlich, aber der Effekt, der sich einstellt, sobald die Kerzen an sind und sich die Familie im Wohnzimmer versammelt hat, ist schwer durch Strom zu ersetzen (und das sagt die Elektrotechnikerin...). Es ist dann einfach plötzlich Weihnachten und selbst wenn der 24. eher gespannt verlaufen ist, ist das dann erstmal vergessen -- zumindest bis die Kerzen wieder aus sind ;-).

Diesmal also nicht, sondern: Weihnachten für Erwachsene. Klingt langweilig, war aber durchaus entspannend ;-). Die Magenverstimmung, die ich die Tage vor Weihnachten hatte, muss aber nicht unbedingt Tradition werden.
Ne Menge Schnee gabs, Jyrki und ich sind hauptsächlich querfeldein und auf Loipen skigefahren (klappt aber nicht, wenn man drei Tage nichts gegessen hat), auf dem gefrorenen Fluss spazieren gegangen, haben gelesen, Spiele gespielt, lange geschlafen (aufstehen wenns hell wird ist dann so um 11...) und gegessen (oder auch nicht).
Die Hauptspeise zu Weihnachten ist in Finnland Schinken. Diese Schinken gibts in teilweise furchterregenden Größen, aber auch als 'sinkkukinkku' (Singleschinken), überall zu kaufen. Der kommt dann ca. einen Tag in den Backofen und dann kann sich die Großfamilie drei Wochen davon ernähren. Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Konzept, dass aber zumindest in Jyrki's Familie nicht so totalitär durchgeführt wird, d.h. es gab auch noch andere Sachen zu essen. Zum Schinken gibts alle möglichen Arten von "Kisten", wie die Finnen Aufläufe nennen. Hauptsächlich so Sachen mit Steckrüben und Möhren irgendwie süß gewürzt. An Heiligabend isst man Milchreis, der in einem großen Topf gekocht wird. Beim Kochen wird eine Mandel in den Reis gemischt. Wer die findet, hat das ganze nächste Jahr Glück. Traditionell ist es üblich, dass Jyrkis Bruder diese Mandel immer findet, so auch dieses Jahr. Und ein Rentier fand sich auch noch an, und so gab es am 3. Weihnachtstag 'poronkäristys', gebratenes Rentier. Dafür wurde eigens der Holzherd befeuert. Sehr lecker!

Interessanterweise ist die Bescherung in Finnland ein bischen anders als in Deutschland (wobei hier die Stichprobengröße nicht für repräsentative Aussagen geeignet ist): Während man in Deutschland Geschenke ja schon eher persönlich übergibt wird in Finnland Joulupukki, der Weihnachtsmann, verantwortlich gemacht. Es ist dann also so, auch unter Freunden, dass man eine Tüte mit den Worten "Joulupukki kavi", also "der Weihnachtsmann war da", überreicht bekommt. Auch bei der Bescherung werden alle Päckchen mit Namen versehen und dann "anonym" verteilt. Seltsam, und etwas schwierig zu beschreiben. Zu mir kam er übrigens auch.

Finnen bekommen übrigens alle mindestens einen solchen Pralinenkarton geschenkt. Diese Pralinenkartons gibt es in verschiedenen Farben und Herstellern, sie scheinen aber zu mindest in der Größe genormt zu sein.

Und als Belohnung für alle, die sich diesen Artikel tatsächlich bis zum Ende durchgelesen haben, noch ein paar Fotos von typisch finnscher Beleuchtung:
Und -- weiß jemand was das hier ist?

Und dann noch meine ersten Eislaternen, zumindest in diesem Jahr.
Alles in allem lässt sich Weihnachten in Finnland gut aushalten. Allerdings werde ich es nächstes Jahr hoffentlich wieder nach Hamburg schaffen -- dann kann mein Finne einen Gastbeitrag darüber schreiben wie seltsam Weihnachten in Deutschland gefeiert wird.

Freitag, 19. Dezember 2008

Frohe Weihnachten schonmal!

Heute nachmittag wurde endlich entschieden, dass sowohl Jyrki als auch ich zwei Tage Urlaub vor Weihnachten bekommen! Es sei denn, plötzlich funktioniert alles nicht mehr, wir sind in "Rufbereitschaft". Vielleicht sollte ich mein Handy in Oulu vergessen, es geht nämlich morgen früh mal wieder in den Norden, hier hin:

Nächstes Jahr werde ich dann in Deutschland Weihnachten feiern. Das Hinundhergereise zum Jahresende werde ich mir nicht geben -- da wir nur zwei Tage frei haben wäre es auch etwas schwierig in Deutschland und Finnland zu feiern... vermutlich werde ich sowieso hauptsächlich schlafen ;-)

Wir werden auf jeden Fall dem Ouluer Wetter entfliehen, das im Moment hauptsächlich mit Regen oder Kälte weitestgehen ohne Schnee glänzt. Und die Woche darauf darf ich dann erholt und motiviert für unser nächstes Ziel am 8. Januar arbeiten.

Schöne Feiertage euch allen!

Sonntag, 14. Dezember 2008

Ich lebe noch

Ane vermutet, dass ich meinen Blog so sträflich vernachlässige, weil bei uns so tolle Skibedingungen sind, dass ich überhaupt nicht mehr zum Schreiben komme. Heute wäre ich tatsächlich das erste Mal skigefahren -- wenn es nicht gestern geregnet hätte. Vorher waren sogar ganz annehmbare Skibedingungen, aber da war ich gerade auf Dienstreise. In Deutschland, genauergesagt in Ulm und am Wochenende in München. Geplant waren drei 4 Tage, es wurden 10. Immerhin durfte ich am Wochenende nach München fahren und Freunde besuchen, unter anderem hab ich auch endlich Ansku kennengelernt! Und meine netten Kollegen in Ulm hatten extra Schnee angemacht, damit ich mich wie zu hause fühle ;-) Sehr schön war es, trotz vieler Arbeit -- und erstaunlich hell ist es in Deutschland, selbst in der Stadt des Nebels Ulm.

Im Moment versuche ich gerade, wenigstens ein paar Tage vor Weihnachten freizubekommen, das heisst ich muss bis dahin viel Arbeiten...
Trotzdem hab ich viele Bloggeschichten im Hinterkopf, bloss bis ich Zeit habe sie aufzuschreiben, kann es noch ein bischen dauern.

Viele Grüsse, besonders nach Hamburg, Ulm und München!

Sonntag, 23. November 2008

Finnisches Essen: Puolukkapiirakka

In der totgeglaubten Serie "Finnisches Essen" heute: Beerenkuchen (marjapiirakka), in diesem Fall Preiselbeerkuchen. Gewürzt mit Geschichten über Beerenpflücker.Die Beeren für den Kuchen auf dem Bild stammen aus dem Wald von Kaarinas Eltern und ich habe sie sogar selber gepflückt (das ist schon ne ganze Zeit her).

Beerenpflücken ist in Finnland als echtes Hobby anerkannt und viele Leute betreiben es im Spätsommer und Herbst als Vollzeitjob um dann genug Beeren fürs restliche Jahr zu haben (und für schlechte Zeiten, falls mal in einem Jahr keine Beeren wachsen noch ein paar mehr...). In schlechten Beerenjahren kann man für Moltebeeren schonmal ein paar hundert Kilometer fahren.
Kommerzielle Beerensucher kommen übrigens jedes Jahr aus Asien um in Finnland das grosse Geld zu verdienen -- allerdings war es in den letzten Jahren wohl so, dass für die meisten trotz 14-Stunden-Schichten kaum Gewinn abfiel, weil das Geld für Flüge etc. draufging. Diese Leute suchen Beeren überall auch sehr nahe an bewohnten Häusern, was in Finnland eigentlich verboten ist. Ich hab auch schon welche in Linnanmaa am Fahrradweg, der zwischen Wald und Schnellstrasse verläuft, gesehen.

Hier das Rezept (hab ich mehrmals gebacken und der Kuchen hat nie länger als eine Stunde gehalten):

2 Eier,
1,5 - 2 dl Zucker, je nachdem ob süsse Beeren (z.B. Blaubeeren) oder saure Beeren (z.B. Preiselbeeren) verwendet werden
2 tl Vanillezucker
mehr als 3 dl Mehl (drei steht im Rezept, aber das war jedes Mal zu flüssig)
150 g Margarine
1 dl Milch
Beeren (Preiselbeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren...)

Zucker und Eier mixen, dann den Rest (ausser den Beern) dazugeben. In eine passende Form füllen, mit Beeren bestreuen, bei 200 Grad 25-35 Minuten backen, fertig.

Das Gute an diesem Kuchen ist, dass sogar ich ihn backen kann ;-)

Ach ja: Sehr gut schmeckt Vanillesosse zum Kuchen!

Dienstag, 18. November 2008

Das Zauberwort -- jetzt auch in Finnland

Meine Geschwister und ich lernten früh, dass sich der Gebrauch des Zauberworts "Bitte" auszahlt -- eine Forderung wird zu einem Gesuch und die Erfolgschancen steigen enorm ;-).
Wenn man dagegen finnische Kinder mit ihren Eltern hört, dann heißt es meistens einfach "Anna mulle... " ("Gib mir", erstaunlich oft verwendeter Satzanfang) und es scheint auch zu klappen. Bei Erwachsenen ist es nicht anders, zumindest wenn sie nicht genug amerikanische Fernsehserien konsumieren ;-).

Bevor man dies als völlig unhöflich ankreidet (ich hatte ein paar Schwierigkeiten mich daran zu gewöhnen), sollte man wissen, dass es das Wort "Bitte" im eigentlichen Sinne im Finnischen nicht gibt. Man kann "ole hyvä" sagen, wenn man etwas überreicht. "kiltti" hat so eine ähnliche Bedeutung wie "Bitte" (im Sinne von bitten), das wird dann meistens zusammen mit Dackelblick eingesetzt -- und nur in Extremfällen.

In letzter Zeit hab ich allerdings ein Wort häufiger gehört und jetzt ist es auch in der "Kuukausiliite" vom Helsingin Sanomat abgedruckt und damit offiziell: "Pliis". Natürlich mit Doppel-i und mitten im finnischen Satz.

Samstag, 15. November 2008

Blaue Stunde

Wenn Schnee liegt und die Sonne untergeht, beginnt die "blaue Stunde". Der Schnee erscheint je nach Wetter mehr oder weniger intensiv blau und das hält an, bis es richtig dunkel geworden ist. Ich mag den finnischen Winter (falls das jemand noch nicht erraten hat...).

Sonntag, 9. November 2008

Das Auto

Vielleicht das einzige Wort von dem jeder Finne den richtigen Artikel kennt (woher wohl). Ich habe mich dem finnischen Trend angeschlossen und auch eins importiert. Letzte Woche hat meine Mutter es dann sogar in Deutschland abgemeldet bekommen -- das Auto hab ich im Mai mitgebracht. Selbst wenn man mein Unangenehme-Sachen-Verschleppungstalent abzieht, ist das eine lange Zeit... und eine langweilige Geschichte. Ihr brauchts nicht zu lesen, aber falls jemand ein Auto nach Finnland importieren oder mitbringen möchte, ist dies vielleicht doch interessant:

Wer ein Auto nach Finnland bringen möchte, sollte sich mehr Gedanken machen, als ich das im Sommer getan habe. Meine Eltern hatten sich gerade ein neues Auto gekauft und so kam es, dass ich das alte mit nach Finnland als Umzugsauto nehmen konnte. Gleichzeitig suche eine Freundin gerade ein gebrauchtes Auto, ich wurde es also auch wieder los ;-) (ich mag Autos eigentlich nicht so gerne, Motorräder kann man viel besser parken).

Vorbereitungen in Deutschland: Auto packen, losfahren.

In Finnland: Auto auspacken, an Freundin verkaufen.

So weit, so einfach -- und ich war das Auto schon wieder los, durfte aber trotzdem zu einigen Institutionen mitkommen ;-). Zuerst muss man zum finnischen Zoll, dem 'Tulli'. Den hätte ich vermutlich auch schon in Helsinki an der Fähre aufsuchen sollen, um mir einen Einreisestempel zu holen, aber das nahm niemand so genau. Die Leute im Ouluer Tulli sind übrigens ziemlich nett, dass hab ich auch später mit meinem Motorrad noch mal feststellen können. Ja, auch auf Autos die aus der EU kommen, muss Einfuhrzoll gezahlt werden. Trotzdem ist es eine Art Nebenverdienst für einige Finnen, gebrauchte Autos aus Deutschland zu importieren ("Immer wenn mein Vater und ich früher Autos aus Deutschland holen, essen wir Döner" hab ich zum Beispiel mal in der Kaffeepause gehört).

Dann ging es zum Katsastus, dem finnischen TÜV-Equivalent. Leider wurden meiner Freundin dort die deutschen Fahrzeugpapiere abgenommen,. Allerdings wurde ihr versichert, dass die Anmeldung in Finnland an die deutschen Behörden weitergeleitet werden würden. Nach der offiziellen Anmeldung in Finnland, die erst dann erfolgt, wenn der Einfuhrzoll bezahlt ist. In unserem Fall dauerte das so drei Monate.

Leider kam im Hamburger Strassenverkehrsamt nichts dergleichen an, man behauptete, dass sowieso 90 Prozent der ausländischen Abmeldungen auf dem Weg verlorengingen. Weiterhin weigerte man sich, das Auto mit Kopien der vorläufigen finnischen Papieren und den Nummernschildern abzumelden. Den Fahrzeugbrief brauche man, sonst ginge garnichts. Finnische Papiere kann man keinesfalls annehmen, auch wenn sich die Fahrgestellnummer, das alte Kennzeichen und ein offizielles Siegel darauf befinden.

Und jetzt? Wir beschlossen, noch ein wenig zu warten, ob doch noch was ankommt. Leider nicht.
Schliesslich hatte ich die Idee, den finnischen Fahrzeugschein und -brief beim Magistraat offiziell beglaubigen zu lassen und mein Glück nochmal zu versuchen. Auf diesen Dokumenten stehen auch tatsächlich jeweils zwei deutsche Wörter, nämlich "Zulassungsbescheinigung, Teil 1" bzw. 2. Das scheint geholfen zu haben, vielleicht hat auch nur gerade die Sonne geschienen und der zuständige Beamte war in besserer Laune als vorher -- man weiss es nicht.

Fest steht aber: Nächstes Mal besorge ich mir ganz bestimmt Kurzzeitkennzeichen! Falls es ein nächstes Mal gibt, denn inzwischen habe ich mein Motorrad ja auch schon hergeholt, und das hat noch deutsche Nummernschilder (war aber schon beim Zoll, bzw. Tüv).

Ach übrigens, für Einwanderer und finnische Expats gibt es eine Umzugsautoregelung. Wenn man unter die fällt, muss man keinen Einfuhrzoll bezahlen. Wichtigste Regeln

1. Man muss weniger als ein Jahr in Finnland gelebt haben,
2. Man darf ein Jahr vor dem Umzugsdatum kein Student gewesen sein (das wird aber wohl eher locker gesehen)
3. Man muss das Auto eine Zeit lang vor dem Umzug besessen haben ode rHauptnutzer gewesen sein und darf es auch eine Weile lang in Finnland nicht verkaufen.

Dies alles sind eher unpraktische Regeln für mich...

PS: Alles ohne Gewähr, mehr Info gibts zum Beispiel bei www.ake.fi oder im Deutsch-Finnischen Forum.

Freitag, 7. November 2008

Hier auch

... ein Foto von teuren Lebensmitteln. Allerdings ist dieses Foto im Mai gemacht worden, aber es passte gerade so schön hier und hierzu. Im Moment sind Paprika übrigens ziemlich günstig und sogar unverpackt und begast erhältlich.

Ein schönes Wochenende wünsche ich euch!

Freitag, 31. Oktober 2008

Schnee!

Juhu, der erste Schnee ist da! Seit einigen Tagen konnte man schon Schnee in Levi beobachten, aber jetzt haben wir vermutlich sogar mehr. Sehr hilfreich sind dabei die "kelikamerat", eine Sammlung von Kameras die die Wetterbedingungen auf Finnlands Straßen aufnehmen, eine Übersicht gibts hier, diese hier ist bei meiner Arbeitsstelle um die Ecke.

Und dann noch, ebenfalls passend zum Wetter und kelikamerat, ein bischen finnischer Humor (das Bild geistert so im Internet herum):

Und ich verspreche einfach mal voreilig, diesen Winter nicht so viele Schneeberichte zu posten...

Freitag, 24. Oktober 2008

In Finnland gibt es keine Schweinehunde

Zumindest in meiner Arbeitsgruppe gibt es ein paar deutsche Worte, die jeder kann: Dazu gehören zum Beispiel "Donnerwetter", "Achtung", "ich bin nur über meine Waffe gestolpert" (oder so) und "Schweinhund". Das liegt an übermässigem Konsum der englischen Comicserie Commando, auf Finnisch "Korkeajännitys" (Hochspannung). Diese Comics spielen im zweiten Weltkrieg und verherrlichen das ganze ziemlich.
Anyway, deswegen wurde ich schon häufiger gefragt, wie man sich einen "Schweinhund" denn vorzustellen habe und was für seltsame Tiere es in Deutschland noch so gebe ;-)

Auch völlig unbekannt ist das Konzept des inneren Schweinehundes, der einen von anstrengenden oder unangenehmen Taten abhält. Stattdessen gibt es Sisu, das einen befähigt selbiges zu tun. Als ich zum Beispiel von meiner Wandertour nach Norden erzählte, die vor der Reise noch sehr abenteuerlich erschien, sagte Kaarinas Vater: "Du schaffst das schon, du hast genug Sisu".

Sisu lässte die Finnen ausserdem bei -30 Grad Skifahren.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Gut zusammengefasst

Dies wird ein Artikel der Kategorie "nicht viel Ahnung, musste aber trotzdem was schreiben" -- aber immerhin ist er kurz:

Ich hab gerade dieses Bild gefunden, und es fasst meine vage Ahnung was in der Welt gerade passiert ganz gut zusammen.
Deshalb möchte ich trotzdem kein Urteil darüber abgeben, ob diese Rettungspakete notwendig sind oder nicht, ich habe schlicht und einfach nicht genug Wissen dazu...

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Noch mehr zur Wahl

Also, inzwischen hab ich eine Einführung in das finnische Wahlsystem bekommen -- ich glaube, dass so auch an der RWTH der Asta gewählt wird (ja, ich sollte wissen, wie dort gewählt wird...):
Man kann in Oulu seine Stimme an einen von 546 Kandidaten vergeben. Diese sind in Listen organisiert. Nach der Wahl werden alle Stimmen einer Liste addiert, nennen wir die Summe s. Der meistgewählte Kandidat der Liste bekommt dann s Punkte, der zweitmeistgewählte s/2 Punkte etc. Dies wird für alle Listen einzeln durchgeführt. Die Kandidaten am Ende listenübergreifend die meisten Punkte haben, ziehen ins Ouluer Parlament ein.
Dadurch haben natürlich Listen mit mehr Kandidaten Vorteile und es ist sehr einfach, Scenarien zu entwerfen, in denen Kandidaten viel mehr Punkte als Stimmen bekommen und so nicht die meistgewählten Personen ins Parlament kommen.

Verschiedene Leute hier haben mir erzählt, dass sie wegen dieses Wahlverfahrens nicht wählen gehen -- oder weil sie denken, dass die Parteien so gleich sind, dass es sich nicht lohnt...
Es ist zumindest bei uns in der Arbeitsgruppe wesentlich normaler nicht wählen zu gehen als ich es in Deutschland erlebt habe.

Gleichzeitig ist eine meiner Arbeitskolleginnen für die SDP aufgestellt -- wir versuchen sie schon die ganze Zeit sie davon zu überzeugen dass wir sie alle wählen, wenn sie nur häufig genug Kuchen mitbringt, leider bisher erfolglos.

Und wir bekommen ständig eine Riesenladung Wahlwerbung und Flyer, die bestimmte Kandidaten vorstellen, aber ich steig da trotzdem noch nicht so richtig durch...

Dienstag, 14. Oktober 2008

Pieni Syksymasennus*

Alle Blätter sind schon seit Wochen von den Bäumen verschwunden,
Das Motorrad in der Wintergarage,
Die (nicht so richtig fertig entwickelten) Sonnenblumen erfroren,
und morgens muss man im Dunkeln aufstehen (bzw. das Aufstehen verschieben...).

Und ja, ich weiss, dass es noch dunkler wird und dass es lange dauert bis sich das ändert...

*kleine Herbstdepression

Ach ja: Sonnenaufgangs- und -untergangszeiten für Oulu hab ich mal im Kasten mit dem Wetter untergebracht... noch sinds fast 10 Stunden theoretischer Sonnenschein (heute mal über den Wolken).

Freitag, 10. Oktober 2008

Veranstaltungshinweis: Suomi ui Unicefille

Am Wochenende findet "Finnland schwimmt für Unicef" statt und die "Settlement Big Band" spielt in der Schwimmhalle in Raksila, am Samstag vermutlich so um halb vier und um sechs. Including myself an der zweiten Posaune ;-)

Ich mache also wieder Musik! Die genannte Bigband ist die Band der Ouluer Volkshochschule und hat ungefähr das Niveau einer Volkshochschulbigband ;-). Für mich hat das nach einigen Jahren Posaunenabstinenz große Vorteile und es ist sehr entspannt. Nebenbei ist die Bandprobe auch einer der wenigen Situationen in denen ich fast ausschließlich Finnisch rede (nach Finnisch kommt Deutsch und dann erst Englisch, zu meiner Verwunderung). Also eine sehr gute Übung.

Flaggenmeister

In finnischen Reihenhäusern gibt es verschiedene "Dienste", zum Beispiel Rasenmähen auf dem gesamten Gelände, aber auch das "Flaggenmeisteramt". Einen Monat lang muss man dann aufpassen, wann Flaggentag ist und gegebenenfalls die finnische Flagge hissen. Zum Beispiel heute:
Es ist Aleksis Kiven päivä und Suomalaisen kirjallisuuden päivä (Also Aleksis Kivi Tag bzw. Tag der finnischen Literatur).
Immerhin lernt man so, was die Flaggentage bedeuten. Und es ist eindeutig netter als Rasenmähen -- leider auch viel seltener. Der nächste Flaggendienst ist dann wohl in 14 Monaten oder so... allerdings muss auch erst nächsten Juni wieder Rasen gemäht werden ;-)

Montag, 6. Oktober 2008

Einbürgerung

Zu meinem Erstaunen (und auch dem aller anderen in meiner Umgebung) darf ich den Ouluer Stadtrat wählen. Sehr nett, und meine Stimme ist in Oulu ja auch viel stärker gewichtet als in Hamburg oder Aachen ;-).

Nun muss ich nur herausfinden was ich eigentlich wählen kann...

Sonntag, 28. September 2008

Finnischer Straßenverkehr

Letzte Woche bin ich ja tatsächlich mal wieder selbst in Oulu Auto gefahren. Hier ein paar Beobachtungen:

-- Ich bin die ganze Zeit in Wohngebieten auf der Suche nach Rückseiten von "Vorfahrt Achten"-Schildern, denn dass man Vorfahrt hat, wird in Finnland nicht unbedingt ausgeschildert. Finnen sehen diese graune Flecke auch immer, aber ich muss noch üben.

-- Finnen halten es für unnötig, an Zebrastreifen Fußgänger durchzulassen. Wenn man das dann tut, wird man von wildfremden Finnen angelächelt.

Vielleicht mehr übers Autofahren im Winter später.

Mittwoch, 24. September 2008

Frage an die Leserschaft


Was ist das hier eigentlich für eine Pflanze? (Ich meine natürlich die unscharfe da im Vordergrund...) Sie wächst im Wald auf dem Karhunkierros und sieht ziemlich giftig aus. Höhe vielleicht 30-50 cm.

Donnerstag, 18. September 2008

Nochmal wandern

Ich bin wohl vom Wandervirus angesteckt worden. Und man muss ja im Moment exzessiv was unternehmen, bevor es dunkel und kalt wird.
Das gleiche Team wie in Muotka, nur die Schuhe waren neu und wir hatten mehr Pflaster und ein verbessertes Menü mit.


Diesmal nahmen wir den bekanntesten Fernwanderweg in Finnland: Die Bärenrunde (Karhunkierros) an der russischen Grenze, ca. 300 km nordöstlich von Oulu. Das ist kein Rundweg, und wie Kaarina und ich schon letztes Jahr festgestellt hatten, ist es relativ umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinzukommen. Nur wochentags fährt ein Bus zu den Startpunkten. Ich hab mir einfach mal Donnerstag und Freitag freigenommen, dann gehts ganz gut. Wir haben festgestellt, dass wir auch nicht schneller vorankommen, wenn es einen Weg gibt, weil ich immer alle paar hundert Meter stehnbleiben muss, um mir irgendwas anzuschauen...
So schafften wir es in guten drei Tagen 50 Kilometer weit von Ristikallio bis nach Juuma. Der Weg führt weitestgehend durch felsigen Wald, was zu dieser Jahreszeit besonders schön ist es ist nämlich Ruskaaika (so ne Art Indian Summer).Nach der letzten Tour durch die Wildnis erscheint der Karhunkierros recht urban. Es gibt überall Hütten, Feuerplätze und Toiletten. Und Leute. Da der Weg durch einen Nationalpark führt darf man auch nur an den vorgesehenen Stellen, in der Nähe von Feuerstellen oder Hütten campen. Dank des finnischen Armeeschlafsacks, den ich geliehen bekam, war mir selbst bei Minusgraden im Zelt nicht kalt. Morgens und abends allerdings schon, da war es gut, viel zusätzliche Kleidung mitzuhaben.
Meine neuen Schuhe halten wunderbar, meine verpflasterten Hacken sind sogar auf der Tour weiter geheilt.Und Bären gibts da kaum, dafür haben wir aber einen weiblichen Metso und viele Wasservögel gesehen. Und natürlich Rentiere und Mücken, letztere waren aber kaum noch einsatzfähig. Im Sommer könnte dieser Weg allerdings zur Hölle werden, es gibt zumindest unzählige fließende und stehende Gewässer.
Die Hauptattraktionen des Weges sind seltsam geformte Felsen, Wasserfälle und Stromschnellen. Es gibt erstaunlich viele verschiedene Gesteinsarten die anscheinend in der Eiszeit zusammengepresst wurden. Die Flüsse meandern großzügig und erzeugen an vielen Stellen Inseln, Seiten und Ausgleichsströme und hohe Sanddünen. Außerdem gibt es "Hiidenkirnus", große runde Löcher im Fels, die durch drehene Steine im Fluss erzeugt wurden. Und natürlich tausende Beeren, seltsame Pilze, tote Bäume, ölige Sümpfe etc.
Interessant waren auch die Baumstämme, die Anfang des 20. Jahrhunderts gefällt worden waren und dann nicht vernünftig durch die Flüsse transportiert werden konnten. Ein paar liegen da immer noch, zusammen mit den Resten der 1939 aufgekauften und an Ort und Stelle zurechtgesägten. Kompostierung läuft hier im Norden so erstaunlich viel langsamer als in Mitteleuropa. Das kann man auch sehr schön an den toten, aber noch stehenden Bäumen sehen, die sich im Laufe der Jahre durch einseitige Sonneneinstrahlung völlig verdrehen.

Am letzten Tag sind wir auf der "kleine Bärenrunde" gewandert. Die Landschaft ist dort wirklich schön, aber am Wochenende gibt es wirklich viele Tagesbesucher (wir haben auf 10 km bestimmt 100 Leute gesehen...) und man wird mit großem Rucksack bestaunt wie ein Mondkalb (ungefähr zumindest ;-).
Zurück ging es von Juuma mit dem Taxi nach Kuusamo, wo dann sogar am Wochenende Busse nach Oulu fahren.
Schöne Sache, aber ich glaube, ich mag "echte Wildnis" noch lieber.

Ach ja, Fotos gibts natürlich auch.

Dienstag, 16. September 2008

Herbst, Vermischtes

Hier ist der Herbst jetzt auch endgültig angekommen. Mit zugehöriger schleichender Erkältung und ausserdem ist es morgens und abends zu dunkel ;-)
Im Moment ist der Tageslichtgradient übrigens ziemlich krass: Im Vergleich zum Anfang des Monats bis heute haben wir 80 Minuten Tageslicht weniger. Dafür hat die Ruskazeit angefangen, und am Wochenende waren Harri und ich wieder unterwegs. Dazu später mehr.

Eigentlich wollte ich jedoch von einem alten finnischen Erkältungstrick berichten:
Wenn man eine Erkältung bekommt, muss man Tyrnis essen, die sind gesund (haben ein Vielfaches des Vitamin C-Gehalts von Zitrusfrüchten). Kaarinas Vater sammelt die jedes Jahr und dann werden Kaarina und ich mit einer Jahrespackung versorgt. Seit ich die letzten Tyrnis bekommen habe, war ich nicht mehr krank, zur Abschreckung wirken sie also schonmal.

Wobei, mit Vanilleeis schmecken die sogar ganz gut, in Viili zum Frühstück verrührt eher nicht so. Dafür ist Viili aber auch gesund ;-)
Und ich darf heute zu Hause arbeiten um eine angemessene Menge an Tee mit Honig zu mir nehmen zu können. Also zurück an die Arbeit ;-)

Mittwoch, 10. September 2008

Deutschland gegen Finnland

Heute, Fußball. Deutschland hat also eine Chance zu gewinnen, obwohl Löw gestern in der Pressekonferenz die Stärke der Finnen tausendfach herausgehoben hat (zumindest hat das finnische Fernsehen genau diese Teile gesendet). In Deutschland im ZDF, in Finnland im PayTV -- ich muss es also nicht anschauen ;-)

Dienstag, 9. September 2008

Spaziergang durchs Blaubeerfeld

Jetzt also endlich der Muotkatunturitbericht.


Mein Arbeitskollege Harri hat mich im Frühling gefragt, ob ich Interesse an einer Wandertour im Norden hätte. Und natürlich hab ich ja gesagt, ohne überhaupt groß zu überlegen. Bei der Arbeit schaute man mich etwas entgeistert an und mein Vater fragte, wie wahrscheinlich es denn sei, dass ich denn zurückkommen würde. Aber zumindest für Harri war es lediglich ein entspannter Spaziergang. Dank ihm gab es auch eine ordentliche Vorbereitung, ich hätte vermutlich die Hälfte der benötigten Dinge vergessen.
Muotka liegt zwischen Karigasniemi und Inari. Nordlappland ist von Helsinki aus fast einfacher zu erreichen als von Oulu, wo man erstmal zehn Stunden Bus fahren darf. Von Helsinki fliegt man einfach nach Ivalo und ist dann quasi am Ziel. Wir stiegen ca. zehn Kilometer vor Karigasniemi an der Grenze zu Norwegen aus dem Bus. Am ersten Abend gingen wir entlang einem kleinen Sandweg bis zum nächstgelegenen Fluss.

Muotka ist ein "erämaaalue" also: Wildnis. Es gibt keine markierten Wege und niemand darf auf dem Gebiet bauen. Außer Reintierzäune. Und wie schon erwähnt gibt es noch Bruchstücke der alten Postroute. Üblicherweise trifft man 0 bis wenig Leute in einer Woche Wanderung, aber da im Juli ein langer Artikel über Muotka im "Retkilehti", einer finnischen Zeitschrift, erschienen war, haben wir tatsächlich so alle zwei Tage mal Leute gesehen.
Da es keine Wege gibt, muss man sich selbst überlegen, wie man ans Ziel kommt. Wir wollten zum Koarvikodds, dem höchsten Fjell der Region und zum Peltojärvi, einem schönen See mit Sandstrand. Hilfreicherweise hatten wir eine detailierte Karte, in der Sumpfgebiete, Geröllfelder und andere Unwegsamkeiten eingetragen waren und ein GPS-Gerät. Keine Wege bedeutet auch, dass man selbst sehen muss, wie man durch Flüsse und Sümpfe gelangt. Üblicherweise kann man aber dank der recht spärlichen Vegetation recht gut laufen. Außer wenn man den falschen Weg wählt...
Es ist auf jeden Fall eine intensivere haptische Erfahrung, tatsächlich nicht auf einem befestigten Weg an der Landschaft vorbeizulaufen sondern direkt mittendrin zu sein. Das bedeutet allerdings auch, dass man bedeutend langsamer ist. Im Höchstfall haben wir 18 km am Tag geschafft, meistens eher so 15 oder weniger.
Das lag vielleicht auch an meinen Schuhen. Die haben mir schon ungefähr seit ich 14 bin gute Dienste geleistet und sind mit mir in der Hohen Tatra herumgekraxelt. Und: Ich habe sie extra mehrere Wochen vor der Tour ordentlich wieder eingelaufen und lustige Experimente gemacht. Das hat beides nichts genutzt. Am ersten Wandertag fühlten sich die Hacken des Schuhs etwas komisch an, und am Abend waren die Nähte hinten innen im Schuh offen. Und meine Hacken hatten beide schön große Blasen. Den Rest der Woche hatte ich dann morgens und abends mit einpflastern zu tun. Auch die Wasserfestigkeit ließ ab Tag 4 doch zu wünschen übrig. Man kommt zwar gut trockenen Fußes durch kleine Flüsse, die wirkliche Beanspruchung für gewachste Schuhe sind jedoch nasse Büsche. Die gibt es in Fjelllanschaften genug. Und ja, ich habe jeden Morgen nachgewachst. Meine nächsten Wanderschuhe haben übrigens G.oretex.


Die Landschaft ist unbeschreiblich schön und harsch. Im Überblick sieht es ziemlich leer aus, im Detail gibt es erstaunlich viele Pflanzen, die ich vorher noch nie gesehen hatte und die sich in verschiedenen Weisen an die extremen Lebensbedingungen angepasst haben. Ich musste häufig stehenbleiben um erstaunliche Pflanzen zu bestaunen oder Blaubeeren zu essen. Die sind an manchen Stellen der Hauptbewuchs. Dann gibt es noch "Krähenbeere" (heißen die so auf Deutsch?), in die man sich häufig reinsetzt, und Juolukka. Erstere ist halbwegs genießbar, zweitere eher nicht.
Tiere sieht man ziemlich wenige, aber man findet Hinterlassenschaften in Form von Kot, Knochen oder im Fall von Lemmingen Höhlen aus Heu. In lebendig haben wir unter anderem einen Fuchs, ziemlich viele Rentiere, Raben und Krähen, einen Piekana (was ist das auf Deutsch?), ein paar Tiara und einen Kuukeli gesehen. Und als wir am See gecampt haben, heulte in der Ferne ein Wolf.

Die ersten drei Tage hatten wir Traumsonnenwetter, erst als wir auf den Koarvikodds wollten, legte sich nachts eine Wolkenschicht über uns, die zwei Tage blieb und ab und zu mal regnete, insbesondere aber immer weiter sank. Aber trotzdem schön.

Ein perfekter Urlaub, man ist in einer völlig anderen Welt und das, was im Alltag wichtig ist, wird zumindest für eine Weile stark relativiert. Außerdem hab ich gelernt, mit einem 13 Kilo schweren Rucksack Sümpfe von einem Torfhügel zum anderen springend zu durchqueren.

Ich hab immer noch das Gefühl tausend Sachen nicht erwähnt zu haben, aber ich glaube, der Bericht ist jetzt langsam lang genug. Ach ja, nicht vergessen Fotos anzuschauen.

Ach ja, eine Sache noch: Es ist gelogen, dass es Mitte August keine Mücken mehr in Lappland gibt, die waren definitiv noch da. Zusammen mit ihren kleineren Verwandten Mäkärä und Polttiainen. Letztere sind besonders mies, sie können überall hin kriechen, was sie auch tun.

Donnerstag, 4. September 2008

Wochenendtip: Oulun Päivät (Oulu Days)

Am Wochenende findet eine Art allgemeines Festival in Oulu statt, wo alle möglichen Aktivitäten angeboten werden. Ich zitiere hier mal die interessantesten aus dem englischen Programm und kann sie leider auch nicht unkommentiert lassen:

Freitag:
‘Muumi ja vaarallinen juhannus’ (The Moomin and the Dangerous Midsummer).
Open air film showing. Muse Party. Hupisaari Summer Theatre. Tickets: 5€
-- Wettervorhersage für Freitag nacht: kalt. Zu kalt für Filme draussen zumindest...

Samstag:
1pm – 2pm.
‘Get to know Salmon.’ An event for people who want to know more about salmon. Kaltie, Merikoski.
-- Lerne Lachs kennen...

2.15pm – 5pm.
‘Women as Decision-Makers.’ Discussion. Oulu City Library lower lobby.
-- Bitte?

1pm
Nordic stick-walking with the Bishop of Oulu, the Rt Rev’d Samuel Salmi. The bishop will be Nordic stick-walking in front of Oulu City Theatre and you can go and walk with him.
-- Die spinnen, die Finnen...

Und dann gibts natürlich noch wirklich viele "normale" interessante Sachen.

Mittwoch, 3. September 2008

Kleine Geschichte

In den Muotkatunturit (ich hab es übrigens inzwischen geschafft, Fotos ins Internet zu stellen) findet man manchmal Bruchstücke eines alten Wegs. Das war der Postweg von Inari zum Tenofluss, auf dem aus die Post weiter nach Utsjoki transportiert wurden. Der Postbote hatte also eine kleine Wanderung von zwei Tagen in einer Richtung vor sich.
Als in Utsjoki eine Steinkirche gebaut werden sollte, beschloss der sparsame Bürgermeister, sich die Mauersteine mit der Post schicken zu lassen -- das war nämlich zu der Zeit umsonst. Und so schleppte der Postbote ständig Steine von Inari Richtung Utsjoki. Er soll nicht lange gelebt haben (das taten die Postboten der Zeit aber wohl im Allgemeinen nicht).

Die Geschichte ist ohne Gewähr, aber ich habe sie selbst auf bei der Wanderung durch die Muotkatunturit erzählt bekommen. Muss also stimmen ;-).
Ich habe häufig wenn wir mal wieder auf diesen Weg trafen an den Postboten gedacht. Im Winter ohne Zelt, mit möglichst viel Gepäck, denn er wurde nach Gewicht bezahlt. Trotzdem muss er ein ganzes Stück schneller gelaufen sein als wir, denn in zwei Tagen hätten wir vielleicht die Hälfte geschafft.

Samstag, 30. August 2008

Schwesternbesuch

Oulu ist eine Reise wert, besonders wenn man eine kostenlose Schlafgelegenheit vorfindet...

Ich vermute, dass meine Schwester und ihre Freundinnen ungefähr so weit nach Norden geinterrailt sind wie es überhaupt geht: Bis nach Rovaniemi (ja, man kann noch weiter nach Kemijärvi, aber so ungefähr). Über Dänemark, Schweden und Finnland. Leider musste ich arbeiten, aber sie sind ja schon groß. Die Zeit war wohl recht ausgefüllt mit ausschlafen, die Stadt unsicher machen und nötige Winterkleidung kaufen, den Weihnachtsmann in Rovaniemi besuchen, Cider am Seestrand trinken und höchsten Wasserfall Finnlands suchen und finden wenn es fast schon dunkel ist. Dieser Wasserfall ist tatsächlich erstaunlich hoch (besonders wenn man bedenkt, dass wir uns im Flachland befinden), aber wie schon der Zusatz im Reiseführer "beim Kraftwerksmuseum" vermuten ließ, völlig eingemauert von einem Wasserkraftwerk. Aber immerhin ist der Wasserfall wohl auch der bestbeleuchtste in Finnland und auch Jyrki und ich auch noch was Neues kennengelernt.

Schade, dass ihr nur so kurz da ward und ich nur Abends Zeit hatte, es war schön euch zu beherbergen! Die Wohnung ist auch schon fast wieder instandgesetzt ;-)

Mittwoch, 27. August 2008

Kleiner Vorgeschmack

So sah es aus...

Beliebte Fragen

...bezüglich meines Urlaubs, gesammelt seit Sonntag abend, hauptsächlich in der Kaffeepause.

Überlebt?
Ja.

Wie war das Wetter?
Sehr schön, an den ersten drei Tagen schien die Sonne, dann regnete es ab und zu, aber meistens nachts.

Gab es noch essbare Moltebeeren (Lakka)?
Ja, jetzt allerdings nicht mehr, ich hab fast alle aufgegessen.

Hast du gefischt? (seltsame Frage, aber mindestens einmal in der Kaffeepause muss das Wort "Fisch" gefallen sein)
Ja, ich habe es zumindest versucht. Der dicke Fisch im Teich strafte mich mit Nichtbeachtung. Und ja, ich hatte einen Köder...

Warum gibts hier keine vernünftigen Blogeinträge?
Ich muss meine Schwester und ihre Kolleginnen bespassen, die gerade auf ihrer Interrailtour "zufällig" vorbeigekommen sind. Das ist ein Fulltimejob und ich muss nebenbei auch noch zur Arbeit. Nachdem sie weg sind und ich kurz die Wohnung renoviert habe, gibts Fotos etc. ;-)

Donnerstag, 14. August 2008

Wer braucht schon Gummistiefel...

... wenn man genauso gut Wanderschuhe wachsen kann. Ich hoffe sie halten, auf jeden Fall konnte man unbeschadet im nahegelegenen See herumwaten.

Am Samstag gehts nach Norden in den Urlaub Teil 3!

Mittwoch, 13. August 2008

Sommerurlaub, Teil 2b

Generationentreffen: Der Stückgutfrachter Cap San Diego trifft bei den "Hamburg Cruise Days" auf ein Containerschiff...... und Jyrki lernte meine Eltern kennenlernen ;-). Gott sei Dank hinkt der Vergleich etwas.

Es waren schöne Tage in Hamburg, mal 15 Grad wärmer als sonst. Zu meinen persönlichen Highlights zählten die Fahrradtour an die Elbe, bis abends spät im Garten sitzen, "echtes" Eis und Würstchen und einfach meine Lieblingsstadt selber. Erstaunlicherweise hält sich das Heimweh aber trotzdem in Grenzen... es war sehr schön dort zu sein, aber jetzt reichts auch erstmal wieder für ne Zeit ;-).
Mehr Fotos von den Cruise Days, der Stadt und der "Wanderung" vom Hafen nach Blankenese gibts hier.

Die normalen Ferienbeschäftigungen wurden allerdings hauptsächlich durch Motorradsuche und -kauf ersetzt. Das kann schon mal 10 Tage in Anspruch nehmen, dann blieben noch 2 "normale" Tage übrig. Auf jeden Fall besitzt Jyrki jetzt ein gelbes Motorrad und sämtliche Kleidung und Zubehör. Falls jemand wissen will, wie man die Ausfuhr eines Motorrads nach Finnland organisiert -- ich könnte da einiges von erzählen...

Ansonsten hab ich wohl mit meinem Auswanderungsland recht viel Glück gehabt. Ich glaube es ist viel schwieriger als Ausländer in Deutschland zu leben als in Finnland. Deutsche scheinen einfach ungerne Englisch zu sprechen... und nicht mal Fernsehen kann man, ohne der Sprache mächtig zu sein. Ich glaube, ich bin von Finnland etwas verwöhnt ;-) Außerdem gehen Finnen natürlich noch nicht mal davon aus, dass Ausländer ihre komplizierte Sprache jemals lernen würden.

Und in Teil 2c: Der Rückweg, oder: Von Hamburg nach Oulu in 5 Tagen.

Dienstag, 12. August 2008

Sommerurlaub, Teil 2a

Normalerweise kommt man innerhalb von ungefähr sechs Stunden von Oulu nach Hamburg, bloss ist das im Sommer plötzlich ziemlich teuer, besonders wenn man nur ein paar Wochen vorher weiss, wann man genau fahren möchte.
Also nahmen wir eine interessantere Route: Bahn, Ryanair und Bus. Mit dem Nachtzug von Oulu nach Tampere zu fahren ist trotz relativ gemütlicher Kabinen etwas stressig, weil die Fahrt einfach zu kurz ist: Es geht um Mitternacht los und man ist um zehn vor sechs am Ziel. Der Flug von Tampere geht natürlich erst um 10. Zu erwähnen ist, dass Ryanair inzwischen direkt von Tampere nach Bremen fliegt -- sehr praktisch und vor allem geldbeutelschonend.
Am Ende ging es dann mit dem Bus von Bremen nach Hamburg, inklusive einer Stadtrundfahrt mit Aussenbezirken, weil die Autobahn völlig verstopft war. So fuhr der Bus von Hollenstedt durch gemütliche Dörfer in den Freihafen und über die Köhlbrandbrücke (eine der höchsten Erhebungen in Hamburg) in die Innenstadt.

Morgen gehts weiter, ich bin jetzt zu müde und der Bericht wird noch etwas länger. Bilder gibts auch. Später.

Montag, 11. August 2008

Sommerurlaub, Teil 1

Eine Regenwoche in Lappland im Sommerhaus von Jyrkis Eltern. Wir haben unter anderem eine Hochzeit besucht, die an der Baumgrenze des Yllästunturi stattfand. Etwas seltsam, wenn man fast niemanden kennt, nichtmal das Hochzeitspaar. Ein in meinen Augen etwas komische Sitte der Finnen ist, dass das Hochzeitspaar die ganze Hochzeitsfeier lang an einem separaten Tisch zu zweit sitzt. Das kann man ja auch ohne die ganzen Gäste den Rest seines Lebens noch machen...

Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Kommunikation mit Jyrkis Verwandschaft, die fast geschlossen kein Englisch spricht, inzwischen ganz gut klappt. Ich habe tatsächlich eine über zwei Stunden dauernde, als Kaffeetrinken getarnte, Inquisitionsveranstaltung mit Eltern und Oma überstanden ;-).

In einer Regenpause kam ich auf die Idee, im Ounasjoki hinterm Haus schwimmen zu gehen. Das Wasser war garnicht so kalt. Lediglich einige Verhaltensregeln sind zu beachten:
Man sollte die Zeit vor und nach dem Baden mit freiliegender Haut so kurz wie möglich halten. So schnell wie möglich ganz ins Wasser eintauchen und nach dem Bad direkt das Handtuch greifen und während man ins Haus rennt mit schlagenden Bewegungen die Mücken vom Körper fernhalten.

Die Mücken gediehen prächtig, denn es war schwül und regnerisch. Interessanterweise verhalten sich Mücken in Lappland anders als die um Oulu. Während die Ouluer Mücken um ihr Opfer herumfliegen um einen geeigneten Platz zu finden und dann gezielt zuzustechen, verfolgen die lappischen Mücken eine einfachere Taktik: Sie stürzen sich von allen Seiten auf ihr Opfer und stechen zu egal wo. In ihrem Eifer trinken sie manchmal so viel Blut, dass sie daran elendig zugrundegehen. Welche Taktik die bessere ist, kann ich leider nicht beurteilen.

Ausser ausgiebigen Mückenstudien gaben wir uns hauptsächlich entspannenden Regentagsbeschäftigungen hin: Lesen, Spielen, Musizieren, Boote schleppen, Grillen in der Grillhütte, Sauna...

Erstaunlicherweise war die Lapplandwoche trotzdem ziemlich schnell um, weiter gings nach Oulu und dann mit dem Nachtzug nach Tampere, auf den Weg zum Sommerurlaub Teil 2.

Sonntag, 10. August 2008

Wieder da!

Der Rückweg nach Finnland ist ganz schön lang, wenn man ihn mit Fähre und Motorrad zurücklegt und sich dabei nicht langweilen will.

Jetzt erstmal schlafen und dann eine Woche bei der Arbeit ausruhen bis es mit Urlaub Teil 3 weitergeht. Von den Teilen 1 und 2 wird morgen hoffentlich berichtet.

Samstag, 2. August 2008

Deutschlernen mit Mülleimern


Jyrki lernt deutsch im Vorbeigehen.

Viele Grüße aus Hamburg!

Sonntag, 13. Juli 2008

Getränk mit Explosionsgefahr (Finnisches Essen [7])

... oder: Alkoholische Getränke selberbrauen.

Sima wird in Finnland traditionell an Vappu (1. Mai) getrunken. Bei Kaarinas Eltern gibt es das auch im Sommer als Erfrischungsgetränk. Letzten Sommer fand ich es etwas gewöhnungsbedürftig (vergorene Limonade mit Rosinen...), aber dieses Jahr sehr lecker. Natürlich habe ich keine Gefahren gescheut und versucht, Sima selbst herzustellen. Vor allen Dingen, weil ich von Kaarinas Mutter viel zu viel Rhabarber bekommen hatte. Normalerweise macht man Sima mit Zitronen, aber mit Rhabarber finde ich es sogar noch besser.

Simamachen nimmt drei Tage in Anspruch. Hilfreicherweise macht es sich hauptsächlich selbst. Also:

Benötigt werden: Je 200 Gramm weißer und brauner Zucker (Farinzucker),
mindestens 800 Gramm Rhabarber,
Hefe sowie
4 Liter Wasser.

Einen Teil des Wassers erhitzen und den Zucker darin auflösen. Rhabarber schnippeln und ebenfalls hinzugeben. Den Rest des benötigten Wassers kalt hinzugeben. Sobald das Gemisch handwarm ist, ein winziges bischen Hefe hinzugeben, vielleicht ein Achtel Teelöffel. Das Gebräu bis zum nächsten Tag stehenlassen. Es sieht dann vermutlich so aus:

Am nächsten Tag kann das (der, die?) Sima abgefüllt werden. Dazu die Rhabarberstücke entfernen, einen Teelöffel Zucker und ein paar Rosinen in jede Flasche füllen und dann mit Sima auffüllen. Verschließen und warten bis die Rosinen aufschwimmen. Vorsicht beim Aufmachen der Flasche -- am besten nicht zu voll machen. Und mein Sima hat sogar den Finnen geschmeckt ;-)

Donnerstag, 10. Juli 2008

Spiegel Online schreibt über das Leben in der finnischen Gemeinde Eurajoki. Dort gibt es ein Atomkraftwerk und die Leute leben dort ganz idyllisch und seltsamerweise ohne Angst und Schrecken, dass jederzeit ein Störfall eintreten könnte.
Ich frage mich, was die Leute da sonst machen sollen -- wer nicht beim Atomkraftwerk leben will, wohnt da vermutlich nicht (mehr). Ich finde es eher kurzsichtig in Deutschland hysterisch die Schliessung von deutschen Atomkraftwerken zu fordern und dann gemütlich mit grenznahem tschechischen Atomstrom fernzusehen.

Die Sichtweise der Finnen die ich kennengelernt habe auf Atomkraft ist nicht so negativ wie in Deutschland. Während in Deutschland die Grünen Kohlekraftwerke bauen wollen, halten die Finnen das für das schlechteste, was man machen kann (hoher CO2-Emissionen, schlechter Wirkungsgrad). Wasserkraft klingt toll, ist aber auch zwiespältig, zumindest schwer auszubauen, denn in einem platten Land wie Finnland müssen Stauseen sehr gross sein und durch die verstärkte Strömung werden Schwermetalle aus dem Boden geschwemmt (was man nicht alles im Finnischunterricht lernt...). Hier im Norden wird auch gerade ein Atomkraftwerk geplant und der genaue Standort entscheidet darüber, welche Gemeinde die Arbeitsplätze bekommt. Es wäre sicherlich besser, den Stromverbrauch zu senken und keine Atomkraftwerke zu bauen. Da das aber wohl nicht der Fall sein wird, ist mir ein Atomkraftwerk in Kemi (100km entfernt, in Finnland) lieber als eins an der russischen Grenze (300km entfernt).

Freitag, 4. Juli 2008

Der finnische Sommer ist kurz...

...deshalb hab ich im Moment nicht besonders viel Zeit zum Bloggen. Aber keine Angst, ich komme schon wieder dazu, sobald der Sommer vorbei ist. Vielleicht morgen oder so ;-)

Sonntag, 29. Juni 2008

Finnisierung

- Im April in Deutschland einen Sonnenbrand auf dem Handrücken bekommen (wäre früher unmöglich gewesen),

- Denken, dass OFF-Mückenspray nach Sommer riecht.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Juhannus 2008

Dieses Jahr habe ich Juhannus mal wirklich traditionell begangen (letztes Jahr haben Kaarina und ich uns ja nach Tornio verzogen).
Juhannus, der Mittsommertag, fängt eigentlich schon in der Woche davor an, mit Einkaufen. In den Läden geht es wie in der Vorweihnachtszeit zu, nur dass sich die Kunden hauptsächlich auf Grillfleisch, Würstchen, Grillkohle und die Abteilung für alkoholische Getränke spezialisieren. Schlauerweise war ich schon am Mittwoch einkaufen, am Donnerstag soll es sehr voll gewesen sein. An Juhannus sind alle Läden geschlossen. Auch beim öffentlichen Personennahverkehr herrscht Ausnahmezustand -- am Freitag, dem Juhannusaatto (quasi Midsummereve, ich weiß gerade keine gute deutsche Ûbersetzung), fahren die Busse bis Mittags nach Samstagsfahrplan und danach nicht mehr. Kein Busverkehr bis Sonntag morgen. Irgendwie verständlich, denn an Juhannus ist kaum jemand in der Stadt.

Ich bin mit einem Haufen Finnen in ein Ferienhaus in Vuokatti gefahren. Tatsächlich war mir zwischenzeitlich fast ein bischen mulmig, acht Finnen von denen ich einige kaum kannte, jeder mit einem großzügigen Alkoholvorrat... Aber ich hatte ja Kaarina und Jyrki, und einige andere kannte ich auch ;-)
Noch wichtiger an Juhannus als ein genügender Vorrat an Alkohol ist ein warmer Grill und Sauna. Wir in unserem Luxusmökki hatten auch noch einen Whirlpool und einen Billiardtisch. Abends ein paar Stunden in die Sauna und danach entspannt bis morgens draußen sitzen und quatschen, das sind die Qualitäten von Juhannus. In Deutschland fehlt so ein kollektives Sommerfest, ansonsten gibt es ja eher so anstrengende Festivitäten wie Weihnachten ;-)
Juhannus ist auf bloß leider zu kurz -- von Freitag bis Sonntag reicht einfach nicht.

Meine Finnischqualitäten wurden auch mal wieder auf die Probe gestellt, nachdem Jyrkis Bruder sagte, dass ich "ihan kaikki" Finnisch verstände, sprach Ari nur noch Finnisch mit mir und auch die sonstigen Gespräche wurden in Finnisch geführt. Ich konnte sogar auf Finnisch Alias spielen (das ist so ähnlich wie das deutsche Spiel Tabu)!

Ansonsten muss noch erwähnt werden, dass man bei der Auswahl des Juhannusmökkis darauf achten sollte, dass es eine Terrasse mit Ûberdachung gibt, denn das traditionelle Juhannuswetter beinhaltet einen guten Teil Regen. Als wir am Sonntag in Oulu ankamen, lagen Hagelkörner auf der Wiese vorm Haus.

Donnerstag, 19. Juni 2008

Englisch vs. Finnisch

Gestern habe ich endlich eine gute Begründung gehört, warum ich doch endlich bei der Arbeit Finnisch reden soll:

"Rede lieber Finnisch, gutes Englisch lernst du hier auf jeden Fall nicht."

Dafür lerne ich reines Finglisch, ich fange schon an, Präpositionen zu verwechseln und Dinge zu sagen wie "This pays 5 Euros" (zahlen und kosten ist in Finnisch ein Wort). Man kann natürlich auch, wenn man ein Wort in Englisch nicht sofort weiß, einfach das finnische benutzen. Ein legendärer Satz (ja, man macht sich hier über mich lustig), stammt aus dem Winter:

"He thought that we would have cut the naru of the lintulauta with a puukko!" (Aber das waren wir garnicht, sondern ein orava.)

Alles klar?

Ich kenne auf jeden Fall genügend finnische Wörter um ein Gespräch zu bestreiten, aber in Realzeit einem Gespräch in Finnisch zuzuhören und mir gleichzeitig Antworten in Finnisch zu überlegen, ist garnicht so einfach. Und man lernt es nur, wenn man es tatsächlich mal durchhält... Vielleicht fang ich in der Ferienzeit, wenn nicht so viele Leute da sind, mal an.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Bald ist Juhannus

In meinem Leben passiert gerade nicht viel Erwähnenswertes, dafür ist aber viel los ;-) Ich erwähne einiges einfach trotzdem, und zwar relativ ungeordnet:

Nächstes Wochenende ist Juhannus, also Mitsommer! Wir fahren nach Vuokatti, mit 9 Leuten in ein großes Mökki (Ferienhaus). Das Wetter ist "epävakainen", d.h. die Meteorologen haben keinen Schimmer, aber soviel wie es im Moment regnet kann es nur gut werden.

Nokia-Sommerfest war letzten Freitag. Nokia mietet dazu eine riesige Wiese, baut eine Bühne und mehrere Verpflegungsstände auf -- und das reicht ja auch schon ;-) Dann kommen ein paar tausend Leute zur Party und suchen einander. Das Auffinden von bestimmten Leuten kann einige Stunden dauern, aber dafür findet man dann meistens andere Leute. Die Mücken waren auch da, aber es scheint als gäbe es noch fast garkeine Bienen oder Wespen -- kein Wunder, denn letzte Woche war es nachts fast immer um den Gefrierpunkt. Ach ja, natürlich hatte ich gerade bevor es kalt wurde meine drinnen gezogenen Pflanzen nach draußen gesetzt.

Am Wochenende waren Kaarina, Jyrki und ich dann noch in Tornio (Jyrki durfte meine Zweiteltern kennenlernen, wie Kaarina meinte). Einschneidendes Erlebnis im Leben der beiden anderen: Ihr erster Besuch bei Ikea. Sehr lustig zu sehen, dass IKEA-Einkaufen wohl eine Art Kulturfertigkeit ist. Garnicht so selbsterklärend wie ich dachte. Und in Originalsprache.
Ansonsten bleibt vom Wochenende eine leichte Bräunung und viel Rhabarber aus dem Garten. Selbiger ist inzwischen in ein Kuchenexperiment (mäßig geglückt) und Sima (finnisches Met, noch nicht trinkfertig) umgewandelt.

Und alle bereiten sich auf ihren Sommerurlaub vor -- nur ich muss noch bis zum 18.7. arbeiten...

Donnerstag, 12. Juni 2008

Fußballwörter

Falls sich jemand mal auf Finnisch über Fußball unterhalten will und um zu zeigen, dass es sehr lehrreich ist, Fußball zu schauen, hier eine kleine Auswahl von Fußballwörtern. Ich habe sie während des Spiels Deutschland gegen Kroatien aufgeschnappt. Leider weiß ich nicht mehr, was Abseits heißt, weil ich zu spät angefangen habe zu schreiben und kein fußballkundiger Finne anwesend ist (falls es solche überhaupt gibt).

maali -- Tor
maalivahti -- Torwart
torjunta, puolustus -- Verteidigung
pelaja -- Spieler
hyökkäjä -- Angreifer, Stürmer
lippu -- Fahne
maalikunnigas -- Torschützenkönig
tuomari -- Schiedsrichter
kulmapotku -- Eckstoß
rajaheitto -- Einwurf
rangaistus -- Strafe
syöttää -- zuspielen
yritys -- Versuch
tilanne -- Situation
voitto -- Sieg
liian hitaasti -- zu langsam
potku -- Schuss
pallo -- Ball
kenttä -- Feld
jalkapallo -- Fußball
loukkaantua -- sich verletzen
päävalmentaja -- Cheftrainer
johto -- Führung
pettymys -- Enttäuschung
vaarallinen -- gefährlich
joukkue -- Mannschaft
maalintekijä -- Torschütze
vapaapotku -- Freistoß
punainen (keltainen) kortti -- rote (gelbe) Karte
aivan turha -- völlig unnötig ;-)

Damit wäre dann auch der ungefähre Spielverlauf wiedergegeben...

Sonntag, 8. Juni 2008

Fakten schaffen

Seit gestern sammel ich wohl Muuminsachen... ;-) Ich muss ja zugeben, dass ich Mumins mag, bei der Arbeit im "Muumilaakso" wohne (so heisst unser Raum, weil da Muumigardinen hängen) und zwei dieser Becher besass, aber gesammelt hab ich sie nicht... Gestern hat sich mein Bestand an Muumitassen um 200% gesteigert. Sechs Tassen gelten dann wohl als Sammlung -- und ich muss nicht mehr aus dem Wintermuumibecher trinken sondern kann endlich auf die Sommerversion umsteigen ;-).

Die Party war übrigens seeehr schön, es wurde nicht so kalt wie angekündigt (aber trotzdem so kalt, dass Kaarina Handschuhe brauchte und ein Grossteil der Mücken der Veranstaltung fernblieb). Kurz vor Beginn der Party entschlossen sich recht viele Leute, noch zusätzlich vorbeizukommen, trotzdem reichte das Essen (oder auch: Deshalb blieben wir nicht auf tonnenweise Essen sitzen). Fazit: Unsere Wohnung + Garten sind auf jeden Fall partytauglich, es hätten auch mehr als die anwesenden 20 Leute gepasst.

Und nein, ich habe nicht nur Muminbecher bekommen, sondern auch Helikopterersatzteile und Giesskannen ;-)

Freitag, 6. Juni 2008

Frostparty

Mööönsch... wie soll man denn bei Nachttemperaturen zwischen zwei und drei Grad Celsius eine Grillparty feiern...
Aber ich hör schon auf zu jammern, sonst regnets nachher noch.

Ach ja, seit einigen Wochen zeigt die Wettervorhersage auch nachts Sonnensymbole -- offizieller Sonnenuntergangszeitpunkt heute ist 23:55 Uhr.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Schnipsel

Ein paar Sachen aus der Kategorie "Muss man nicht unbedingt schreiben, mach ich aber trotzdem".

- Am Wochenende hab ich einen kleinen Jungen namens "Sulo" kennengelernt. Die Eltern hatten wahrscheinlich die Hoffnung, dass ihr Kind die Eigenschaften des Namens annimmt, denn Sulo heißt "Anmut" oder "Grazie". Das Adjektiv zu Sulo (suloinen) heißt jedoch auch "süß" oder "niedlich". Hoffentlich muss das arme Kind als Teenager nicht allzu viele Namenswortspiele erleiden...

- Ich habe ein nettes freies Finnischwörterbuch im Internet entdeckt. www.kaannos.com.

- Die Mückensaison ist entgültig eröffnet. Nachdem sie in den letzten Wochen nur träge und ungefährlich herumflogen schleichen sie sich jetzt hinterrücks an und stechen auch. Eine halbe Stunde im Garten resultierte in drei Mückenstichen.

- Ich habe heute erfahren, dass ich volle vier Wochen Sommerurlaub bekomme! Eine Woche werde ich wohl in der Muotkatunturi-Region herumwandern, außerdem wollte ich gerne zum QStock-Festival und nach Deutschland (vermutlich in umgekehrter Reihenfolge).

- Nachdem mich Jyrki erfolgreich mit seiner Leidenschaft zu Modellflugdingen angesteckt hat, macht er bald seinen Motorradführerschein. Das wird noch teuer, wenn wir jeweils die Hobbies des anderen adaptieren...

- Am Wochenende feier ich Tuparit (Wohnungseinweihungsparty oder so, manchmal sind finnische Wörter ja doch kürzer), Diplom und Geburtstag. Wer sich uneingeladen fühlt, aber kommen möchte, bitte melden!

Sonntag, 1. Juni 2008

Offiziell Sommer

Nach Aussage meiner Kollegen ist ja schon längst Sommer, denn Frühling ist die Jahreszeit "wenn noch Schnee liegt aber es schon hell ist".

Meine Mindestanforderungen an den Sommer sind aber: Kein Nachtfrost, keine kahlen Äste oder winzigen und gelblichen Blätter an den Bäumen, wenigstens ab und zu sollte man es draußen im Tshirt aushalten.

Und alle diese Anforderungen sind jetzt erfüllt, also ist Sommer. In fröhlichem Überschwang habe ich auch den Blog gleich mal auf Sommer umgestellt.

Ach ja, für die Finnen ist ein untrügliches Zeichen für Sommer, dass der Löwenzahn blüht. Das tut er seit dieser Woche ebenfalls. Und während er in Deutschland ja eher als verachtenswertes Unkraut behandelt wird, ist er in Finnland eher ein willkommener Farbtupfer (die armen Finnen haben ja keine anderen Frühlingsblumen). Und dann noch kurz für die Kategorie "Unnützes Wissen": Löwenzahn heißt auf Finnisch verwirrenderweise "Voikukka", also Butterblume.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Halo

Halo ist der riesige schwarze Hund einer guten Bekannten. Er ist knapp ein Jahr alt, sehr neugierig und kaut auf allem rum, was man rumliegen lässt, auch an menschlichen Gliedmassen. Ausserdem kann er auf den Esstisch schauen ohne hochzuspringen (ich finde, ab dieser Grösse fangen Hunde an zu gross zu sein...). Er gehört einem Astrophysikerpäärchen und so bekam er diesen Namen (die Katzen heissen Kelvin und Maxwell).

Ich wusste, schon dass ein Halo eine Himmelserscheinung ist, gestern hab ich dann einen gesehen (ohne zu wissen, dass das einer ist).
Soo schön: Quasi ein Regenbogen rund um die Sonne und eine Art "Nebensonne" war auch zu sehen. Das ganze in der Kulisse der Flussmündung auf den kleinen Inseln, die Oulu vorgelagert sind. Bilder und Erklärungen gibts hier, ich hatte leider keine Kamera dabei.

Weiterhin kann ich nur sagen, dass die Namensgebung des Hundes wohl von Wunschdenken geprägt war -- er ist weder so ruhig und majestätisch anzuschauen noch besitzt er irgendwelche anderen Eigenschaften dieser Erscheinung -- ausser vielleicht die Grösse.

Mittwoch, 28. Mai 2008

Saunameeting

In Finnland hat ja fast jeder eine Sauna, wenn schon keine ganz eigene, dann befindet sich zumindest eine Gemeinschaftssauna im Haus. Jedes Schwimmbad hat ne Sauna und die Sommerhütten natürlich sowieso auf jeden Fall. Und auf der Arbeit. In dem Gebäudekomplex unserer Firma gibt es bei den Umkleideräume/Spinden, in der Nähe vom Fitnessraum Saunen und dann auch im obersten Stock des Hauses, in grossen Meetingräumen. Da kann man tagsüber arbeiten und dann abends essen und saunieren (und trinken). Das hab ich heute zum ersten Mal mitgemacht und es hat mir super gut gefallen. Einziges Manko war, dass ich die einzige Frau in unserem Projekt war und deshalb allein in die Frauensauna musste (naja, mir wurde Begleitung angeboten, aber es war dann schon ok ;-) ). Ach ja, ne Terrasse zum Draussensitzen nach der Sauna gibts da natürlich auch. Und der deutsche Kollege der zum ersten Mal in Finnland war fragte: "Gehen die dann wirklich einfach alle in die Sauna?".

Samstag, 24. Mai 2008

Mal wieder ein bischen Nachtleben

Endlich mal ein zeitnaher Bericht. Wie soll man auch bei solcher Helligkeit und am Wochenende schlafen... Es wird hier überhaupt nicht mehr dunkel. Daher also dieser, vermutlich recht planlose Bericht einer gelungenen Nacht:

Heute (gestern) fand die unglaubliche Veranstaltung "Nockrock" statt, wo ein paar der Nokia-Bands aus Oulu spielten. Ich musste natürlich mal spionieren gehen, weil ich ja jetzt doch mal plane in einer Band zu spielen. Zu mindest die drei Bands die wir gehört haben waren auch ziemlich gut, aber natürlich spielen alle mehr oder weniger Metall und haben ausschliesslich mittelalte männliche Mitglieder...
Dafür konnte ich schon auf dem Weg zur Veranstaltung finnische Alltagsfertigkeiten üben: Ich holte Kaarina ab und bekam ein Cider für den Weg. Inzwischen schaffe ich es tatsächlich, einen halben Liter Cider auf einer Fahrradfahrt von ca. 4 km auszutrinken -- also in Finnland lebensfähig ;-) So um Mitternacht liess ich mich davon überzeugen, dass es das Beste für mich sei, noch in einen Pub zu gehen, in dem eine Band Iron Maiden Songs spielte -- auch das ein Teil meiner finnischen Ûberlebensprüfung. Iron Maiden in einem Pub mit unverkleideten Backsteinwänden zu hören und sich dabei noch mit seinen Sitznachbarn unterhalten zu wollen ist ein Herausforderung, die ich teilweise gemeistert habe. Und das beste war eigentlich, auf dem Weg nach Hause wie wild durch den Ainolapark, über das Wehr beim Wasserkraftwerk, durch Tuira (das Ghetto von Oulu) und Välivainio wie wild zu strampeln (weil ich durch Scherben gefahren war und noch mit gefüllten Reifen nach Hause kommen wollte) -- die Stadt war voller Leben, es war hell und überhaupt war ich nicht besonders müde. Und dann kam ich auch noch am "Järvigrilli", unserem stadtteileigenem Fastfoodetablissement, vorbei, wo ich gemütlich den Abend ausklingen liess. Dieser Laden ist bekannt als der beste Grill von Oulu (er bekommt bestimmt auch noch mal einen eigenen Artikel). Deshalb gab es dort auch um 2 Uhr nachts eine mittellange Schlange, aber es ist ja Wochenende und überhaupt. Ansonsten ist mir noch folgendes aufgefallen: Beim Grill lungern genau wie in meiner alten Schule in Hamburg Möven herum, und keine Tauben (hier allerdings Lachmöven, während es in Hamburg eher so Seemöven waren) und die ersten finnischen Mücken versuchten mich in Zeitlupe anzugreifen. Aber behandschuht und bemützt (ja, es ist noch ein bischen kalt, aber zur Abwechselung gabs mal keinen Nachtfrost heute) konnte ich sie leicht abwehren. Schliesslich bekam ich meine Kärkkäri (kaikki mausteet, paketti) und radelte zufrieden nach Hause wo ich vor lauter Licht und Wochenende nicht so richtig einschlafen konnte und so diesen Blogeintrag verfasste. Tja, keine Pointe heute, aber dafür bin ich immerhin müder als vorher. Ich sollte wohl schlafen gehen, bevor die Sonne in ner halben Stunde versucht, auf mein Bett zu scheinen...

Dienstag, 20. Mai 2008

Stahlbeton

Kaum verebben die Eishockeygespräche unter den Finnen, da gibt es ein neues, hochaktuelles Thema: Der Eurovision Song Contest. Für Finnland starten diese Kreaturen:



Die Band heißt Teräsbetoni (Stahlbeton) und ihr Lied ist ein ziemlicher Ohrwurm, besonders wenn er einem andauert von Radio und Fernsehen eingehämmert wird. Vom Text versteh ich nicht so besonders viel (und hab auch nicht vor, das im Moment zu ändern), aber die Hauptzeile "Missä miehet ratsastaa, siellä lampaat ei voi laiduntaa" bedeutet "Wo die Männer reiten, können keine Schafe grasen". Ansonsten fällt bei 3 Grad, Wind und Regen in Oulu auch immer die Zeile "Maailma on kylmä paikka" (Die Welt ist ein kalter Ort) ins Ohr... Es geht halt um so heroischen Kram. Allerdings kann man der Band schon etwas Humor attestieren, wenn man sich das Video anschaut.

Wenn man die Bandmitglieder im Video sieht, denkt man aber auch unweigerlich and die Gewinner von 2006: Lordi. Das Konzept ähnelt sich ja schon etwas...



Und dann bleibt natürlich nur noch die Frage, wer denn dann in den nächsten Jahren für Finnland antritt, denn es mangelt den Finnen nicht an kostümierten Metallbands. Das sind dann wohl diese Jungs:



Da versteh ich allerdings kein Wort, die singen nämlich im Savo-Dialekt, aber Finnisch versteht beim Eurovision Song Contest ja auch keiner.

Montag, 19. Mai 2008

Ihanaa, leijonat...

Die Löwen haben Bronze geholt. Worin? Na, Eishockey natürlich.

Bei uns zu Hause liefen alle Spiele, ständig waren Leute zu Besuch, auch als das Spiel nachts um 2:15 anfing... aber trotzdem lustig. Wobei ich zugeben muss, dass ich völlig untrainiert im Eishockeyschauen bin -- aber mitgehangen, mitgefangen ;-)

Ich hätte allerdings einige Regeländerungen anzumelden, zum Beispiel sollten Spiele nicht immer so lange dauern, außerdem würde ich für körperloses Spiel plädieren ;-)

Eishockey war überall, auch in allen Pausen bei der Arbeit konnte man kaum 5 Minuten am Stück über was anderes reden. Erstaunlich ist auch, wie viele Spiele in so kurzer Zeit absolviert wurden -- Finnland hat mindestens jeden zweiten Tag gespielt. Naja, jetzt hab ich Zeit bis zum nächsten Jahr, mich zu erholen.

Sonntag, 18. Mai 2008

Später Bericht einer langen Reise

Auf Wunsch einer einzelnen Dame; nicht besonders live, eher sogar viel zu spät, aber immerhin mit ein paar Farbbildern -- und nicht besonders spannend, aber es muss sein, der Vollständigkeit halber ;-).

Mit einer schnell noch am Nachmittag geholten Erkältung und einer kurz danach reparierten Autoantenne machte ich mich abends um acht auf den Weg nach Travemünde: Auf die Autobahn und dann immer geradeaus, ab und zu nen bischen rechts halten und dann war ich da. Dann muss man nur stundenlang in einer Schlange warten und ab und zu ein bischen vorfahren. Im Radio gabs ein Konzert, es war also ganz gemütlich, bis darauf, dass keine Toilette in Sicht war. Nach ein paar Stunden Schlange stehen und einer Rundfahrt übers Schiff war mein Auto dann auch verstaut -- ich war gerade noch dem Manöver entronnen, rückwärts eine Rampe hochfahren zu müssen...

Fährenreisen ist sehr schön, besonders wenn man die Fahrt bezahlt bekommt und viel Zeit hat. Besonders ersteres traf auf mich zu. Ich hatte quasi ein Hotelzimmer mit Vollpension für einen Tag und zwei Nächte. Und eine kräftige Erkältung. Man beachte auch die kreative Bildauswahl in meiner Kabine. Wasser.
So gegen Dienstag mittag hatte ich alles getan, was man auf so einer Fähre machen kann: Ich war in der Sauna (sehr empfehlenswert um halb 10 morgens, da ist es dort sehr schön ruhig), hatte alle Decks sowie den Schiffsladen besucht, herausgefunden, dass auf dem Sonnendeck ca. 25 Knoten Wind herrschten, weil das Schiff ungefähr so schnell fährt, aus dem Fenster geschaut, was für Schiffe wir so überholen und gegessen. Alleinreisen wurde dann doch ein bischen langweilig. Immerhin saßen an meinem Tisch nette Leute, ein pensionierter Schiffbauingenieur und seine Frau, die "mal kurz" für ein paar Stunden nach Helsinki fuhren und mir fast sämtliche meiner Schiffsfragen beantworten konnten.Aber dann, am nächsten Morgen, wachte ich mit Blick auf Suomenlinna auf. Von da aus hatte ich letztes Jahr schon riesige Fähren beobachtet -- jetzt schaute ich in die andere Richtung. Während des Frühstücks fuhren wir an den vielen kleinen Inseln vor Helsinki vorbei und dann dauerte es noch eine gefühlte Ewigkeit bis wir angelegt hatten und ich mich endlich in mein Auto setzen konnte. Das war um 7 Uhr morgens (Ortszeit, in Deutschland war es eine Stunde früher...).
Netterweise war Jyrki nach Helsinki geflogen und nachdem ich ihn abgeholt hatte, konnten wir uns gemeinsam auf den Weg einmal halb durch Finnland machen. In Finnland ist Autofahren wirklich entspannend, es macht tatsächlich sogar Spaß, besonders wenn man nicht 600 km alleine fahren muss. Und so kam ich nach 70 Stunden Reisezeit in meinem neuen Zuhause an (das wird, sobald die Kartons alle verschwunden sind, vermutlich auch gezeigt).
Juhu, Happy End bis jetzt ;-)

Donnerstag, 15. Mai 2008

Neue Welten...

... eröffnen sich sprachlich in meinem neuen Projekt. Alle inoffiziellen Dokumente sind in Finnisch, weil vorher nur Finnen an dem Projekt beteiligt waren. Und dann benutzen die sogar korrekte Wörter: Ein Compiler ist plötzlich ein "kääntäjä" und kein "kompaileri", timing ist "ajoitus" und nicht mehr "taiminkki" usw. Dabei war Arbeits- und Laborfinnisch doch bisher so einfach: Man nehme ein englisches Wort, ersetze alle gs durch "k" und alle bs durch "p" und hänge ein i ans Wort an ;-).

Ansonsten geht es mir gut, ich bin immer noch ein bischen am Auspacken und Erkältung auskurieren; und dann ist auch noch Eishockey-WM (davon vielleicht später).

Montag, 12. Mai 2008

Takatalvi

Der Winter ist zurück, zumindest war er das heute morgen, als ich mich auf den Weg zur Arbeit machte (mal ganz dekadent mit eigenem Auto): Es schneite und der Schnee blieb sogar auf Auto und Gras liegen... also alte Verhaltensmuster wieder herauskramen und Auto vom Schnee befreien und sogar vorglühen (muss man bei unserem Auto nur im Winter). Erwähnte ich, dass unser Auto die schlechte Alljahresreifen hat? Naja, aber angekommen bin ich dann doch, und mein Passwort für die Arbeitscomputer ist mir auch schon wieder eingefallen ;-).

Dabei war es letzte Woche doch schon recht vielversprechend: In Helsinki gibt es schon Blätter auf den Bäumen und selbst in Tornio meinte Kaarinas Vater am Wochenende: "Klar haben wir schon grünes Gras, ich zeig dir das mal" -- dann wurde ich an die Südseite des Hauses geführt und wirklich, es gibt am Haus einen "Grünstreifen" von zwei Metern. Dafür liegt dort allerdings im Wald auch noch Schnee -- wo hat es mich nur hinverschlagen...

Montag, 5. Mai 2008

Los gehts!

Das Auto ist gepackt, Öl eingefüllt, Reifendruck geprüft, Fahrradgepäckträger angebaut. Sogar eine Wäsche hab ich meinem hoffentlich bald treuen Weggefährten gegönnt. Schon seit 14 Jahren dient er der Familie, in den letzten Jahren durfte ich zum Leidwesen für ihn (und das Parkhaus, aber reden wir nicht davon) ab und zu auch mal selbst fahren. Jetzt muss er einem Jüngeren weichen und wird mit mir zusammen ins Exil geschickt. Armer alter Passat ;-).

Wie man merkt, weiß ich gerade nicht so genau, was ich tun soll. Nach einem aufregenden Morgen (In der Waschanlage hat sich die Autoantenne zerlegt (nein, die muss man normalerweise nicht vorher abbauen)) ist jetzt fast alles erledigt, was man so erledigen kann. Irgendwann heute abend gibts nochmal leckeren Spargel vom Markt und Papa hilft mir, die Antenne zu reparieren... damit sollte man ja spätestens 10 Minuten, bevor man losfahren will, anfangen -- hoffentlich wirds was :-/.

Die Fähre legt um 3 Uhr nachts ab -- bis dahin hab ich noch ein bischen Zeit nach Travemünde zu kommen. Für mich wird dies das erste Mal auf einer großen Fähre sein, ich werde live und in Farbe berichten!

Donnerstag, 24. April 2008

Deutschsprachige Bücher

... bekommen einen ganz anderen Stellenwert wenn man auswandert. Lesen ist mir ein Grundbedürfnis und bei meinen Eltern zu Hause gab es immer genug Bücher (Flohmarkt und Bücherhalle sei Dank). In meinem Studentenzimmer in Aachen konnte ich nur einen Bruchteil meiner Bücher unterbringen, aber hilfreicherweise war die Aachener Hauptbibliothek nur fünf Gehminuten entfernt. Da gab es fast alles -- ich kaufte mir nur besondere Bücher, also die, die ich mehrmals lesen wollte oder die aus irgend einem anderen Grund dringend in meinem Besitz sein mussten.

Und nun ziehe ich in die Einöde :-). Die öffentliche Bibliothek in Oulu ist mindestens so groß wie in Aachen und es gibt auch zwei Regalreihen deutsche Bücher, aber das Angebot ist schon beschränkt. Jetzt beim Packen bekomme ich gerade Torschlusspanik... was, wenn ich nicht genügend Bücher in Finnland habe? Es dauert auf jeden Fall länger mir welche zu besorgen als in Deutschland, vorher anschauen kann ich sie auch nicht und es ist teurer.

Ein anderer Aspekt ist, dass ich dann meine Bücher quasi allein lese. Man liest seine Bücher ja eh alleine, aber über Bücher zu reden und sie mal zu verleihen ist dann wohl schwieriger. Naja, mal sehen wie es so wird... wenn man keine Probleme hat, dann macht man sich welche... Gott sei Dank hab ich noch den Rest von meinem Bücherstipendium. Wenn ich das ausgebe ist vermutlich eher die Frage, wie ich die ganzen Bücher in nur einem Passat Kombi nach Oulu bekomme :-)

Montag, 21. April 2008

Die Sprache der Eingeborenen [3]

Ein sehr wichtiges Element der finnischen Sprache sind die Schimpfwörter.

Mit diesen kam ich schon recht früh durch eine Liste auf dem Kaffeetisch bei der Arbeit in Berührung. Diese Liste beinhaltete "finnische Sprichwörter. Jemand hatte sie aus dem Internet ausgedruckt (vielleicht von hier) und ab und zu schrieb jemand noch etwas Passendes dazu.

Die Liste begann mit "Ajaa kuin pulloperse sika." Schon mal ein guter Anfang, jedoch war kaum jemand dazu zu bringen, mir die wirklich interessanten Wörter zu übersetzen...
Es hat allerdings nichts genutzt, inzwischen habe ich trotzdem auch in dieser Hinsicht ein recht umfangreiches Vokabular.

Um jedoch allen anderen Finnischlernern zur Seite zu stehen, hier der ultimative Sprachkurs (auch hilfreich für alle, die schlechten finnischen Humor studieren wollen):


Und nicht zu vergessen, der fluchende Igel:Sehr populär in Finnland und auch meine Schwester fand ihn gut (ich habe einen Button importiert). Warum ist mir noch nicht ganz klar, aber einige finde ich auch lustig...

Dienstag, 15. April 2008

Umziehen heißt aussortieren...

Die Aufenthaltsgenehmigung meines armen Schlagzeugs bei meinen Eltern läuft ab, und nach Finnland kann es auch nicht mitkommen (also ja, es passt ins Auto, aber dann kann nicht mehr viel anderes mit). Also wird es morgen (oder so) einen neuen Besitzer bei Eb.ay suchen -- und mir wird ein bischen komisch, besonders als ich mich beim Fotografieren dann doch nochmal dransetzen musste... immerhin ergab das lustige Fotos (und war erstaunlich laut). Aber die Becken dürfen hier bleiben und sind der Grundstock fürs nächste Schlagzeug irgendwann... Oder sucht jemand ein Schlagzeug?

Sonntag, 13. April 2008

Nennt mich einfach Dipl. Ing ;-)

Geschafft!

Der Vortrag war letztendlich sogar recht entspannt (obwohl ich durch Auslassungen von Grundlagen und Erhöhen der Geschwindigkeit die Länge des Vortrags von 45 auf 35 Minuten drücken konnte). Am Ende ging im Fragenteil mit meinem (finnischen) Professor und seinem Assi auch darum, wieviele meiner Chips man bräuchte, um eine Sauna zu bauen und um schwedisch/finnische Rivalitäten (resultierend aus der Frage, warum die Nyquistfrequenz nach Nyquist heisst, und ob Finnen stolz darauf sein sollten ;-) )

Und schliesslich habe ich sogar noch nen Hut (geliehen) bekommen ;-) Alle die noch nicht wussten wie ein Diplinghut aussieht, seht her. Allerdings finde ich den von Karen immer noch besser. Aber sowas dauert mir im Moment zu lange...

Sonntag, 6. April 2008

Schneewörter einmotten

Jetzt wo der Schnee im Garten schon teilweise den Blick auf gelbgraues Gras freigibt, ist eine gute Gelegenheit, im Kopf aufzuräumen und die Schneewörter einzupacken -- für nächstes Jahr ;-).

Ein Freund sagte neulich, im Finnischen gäbe es nur ein Wort für Schnee -- alle anderen würden etwas anderes bedeuten. Zumindest aber gibt es recht viele Wörter, die mit Schnee zu tun haben und vermutlich als "Schnee" ins Deutsche übersetzt werden würden:

Lumi -- Schnee
Räntää -- Schneeregen
Loska -- nasser Schnee auf dem Boden
Hanki -- Schnee, der geschmolzen und dann wieder gefroren ist -- Firn also quasi ;-)
Umpihanki -- unberührter Schnee (auch "ungefirnt")
Kinos -- Schneehaufen/Schneewehe
Nuoskalumi -- "Schneemannschnee"
Tykkylumi -- Schnee, der an Bäumen festklebt
Pyry -- Schneesturm

So, jetzt kann ich sie erstmal vergessen und im nächsten Herbst hier wieder abholen ;-)

Freitag, 4. April 2008

Frühling, Stufe 2

Die Stufe 2 des Frühlings tritt dann ein, wenn der Schnee auf Straßen und Wegen geschmolzen ist. Dann kommt die Staubzeit -- gerne kombiniert mit der Sturmzeit. Anscheinend lagert sich im Schnee alles mögliche ein und wird jetzt wieder frei. Von den Tonnen Split mal abgesehen, die auf den Gehwegen gestreut sind. Der Split wird übrigens bald wieder eingesammelt und dann nächstes Jahr wieder benutzt -- sagen meine Arbeitskollegen (ich glaube ihnen mal).
Ansonsten scheint allerdings gelegentlich die Sonne und man kann den Frühling schon riechen und hören. Am Dienstag hab ich sogar schon vier Gänse gesehen.
Trotzdem freue ich mich sehr auf den hamburger Frühling (Nieselregen, Schmuddelwetter... hoffentlich nicht) -- denn bis hier in Oulu irgendwas grünt oder gar blüht dauert es bestimmt noch, bis ich wiederkomme.

Mittwoch, 2. April 2008

Die Sprache der Eingeborenen [2]

Die Finnen haben eine andere Einstellung zu ihrer Sprache als die Deutschen: Sie erwarten nicht, dass Ausländer sie sprechen können, bieten aber ne Menge Möglichkeiten an, sie zu lernen. Ich glaube, das ist in Deutschland umgekehrt...
In der Tat ist Finnisch nicht besonders verwandt mit den Mitteleuropäischen Sprachen, sondern mit Ungarisch und Estnisch -- für Mitteleuropäer sind viele Wörter und die Grammatik etwas ungewöhnlich. Innerhalb Nokias soll es angeblich als "zusätzliche Sicherungsmaßnahme" angesehen werden, dass ein Großteil des Emailverkehrs in Finnisch abläuft -- also für die meisten Erdenbürger unverständlich (und natürlich auch keinesfalls dechiffrierbar) ist.
Nachdem ich inzwischen einigermaßen Finnisch verstehe, reagieren manche Leute darauf folgendermaßen (halb im Spaß, aber vollkommen erstaunt): "Was, du kannst mich verstehen, wenn ich Finnisch rede? Dann muss ich ja jetzt aufpassen, was ich sage..." ;-)
Als ich gerade nach Finnland gekommen war, sagte ein Kollege vollen Ernstes: "Ich würde nur dann anfangen Finnisch zu lernen, wenn ich plante, sehr lange oder sogar für immer in Finnland zu bleiben."

Ich weiß diese Haltung noch nicht zu interpretieren -- warum ist das so?

Dienstag, 1. April 2008

Die Sprache der Eingeborenen [1]

Eine neue Artikelreihe. Bisher wagte ich nicht, meine Begegnungen mit der finnischen Sprache näher zu beschreiben, aber jetzt stell ich mich der Herausforderung. Wenn das niemanden interessiert, kann ich ja wieder aufhören.

Hier also Teil 1: Warum Finnisch lernen?

In Deutschland erzählten mir alle, warum es sich nicht lohne, Finnisch zu lernen:
1. Die Finnen können sowieso alle Englisch.
2. Es redet eh keiner mit dir.
3. Finnisch kann man garnicht lernen.
Zumindest die ersten beiden stimmen nicht! Ersteres vielleicht in Helsinki, aber in Oulu ist es sicherlich nicht so.

Zunächst lernte ich Finnisch hauptsächlich, um meine wissenschaftliche Neugier zu befriedigen, dann gab es zwei einschneidende Erlebnisse:

1. Imke lernt skifahren, indem sie sich Skier und Stöcke kauft, sich bei den auf der Arbeit befindlichen Experten ein paar Ratschläge holt und dann zur Loipe geht und losfährt. Soweit man von fahren sprechen kann.
Am "Berg" (Hügel, der gleichzeitig Trennwall zur Autobahn ist), wurde es dann recht schwierig. Vorurteil 2 wurde wiederlegt, als mich ein freundlicher Herr ansprach, um mir zu helfen. Leider kurz darauf auch Vorurteil 1. So bleib als Kommunikationsgrundlage nur meine geschätzten 20 finnischen Wörter, ein bischen Zeigen und Lächeln. Schade.

2. Kurz danach, als ich meine Skikünste schon mit mehreren Ausfahrten gefestigt hatte, meinte ich, auf Skiern von der Arbeit nach Hause fahren zu müssen. Ich hatte mir die Strecke auf der Loipenkarte herausgesucht, es schien kein Problem zu sein (ok, bis darauf, dass Menschen später schätzten, dass es so ca. 18 km waren und es über den Oulujoki, den grössten Fluss hier, ging...). Die Schwierigkeit war allerdings, den Anfang der Loipe zu finden. Nachdem ich mit meinen Skiern im Arm losgestiefelt war, fiel mir bald auf, dass ich mich verlaufen hatte. Also: den nächsten verfügbaren Menschen fragen. "Missä on hiihtolatu?" ist ja nicht so schwierig. Und auch die Antwort, hatte ich richtig verstanden -- bloß falsch interpretiert. Also nächstes traf ich einen Jungen mit seinem Schläger und Eishockeytor (in Finnland spielen die kleinen Kinder nicht dauernd Fußball...) -- der konnte Finnisch, aber leider nicht meine Abart davon ;-) Ein langgezogenes "Mitäääää?" war die einzige mögliche Kommunikationsform. Kurz darauf war auch eine Frau mittleren Alters mit meinem Gesuch überfordert. Nach Hause kam ich allerdings trotzdem.

Generell ist es allerdings schon so, dass man mit Englisch überlebt. Es ist halt nur langweiliger und schwieriger. Für einen so neugierigen Menschen wie mich geradezu unerträglich ;-)
Im Ernst, wenn man bei der Arbeit den gesamten Smalltalk (finnischer Smalltalk...) nicht mitbekommt, oder auf sämtlichen Parties darauf angewiesen ist, dass jemand mit einem Englisch spricht, ist das nicht sehr lustig.
Fernsehen besteht viel aus amerikanischem und britischem Material -- also kein Problem. Wer wiederum mal die Nachrichten sehen will, kommt um Finnisch dann doch nicht mehr herum. Theater etc. -- unmöglich.
Im Ausland ist finnisch tatsächlich die unnötigste Sprache, die ich jemals gelernt habe. Selbst Russisch ist wesentlich hilfreicher (man kann die Leute verstehen, die in der U-Bahn nach Farmsen fahren).


NACHTRAG: Ich vergaß zu erwähnen, dass Finnisch auch die lustigste Sprache ist, die ich kenne ;-)