27.7.2009 Peera bis zur Hochlandgrenze
Auch von Oulu aus dauert es noch eine ganze Weile, bis man richtig im Norden ist, in diesem Fall im "Arm" von Finnland. Aber man kann gemütlich morgens in den Bus steigen und abends wieder aus. Die Anschlüsse sind von Oulu aus wirklich gut, und man muss beim Umsteigen in Rovaniemi noch nichtmal sein Gepäck selbst in den nächsten Bus packen, wenn man dem Busfahrer vorher erzählt wo man hinmöchte. Das erhöht allerdings etwas die Spannung, ob der Rucksack denn auch wirklich und heile mitgekommen ist.
In Peera angekommen versperrt erstmal ein Hubschrauber den Busparkplatz, weswegen der Bus für uns einfach ein Stück weiter an der Straße stehen bleibt. Zwei Sekunden nachdem Harri sage, "Hier gibts ja erstaunlich wenig Mücken", schwirrte der erste Schwarm heran. Als erstes wanderten wir mal nach Schweden, das dauerte circa zehn Minuten über einen Sandweg und eine schmale Fußgängerbrücke. Auf der schwedischen Seite fanden wir ein kleines Dorf und mindestens zehn Autos, die anscheinend nur dazu benutzt werden, die paar Kilometer Sandstraße zu fahren, die es dort gibt. Ausserdem gab es eine Menge Wohnanhänger mit angebauter Hütte, das scheint gerade norwegische Mode zu sein.
Über einen kleinen Pfad entfernten wir uns langsam aus der Zivilisation und in die Fjälls. Der Weg dorthin führte jedoch erstmal durch abwechselnd sumpfiges und sandiges Tiefland. Der Plan war eigentlich, diesen Abend nur ein paar Kilometer zu wandern und dann einen Zeltplatz zu suchen, doch sämtliche Zeltplätze (und davon gab es Unmengen) waren schon von Mücken belegt. Sobald man anhielt war man von ihnen umringt, solange man sich bewegte war es einigermaßen erträglich. Nicht mal auf einigen sandigen Anhöhen die wir erkletterten wehte genug Wind um uns die Viecher vom Hals zu halten. Pausen gab es deswegen auch nicht so viele. Dabei war die "räkkiaika", die Hauptzeit der Mückenschwärme, doch schon vorbei, ich will mir nicht vorstellen, wie es Anfang Juli dort aussieht. Nach ein paar Kilometern treffen wir ein Quad mit Anhänger, dass andauernd im Schlamm steckenbleibt. Auch recht viele Antriebsketten von Schneemobilen sind zu sehen, im Winter scheint hier einiges los zu sein. Immerhin finden wir keine der sonst auf Schneemobilrouten allgegenwärtigen Bierdosen.
Weiter gehts in Richtung Hochland, auf dass dort vielleicht ein bischen mehr Wind weht. Doch meine private Mückenherde folgt mir brav auch den Berg hinauf, auch als der Wind auf 0,1 m/s ansteigt. Schließlich erbarmt sich der Wind ein bischen weiter oben doch und nach einer Weile finden wir auch einen Bach, der zwar hauptsächlich vom nebenliegenden Schneefeld gespeist wird, aber immerhin. Wir haben inzwischen 15 km zurückgelegt und es ist halb elf. Von unserem Zeltplatz aus sieht man schon unser Ziel, Kilpisjärvi. "Turhakävely", also ungefähr "unsinniges Laufen", nennt Harri unsere Reise, als wir zehn Tage später endlich dort ankommen -- man hätte schließlich auch direkt auf der Straße noch am gleichen Abend die knapp zwanzig Kilometer dorthin erledigen können. Auch die "Hauptattraktionsberge", die wir in ein paar Tagen bewandern werden, sind schon gut zu sehen.
Wie auch noch später auf unserer Reise denke ich darüber nach, ob man nicht mit den Unmengen Mücken und Krähenbeeren die es hier gibt, irgendwas anfangen könnte, es gibt sie wirklich im Überfluss. Ausser Mücken haben wir noch ein Schneehuhn gesehen, Wölfe und Bären lassen auf sich warten.
Schlafenszeit ist 1:30 Uhr, die Mücken prasseln beruhigend wie Regen aufs Zelt.
Montag, 17. August 2009
Käsivarsi 2009, Tag1
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Imke
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Mittwoch, 12. August 2009
Wandern im Dreiländereck FI-SE-NO
Ich habs überlebt, recht erfolgreich sogar, aber das gute Wetter hat das Schreiben etwas verzögert. Jetzt ist es kalt und regnet und das soll auch noch bis mindestens morgen so bleiben.
Meine Sachen sind sogar schon so weit sortiert, dass ich mein Reisetagebuch wiedergefunden habe. Falls ich es entziffern kann, werde ich Auszüge daraus hier in den nächsten Tagen veröffentlichen.
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Imke
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Sonntag, 26. Juli 2009
... und gleich wieder weg
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Imke
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20:01
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Die schönste Stadt der Welt
... besonders vom Wasser aus:
Mehr Bilder gibts natürlich hier, besonders von Haithabu. Ansonsten hat es meistens gegossen -- da ist in Finnland doch deutlich besseres Wetter...
Ausserdem waren wir am Freitag beim Qstock hier in Oulu. Sehr praktisch, ein Festival in Gehweite zu haben. Viele bekannte finnische Bands und auch ein paar internationale waren da, unter anderem haben wir Kotiteollisuus, Apulanta, PMMP und Sparzanza gesehen. Viele Bands kenn ich auch überhaupt nicht, aber bei zwei bis vier Acts gleichzeitig ist eigentlich immer was dabei.
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Imke
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Montag, 6. Juli 2009
Finnische Ferien
Die traditionelle Urlaubszeit der Finnen ist der Juli. Wie auch bei anderen Traditionen ist nicht genau erklärbar, warum. Der Sage nach soll im Juli das beste Wetter herschen, was allerdings in den inzwischen drei(! meine Güte, ich werde alt...) Sommern die ich hier verbracht habe nicht zutraf. Nur ein Beispiel: Heute 10 Grad, Regen...
Warum also auch immer, der Urlaub muss im Juli stattfinden. Wer mehr als vier Wochen hat, fängt schon früher an. Während in Deutschland der Urlaub im Kollegenkreis eher so nacheinander abläuft, ist es in Finnland eher so wie in der Schule. Man verabschiedet sich und geht gemeinsam in den Urlaub.
Und dann?
Ca. 90% der Finnen mit denen ich über Urlaubspläne sprach, sagen sowas wie: "Na, mal sehen, erstmal ausruhen, und dann muss ich ja noch die Garage/Terrasse/Dachboden fertigbauen und vielleicht fahren wir mal ne Woche oder zwei ins "mökki" (Ferienhäuschen). Noch keine konkreten Pläne."
Als ich heute durch unser Viertel nach Hause ging kreischten die Kreissägen und Bohrmaschinen, Leute streichen Häuser oder Zäune, mähen Rasen oder sind einfach so draussen, selbst bei 10 Grad und Nieselregen.
Ich bin es ja immer noch nicht so richtig gewöhnt nur fünf reguläre Urlaubswochen im Jahr zu haben (Studium, ich vermisse dich...) und habe deshalb immer schon sämtliche Zeit spätestens nach den Winterferien verplant. Die Finnen planen einfach nichts -- und fahren dann einfach plötzlich nach Lappland. So geschehen heute mit Jyrki. Der hat nämlich erstens mehr Urlaub als ich und muss den zweitens natürlich im Juli haben -- wo kämen wir denn sonst hin ;-)
Wie man vermutlich aus dem vorangegangenen erschliessen kann: Ich habe noch keine Ferien, denn ich wollte gerne eine Augustwoche zum Wandern haben -- das hat Mückenvorteile. Von Juhannus bis Ende Juli ist absolute Mückenzeit, da kann ich es mir echt schwer vorstellen, zehn Tage draussen zu verbringen.
Es ist zwar etwas unmotivierend, jeden Morgen zur Arbeit zu müssen während quasi alle anderen zu Hause bleiben, dafür ist es aber sehr schön ruhig und man bekommt gut was geschafft. Letzte Woche war sogar Sommer, aber der kommt bestimmt irgendwann nochmal wieder, wenn wir Glück haben sogar noch in diesem Jahr. Und es gibt ja doch ein paar Abweichler, die einfach im Juli arbeiten, so dass die Kaffeepausen nicht völlig langweilig sind.
Wenn alle Leute zur gleichen Zeit in den Urlaub fahren, muss man also entweder alles schliessen, oder sich was einfallen lassen. Praktischerweise haben Unis und Schulen jeweils ca. drei Monate Sommerferien, weswegen Schüler und Studenten Zeit haben, die fehlenden Stellen auszufüllen oder sogar neue zu besetzen. Das geht vom "Wandernden Verkehrsschild"-Job auf einer der hunderten von Sommerstrassenbaustellen oder Unkrautjätern über Jobs bei uns in der Fabrik oder sogar in der Entwicklung (wir haben auch einen "Sommerpraktikanten") bis zu ziemlich verantwortungsvollen Arbeiten wie Assistenzarzt oder so. Ich weiss nicht mehr genau wie es war, aber ich glaube vor einem oder zwei Jahren wurde es verboten, Studenten im Sommer als Ärzte einzusetzen, weswegen die Gesundheitszentren überhaupt nicht wussten was sie tun sollten...
Und hier mein ausgeklügelter Ferienplan:
Nächste Woche gehts erstmal nach Deutschland und dann in den Norden zum Wandern. Und zwischendurch vielleicht zu Qstock. Falls ich endlich Karten dafür gekauft bekomme.
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Imke
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22:04
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Sonntag, 28. Juni 2009
Juhannus 2009
Fast wie Urlaub! Diesmal sind wir über Juhannus nach Südostfinnland zu einer Hochzeit gefahren. Es ging nach Saimaa, da wollte ich sowieso immer schonmal hin. Auf dem Weg Richtung Mikkeli gelang es mir auch endlich zwei verschiedene finnische Tankstellen auf ein paar Pixel zu bannen. Recht unspektakulär ist die erste, allerdings vollständig aus Holz und befindet sich ca 120 Kilometer südlich von Oulu im Nirgendwo (in diesem Fall Kestilä genannt).Die zweite befindet sich irgendwo in Savo am alten Bahnhof von Lapinlahti.
Das Wetter war traditionell durchwachsen ("epävakainen"). Ich muss mir dringend mal schicke Kleidung kaufen, in denen man einstellige Plusgrade gut aushalten kann.
Dafür gabs aber am Freitagabend ein traditionelles Juhannusfeuer am Strand von unserem Hotel. Wenn man die Landkarte von Saimaa anschaut, sieht man wesentlich mehr Wasser als Land, was dazu führt, dass fast jeder einen Strand hat. Und Mücken.Erstaunlicherweise wird es in Südfinnland selbst an Mittsommer wirklich dunkler als tagsüber -- die 400 Kilometer scheinen wirklich was auszumachen.
Die Hochzeit selbst fand übrigens in einer wunderschönen alten kleinen hölzernen Dorfkirche statt -- leider vertraute ich den ca. 17 anderen Fotografen zu, genug Fotos zu machen -- bloss hab ich jetzt noch keine... ich werde versuchen sie später mal zu zeigen. Eine nette Hochzeit in kleinem Rahmen und ich habe nur unwesentlich bei 10 Grad und starkem Wind gefroren...
Ein Kollege meinte allerdings trocken, dass das kühle Wetter vermutlich einigen Leuten das Leben gerettet hat, denn an Juhannus ertrinken jedes Jahr einige Finnen. Bei der Arbeit gibt es die traditionelle "Juhannuswette", bei der man tippen kann, wie viele Ertrunkene es dieses Jahr wohl werden. Seltsamer Humor, ich halt mich da raus...
Ach ja, Juhannus ist natürlich Reisesaison -- alle wollen nach Norden. Wir fuhren antizyklisch und so konnten wir die Automassen, auf die Jyrki mich hinwies, bestaunen: Freitagmorgen auf den ersten 200 km circa 3 Autos, danach konnte man vereinzelt Gruppen von Autos hintereinander fahren sehen, am Sonntag wurden Autoschlangen von mehreren 10 Autos gesehen -- finnische Stau halt ;-) Um Helsinki sollen sie allerdings tatsächlich gestanden haben.
Auf dem Rückweg war blendendes Wetter, denn nach Juhannus fängt ja bekanntlich der Sommer an. Wir hielten für ein Eis in Kuopio und sassen an der Kauppahalli beim Velimies, der einem Spatzen als Vogeltränke diente. Kalakukko (eine Art Brot das mit Fisch gefüllt ist), die Spezialität aus der Region, war nur sehr touristisch und teuer auf dem Marktplatz zu bekommen, denn am Juhannuswochenende haben alle Läden geschlossen. Sogar der öffentliche Nahverkehr wird in Oulu eine Zeit lang völlig eingestellt. Kalakukko also später mal.
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Imke
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18:40
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Montag, 22. Juni 2009
Sommerhalbzeit
Ab heute werden die Tage wieder kürzer (wie die pessimistischen Arbeitskollegen schon seit Wochen erwähnen, wenn man sagt, dass man sich auf Mittsommer freut).
Das mit der Sommerhalbzeit stimmt aber hoffentlich nicht ganz, bis neulich hatten wir noch regelmässig Nachtfrost.
Kurze Zusammenfassung von allem, was seit dem letzten Blogpost geschah: Ich reiste andauernd aus verschiedenen Beweggründen nach Deutschland, arbeitete, hatte einige Bigbandauftritte, von denen ich die meisten nur fast verpasste, bekam eine "hiirikäsi" (Maushand) und machte mir vermutlich zu viele Gedanken um meine Zukunft.
Wie man eventuell gemerkt hat, befinde ich mich gerade in Phase zwei der Anskuschen Blogphasenlehre. Aber immerhin hab ich schon geschafft, meinen Eislaternenheader mit einem etwas sommerlicheren Motiv zu ersetzen. Es geht also geradewegs auf Phase drei zu (wobei ich drei und vier lieber mal überspringen würde, Blogthemen gibts genug). Das diesjährige Mittsommerfest bekommt einen eigenen Post, hoffentlich...
PS: Dies ist übrigens genau die Art von Eintrag, die ich die ganze Zeit vermeiden wollte und weswegen hier unter anderem so lange nichts stand. Allerdings dauern richtige Einträge heute zu lange. Immerhin wisst ihr, dass ich noch existiere ;-)
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Imke
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Labels: Statusbericht
