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Sonntag, 23. August 2009

Nochmal Luftgitarren

Wer sich fragt, was für einen Sinn einen Luftgitarrenweltmeisterschaft hat, dem wird auf der Veranstaltung erklärt, dass Luftgittarismus den Weltfrieden herbeiführen wird, wenn nur endlich alle Menschen Luftgitarre spielen. Dann wäre das ja schon mal geklärt.
Luftgitarre spielt man natürlich weniger mit den Fingern sondern als her mit allen anderen Körperteilen. Hilfreich ist auch, dass man mit so einer Luftgitarre tun kann, was man möchte. So warf ein Luftgitarrist seine Gitarre in die Luft, schaute kurz auf seine Luftuhr, tanzte ca. 15
Sekunden auf der Bühne herum und fing sie dann wohlbehalten wieder auf.
Die Zuschauer machten kein Unterschied zwischen Luftinstrumenten und solchen aus Materie -- in den vorderen Reihen wurde mindestens so viel gekreischt wie auf einem Konzert einer
Boygroup. Internationaler als jedes Normalkonzert war es auf jeden Fall auch -- ich habe auf dem Ouluer Marktplatz noch nie so viel Englisch im Publikum gehört. Schätzungsweise jede zweite Unterhaltung war in Nicht-Finnisch.
Einen Weltmeistertitel, auch in Luftgitarre muss natürlich fair vergeben werden und so gab es echte Punktrichter, die nach jeder Darbietung "Haltungsnoten" verteilten. Verdienterweise gewann der Franzose "Günther Love". Der Preis war stimmigerweise eine durchsichtige E-Gitarre.
Ein Helfer der guten Stimmung war auch das Wetter. Eine laue Sommernacht, die man auch noch um Mitternacht ohne Jacke geniessen konnte. Zumindest wenn man vorsichtshalber einen dicken Wollpulli und lange Unterhosen angezogen hatte ;-). Dunkel wirds inzwischen wieder -- aber der Herbst kann sich bitte noch ein bischen Zeit lassen.

Freitag, 21. August 2009

Weltmeisterschaften oder: Die spinnen, die Finnen [55]

Am Wochenende gehts weiter mit dem Wanderbericht, aber heute gibts nur einen Veranstaltungshinweis:

Nicht nur in Berlin sondern natürlich auch in der Weltstadt Oulu finden derzeit Weltmeisterschaften statt. Typisch Finnisch natürlich in einer etwas interessanteren Disziplin als Leichtathletik.
Ich werde mich also gleich auf den Weg zum Marktplatz machen, denn da findet heute das Finale der Luftgitarrenweltmeisterschaft statt. Schon seit Tagen treiben sich Luftgitarristen aus aller Welt in Oulu herum und versuchen ihre verlorenen Luftgitarre auf Aushängen wiederzufinden und ähnliches. Der Veranstalter betont, dass die Veranstaltung sehr fair ist, weil jeder die gleiche Luftgitarre benutzt. Ûber die Meisterschaft wird natürlich international berichtet.

Ausserdem tritt auch eine meiner Lieblingsbands auf: Die Don Johnson Bigband. Schwer zu beschreiben, was für Musik die machen, aber auf jeden Fall sehr sehenswert. Die Videos und CDs geben die Musik irgendwie nicht so besonders gut wieder, aber live hat diese Band eine unheimliche Energie und ausserdem einen sehr guten Saxophonisten und mehrere Schlagzeuger und Percussionisten.

Montag, 30. März 2009

Statusmeldung und Konzerthinweis

Fast zwei Wochen kein Eintrag -- und noch viel länger kein "richtiger". Hier immerhin mal die Zusammenfassung der letzten zwei Wochen:
Eine Woche Arbeit vom Urlaub nacharbeiten
Eine Woche Arbeitsbesuch aus Deutschland von einem netten Kollegen -- das bedeutete in diesem Fall lange Arbeitstage und lange anschliessende Feierabende (endlich passt das Wort mal).
Dann arbeitgeberfreundlich Freitagnachmittag krank geworden -- Fieber und Halsschmerzen.
Und diese Woche fange ich mal mit einem Tag zuhause im Bett bzw. in der Küche Tee mit Zitrone und Honig trinkend an. Und da Kranksein in den Wachphasen sehr uninteressant ist (Buchlesen macht Kopfschmerzen, beim Stricken vertue ich mich ständig) lerne ich Python beim Teetrinken. Erstaunlicherweise reicht meine Hirnkapazität dazu noch aus (allerdings mit Schlafpausen von insgesamt 4 Stunden...).

Eigentlich wollte ich allerdings garnicht jammern, sondern folgendes schreiben:

1. Christian Lindberg, DER Posaunist, kommt am Donnerstag nach Oulu! Er wird als Solist, Dirigent und Komponist auftreten (wie tritt eigentlich ein Komponist auf?). Es gab zumindest am Wochenende noch Karten, z.B. bei Stockmann. Ich hab ihn noch nie in echt gesehen, bin sehr gespannt.

2. Es gibt im Moment hier wenig zu lesen, unter anderem weil der Rechner auf dem die ganzen Bildbearbeitungsprogramme drauf sind gerade halb bei Jyrkis Bruder weilt, sonst hätte hier schon ein ausgedehnter Winterurlaubsbericht gestanden. Ansonsten hatte ich auch andere Ideen gehabt, aber irgendwie bin ich mir gerade auch über den "scope" (gibts für das Worte eine gute Ûbersetzung ins Deutsche? Auf Leo gabs nichts was mich wirklich überzeugt) dieses Blogs unschlüssig, d.h. ich weiss nicht genau was ich schreiben soll. Was würdet ihr, liebe Leser, den gerne lesen? Und wer liest hier eigentlich im Moment mit?

Donnerstag, 12. Februar 2009

Rentierrennen

Am letzten Wochenende passierte so allerlei -- so fand am Samstag ein Rentierrennen statt mitten in der Innenstadt zwischen dem Hotel und der Kauppahalli.
Dank des Wetters konnte man auch gut sehen -- es waren nämlich nicht so wahnsinnig viele Zuschauer bei -15 Grad, starkem Schneefall und kräftigem Wind aufgeschlagen ;-)

Rentiere ziehen ihre "Fahrer" erstaunlich schnell -- obwohl sie so zierlich aussehen und selbst nicht viel wiegen. Ein Pony hat bestimmt dreimal so viele Muskeln... Wenn die Strecke etwas kurviger ist als hier ist wohl die Hauptkunst, nicht hinzufallen.
Aber seht selbst den Geschwindigkeitsrausch:


Die Zuschauer waren gut gewappnet:
Dieses Event warf bei mir mal wieder die Frage auf, wie man an solche Tiere herankommen könnte, schliesslich leben Rentiere in Finnland ja nicht völlig wild, sondern gehören "Rentierzüchtern". Nachdem ich das in der Kaffeepause ansprach, lag am nächsten Tag das "Rentierzuchtgesetz" auf dem Kaffeetisch (ich habe schliesslich hilfreiche Kollegen). Daraus ging hervor: Es wird sehr schwierig Rentiere zu halten, solange man im Ouluer Stadtgebiet wohnt (wer hätte das gedacht). Ich müsste entweder das Rentierzuchtgesetz ändern oder die Route des Kiiminkijokis nach Süden verlegen :-D

Ach ja, das Rentierrennen fand im Rahmen der "Poroferia" statt, eine Art lappisches Flamencofestival. Niemand weiss warum das so ist -- und die Flamencotänzer scheinen ziemlich gefroren zu haben.

Ansonsten beinhaltete dieses Wochenende einen sehr schönen Mädelssaunaabend der unschön um halb 2 durch eine SMS von Jyrki beendet wurde, in der ungefähr stand: "Falls du früher nach Hause kommst als ich, ich bin im Krankenhaus..." Alles wieder gut, es war ein allergischer Schock der ordentlich behandelt wurde -- aber schon ein bischen erschreckend.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Noch mehr zur Wahl

Also, inzwischen hab ich eine Einführung in das finnische Wahlsystem bekommen -- ich glaube, dass so auch an der RWTH der Asta gewählt wird (ja, ich sollte wissen, wie dort gewählt wird...):
Man kann in Oulu seine Stimme an einen von 546 Kandidaten vergeben. Diese sind in Listen organisiert. Nach der Wahl werden alle Stimmen einer Liste addiert, nennen wir die Summe s. Der meistgewählte Kandidat der Liste bekommt dann s Punkte, der zweitmeistgewählte s/2 Punkte etc. Dies wird für alle Listen einzeln durchgeführt. Die Kandidaten am Ende listenübergreifend die meisten Punkte haben, ziehen ins Ouluer Parlament ein.
Dadurch haben natürlich Listen mit mehr Kandidaten Vorteile und es ist sehr einfach, Scenarien zu entwerfen, in denen Kandidaten viel mehr Punkte als Stimmen bekommen und so nicht die meistgewählten Personen ins Parlament kommen.

Verschiedene Leute hier haben mir erzählt, dass sie wegen dieses Wahlverfahrens nicht wählen gehen -- oder weil sie denken, dass die Parteien so gleich sind, dass es sich nicht lohnt...
Es ist zumindest bei uns in der Arbeitsgruppe wesentlich normaler nicht wählen zu gehen als ich es in Deutschland erlebt habe.

Gleichzeitig ist eine meiner Arbeitskolleginnen für die SDP aufgestellt -- wir versuchen sie schon die ganze Zeit sie davon zu überzeugen dass wir sie alle wählen, wenn sie nur häufig genug Kuchen mitbringt, leider bisher erfolglos.

Und wir bekommen ständig eine Riesenladung Wahlwerbung und Flyer, die bestimmte Kandidaten vorstellen, aber ich steig da trotzdem noch nicht so richtig durch...

Donnerstag, 4. September 2008

Wochenendtip: Oulun Päivät (Oulu Days)

Am Wochenende findet eine Art allgemeines Festival in Oulu statt, wo alle möglichen Aktivitäten angeboten werden. Ich zitiere hier mal die interessantesten aus dem englischen Programm und kann sie leider auch nicht unkommentiert lassen:

Freitag:
‘Muumi ja vaarallinen juhannus’ (The Moomin and the Dangerous Midsummer).
Open air film showing. Muse Party. Hupisaari Summer Theatre. Tickets: 5€
-- Wettervorhersage für Freitag nacht: kalt. Zu kalt für Filme draussen zumindest...

Samstag:
1pm – 2pm.
‘Get to know Salmon.’ An event for people who want to know more about salmon. Kaltie, Merikoski.
-- Lerne Lachs kennen...

2.15pm – 5pm.
‘Women as Decision-Makers.’ Discussion. Oulu City Library lower lobby.
-- Bitte?

1pm
Nordic stick-walking with the Bishop of Oulu, the Rt Rev’d Samuel Salmi. The bishop will be Nordic stick-walking in front of Oulu City Theatre and you can go and walk with him.
-- Die spinnen, die Finnen...

Und dann gibts natürlich noch wirklich viele "normale" interessante Sachen.

Freitag, 1. Februar 2008

Die spinnen, die Finnen [39,6]

Die Finnen müssen überall skifahren... sogar in 30m langen Strassenunterführungen. Der Schnee sieht auf dem Bild ein bischen besser aus als in echt...

Dokumentieren konnte ich dies, als ich auf Skiern nach Hause gefahren bin. Endlich geht das wieder -- wenn auch die Strecke am Kuivasjärvi entlang nicht soo toll ist (Nur falls das jemand wissen will...). Circa 15km weit ist es und führt fast ausschliesslich durch den Wald. Und im Gegensatz zum Fahrradweg keine Autos. Dafür dauert es auch ca 5 Mal so lange, inklusive Laufen am von der Arbeit zur Loipe und dann die 2 km von der Loipe nach Hause.

Und gerade schneit es wieder *freu*.

Ach ja, und die Stadt Oulu stellt eine Loipenkarte zur Verfügung, wo man auch sehen kann, wann die Strecken das letzte Mal präpariert wurden.

Mittwoch, 28. November 2007

Es weihnachtet ein bischen

So sieht die Ouluer Innenstadt seit ein paar Tagen aus -- geschmückt mit Lichtern und Schnee. Obwohl (oder gerade deswegen) die Verweihnachtlichung recht dezent ausfällt, bekommt man ein sehr weihnachtliches Gefühl. Der Schnee (hab ich in diesem Blog Schnee bereits oft genug erwähnt? Schnee, Schnee, Schnee, gestern bin ich von der Arbeit auf Skiern nach Hause gefahren...) und die relative Ruhe in der Einkaufsstrasse halfen sicherlich auch. Es wird einfach nicht weihnachtlich, wenn von allen Seiten verschiedene Weihnachtslieder auf einen einbrüllen und die Menschen sich gegenseitig vor Weihnachtseile fast über den Haufen rennen. Zumindest wird es dann nicht das gewünschte "gute" Weihnachtsgefühl, sondern eher die "Weihnachten, nein Danke"-Stimmung.

Die Finnen feiern übrigens Weihnachten und "pikkujoulu" (kleines Weihnachten). Zweiteres ist in Deutschland auch als Weihnachtsfeier bekannt, ist in Finnland aber wesentlich ausgeprägter... und mit mehr Alkohol verbunden. Ausserdem tragen die Finnen dort angeblich festliche Kleidung (Anzug etc.), was sonst so gut wie nie vorkommt. Sogar Staatsminister können auch im Pullover im Fernsehen auftreten.
Ich habe die Firmen-"pikkujoulu" aber verpasst. Ich hatte Bauchschmerzen und aus unserer Abteilung wollte sowieso kaum jemand hingehen.

Und noch ein bischen Vermischtes:
Grüsse an den Aachener Weihnachtsmarkt.
Glühwein heisst hier "Glögi" und ist noch süsser als in Deutschland.
Die Sonne geht inzwischen um halb 3 unter.
Der Nikolaustag ist ein Feiertag in Finnland ;-) (genannt auch Finnscher Unabhängigkeitstag)
Die Finnen kennen weder das Christkind noch den Nikolaus.
Am verlängerten Nikolauswochenende fahr ich nach Lappland und kann dann endlich meine neuen Skier (die immer noch geschont werden, aber die alten werden rege benutzt) ausprobieren (auch das kann nicht oft genug erwähnt werden).

Sonntag, 18. November 2007

Nacht- und Normalskifahren

Nachtskifahren ist sicherlich in Finnland erfunden worden. Was in den Alpen als Attraktion angeboten wird, ist in Finnland kaum zu vermeiden. Hier in Oulu ist es im Moment spätestens um 4 Uhr nachmittags dunkel. An Tagen mit Bewölkung natürlich früher.
Am Freitag, als endlich genug Schnee lag, musste ich natürlich sofort skifahren. Wir haben eine 1,5 km lange Runde fast vor der Haustür, und nachdem ich ein bischen im Wald herumgeirrt war, konnte es losgehen.
Ich konnte mich tatsächlich noch an die Bewegungen erinnern und es lief ziemlich gut. Nach drei Runden stand fest: Ich werde viel skifahren in diesem Winter. Und der Rundkurs ist recht abwechslungsreich -- es gibt sogar Hügel, bzw einen "Harju" (so eine Art Hügelkamm), der sehr effektiv genutzt wurde, so dass es drei Steigungen auf der Strecke gibt. Nach den drei Runden war jedoch Schluss, denn ich wollte am nächsten Tag nicht muskelgekatert auf meine "echte" Tagskitour gehen.

Am Samstag ging es also fast direkt von zu Hause auf der Loipe aus der Stadt raus -- eine schöne Strecke mit Seen und Bäumen, allerdings Leider gab es noch nicht so viel Schnee, dass eine Loipe für traditionelles Skifahren gemacht werden konnte, aber ein paar Leute hatten dies zumindest ansatzweise versucht. -10 Grad sind beim Skifahren garnicht so kalt, sogar die Körperteile, die z.B. beim Fahrradfahren immer zuerst frieren (Gesicht, Füsse, Hände), werden gleichmässig mit Wärme versorgt. Ein sehr schöner Morgen also.

Hier ein paar Bilder von der Strecke:Eine Extrabrücke für die Skifahrer -- sehr gute Einrichtung. Auch in Tunneln oder Unterführungen wird bei guten Schneebedingungen Schnee "ausgelegt" -- aber jetzt natürlich noch nicht.

Interessant sind auch die Verkehrszeichen in Handtellergrösse (nicht mein Handteller...)


Zum Beispiel: Vorsicht Kurve und Radfahrer.
Und ein Stoppschild.

















Am Nachmittag hab ich mir dann Skatingskier gekauft -- ich war an dem Tag ziemlich motiviert und ausserdem gab es 20% Studentenrabatt ;-). Leider liegt noch etwas zu wenig Schnee um die neuen Skier zu benutzen -- aber spätestens an Nikolaus werden sie eingeweiht, da fahr ich nämlich nach Lappland.

Freitag, 21. September 2007

Von Enten, Rentieren, Wetter und Büchern

Ein paar meiner wenigen Urlaubstage verbrachte ich hoch oben im Norden in Lappland. Fotos davon gibts neuerdings hier. Besonderes Augenmerk ist hier auf die zwei meistvertretenen Tierarten gerichtet: Enten und Rentiere halt ;-)

Ausserdem waren wir auf dem höchsten Berg der gesamten Region, der sich im Naturschutzgebiet Pallastunturi (etwas 800m) befindet. Die Mitternachtssonne hab ich übrigens auch in diesem Urlaub nicht gesehen, es war nämlich nachts zumindest im Norden immer bewölkt... und ab heute gibt es noch nicht mal mehr am Nordpol Mitternachtssonne... ich habs also endgültig verpasst. Schade.

Meine Mitarbeiter tun ihr bestes, mich mit Gesprächen wie dem folgenden aufzuheitern:
Kollege 1: "Na, wie gefällt dir das Wetter denn heute?" [Es regnet in Strömen]
ich: "Naja, immerhin ist es nicht zu trocken..."
Kollege 2: "... und auch nicht zu warm..."
Kollege 3: "... das bleibt so, es wird bloss viel dunkler. Wart mal nen Monat"
Das nennt man Teamarbeit. Gott sei Dank sind Finnen echte Wetterpessimisten, es kann sich also noch zum Guten wenden.

Für das regnerische Wochenende, was sich gerade ankündet, habe ich auf jeden Fall in der Bibliothek genügend Bücher gefunden (Harry Potter 6, Kapteeni Sinikarhun 13 1/2 elämää (na, was ist das auf Deutsch?), ein paar etwas kürzere finnische Kinderbücher etc.).
Diese Bibliothek ist ein echtes Phänomen. Die Stadt Oulu ist halb so gross wie Aachen, hat aber eine Stadtbücherei, die drei Etagen umfasst, inklusive einer grossen Fremdsprachenabteilung und einer Musikbibliothek. Wie ich gestern auf der Suche nach Harry Potter herausgefunden habe gibt es sogar eine recht grosse Auswahl an fremdsprachigen Kinderbüchern. Als ich das staunend abends berichtete und mit deutschen Bibliotheken verglich, fragte man mich: "Und was lesen dann ausländische Kinder in Deutschland?" Ja, interessante Frage.
Und man zahlt überhaupt nichts für die Benutzung der Bibliothek. Nahezu Paradiesisch. Jetzt kann der Winter kommen.

Mittwoch, 8. August 2007

Seinäkirjoitukset -- auch bekannt als Graffiti

Ich habe gerade ein Foto aus Oulu wiedergefunden. Das hab ich mal gemacht, weil ich nach mehrmaligem Vorbeifahren und Drübernachdenken alles verstanden habe. Drei international bekannte Sprüche in Finnisch. Mal sehen ob's jemand rausfindet.Und damit auch jeder weiß, was gemeint ist:
(1) Vatsani ei ole eläinten hautausmaa.
(2) Ajattelu kieletty
(3) Jesus sinä rakastaa (falsche Grammatik) richtig wäre vermutlich: Jesus rakastaa sinua.

Viel Spaß beim Raten. Vielleicht bekomme ich dann ja auch mal mit, wer diesen Blog eigentlich noch liest.

Ach ja, zum Titel:
seinä = Wand
kirjoitus = Artikel, Inschrift
kirjoitukset = Mehrzahl von kirjoitus.

Sonntag, 11. März 2007

Finnische Wochenendbeschäftigungen, Teil 1

Ich habe das Wochenende damit zugebracht, finnische Wochenendbeschäftigungen auszuspionieren. Die erste lernte ich Freitag Nacht kennen. Ich schloss mich ein paar Leuten aus dem Wohnheim an, die weggehen wollten und landete in einem Ouluer Nachtklub (nachdem ich meinen Ausweis vorgezeigt hatte. Personalausweis heißt auf finnisch übrigens henkilötodistus.). Ich hatte schon die ganze Woche sowohl auf der Arbeit als auch auf unserem (von Erasmus-Studenten bevölkerten) Flur, interessante Geschichten über finnisches Nachtleben gehört, aber es war nochmal etwas anders, das ganze selbst zu erleben. Also:
Finnen können sehr betrunken werden -- und tun dies auch. Diese sonst sehr ruhigen Menschen sind dann zeitweise nicht mehr besonders ruhig, danach dann dafür um so mehr. Die passendste Bemerkung kam hierzu eigentlich von Dorota, einer Polin, die auf dem gleichen Flur wohnt wie ich: "I won't ever have a finnish boyfriend, which I have to carry home after going out!". Es ist tatsächlich so, dass die Menschen hier trinken, bis sie nicht mehr gehen können. Auch wenn sie mit ihrer Freundin unterwegs sind. Übrigens können auch finnische Frauen sehr betrunken sein... Es ist ja nicht so, dass das in Deutschland nie passieren würde, aber nicht in einer solchen Häufung. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht -- sehr schön war übrigens auch der Rückweg um halb 5 zu Fuß durch die gefrorene Stadt.

Wochenendbeschäftigungen, Teil 2


Am Samstag konnte man nicht viel draußen unternehmen, weil es einfach ziemlich fies regnete. Allerdings wollte ich in die Stadt und hab natürlich meinen Bus verpasst und durfte laufen...
Am Sonntag war das Wetter jedoch erträglich und ich unternahm eine kleine Inselwanderung über die Oulu vorgelagerten Inseln, um die Ostsee zu besuchen. Auch hier ist zu sehen, dass es Frühling wird, denn in den noch nicht ganz zwei Wochen, die ich hier bin, kann man von Tag zu Tag mehr eisfreie Stellen auf den Flüssen und der Ostsee sehen.
Auf dem Weg zurück in die Stadt konnte ich weitere Wochenendbeschäftigungen der Einheimischen beobachten. Es ist kein Klischee, dass die Finnen für Mitteleuropäer seltsamen Beschäftigungen nachgehen. Sie bohren Löcher in auf Gewässern befindlichem Eis um dort zu fischen, oder dümpeln zum selben Zweck in gerade so aufgetauten Wasserlöchern mit ihrem Ruderboot herum. Aber ich wollte mich ja auch in die Riege der Verrückten einreihen: Ich hatte mich mit ein paar Leuten aus dem Wohnheim zum Eisschwimmen verabredet. Auf dem Weg von der Ostsee zum "Badestrand", wie es in der Karte so schön heißt, kamen mir doch etwas die Zweifel. Mir war nach drei Stunden in der Kälte dann doch etwas kalt geworden und spürte schon ein leichtes Kratzen im Hals... aber dann hab ich doch nicht gekniffen.
Um es mal vorweg zu nehmen: Ich kann Eisschwimmen nur empfehlen! Seltsamerweise ist es zwar äußerst kalt, schon alleine vom Umkleideraum zum Fluss zu laufen (das müsst ihr unbedingt mal machen: Barfuß über den Schnee laufen!) und dann erst recht, ins ca. 1 Grad kalte -- ähh warme -- Wasser zu steigen, aber es geht einem danach definitiv besser als vorher ;-). Wirklich. Außerdem bringt es Spaß.
Wir drei Eisschwimmer (Stefan aus Deutschland, Dorota aus Polen und ich) wollen auf jeden Fall nächsten Sonntag wieder zum Badestrand in Tuira. Hilfreicherweise ist auch unser Hofberichterstatter Picos (auch aus dem Wohnheim, Spanier) mitgekommen. Er war allerdings nicht dazu zu bewegen, sich auch ins Wasser zu kommen. Dafür gibt es dank ihm Fotos, die ihr hier anschauen könnt.

Mittwoch, 28. Februar 2007

Angekommen!

,Ich hab es tatsächlich bis Oulu geschafft!

Der folgende Eintrag ist vermutlich etwas chaotisch und relativ wenig aussagekräftig. Aber er kommt von Herzen ;-)

In Oulu liegt Schnee. Viel Schnee. Wie schon aus der Karte (rechts) hervorgeht, liegt die Stadt direkt an der (momentan zugefrorenen) Ostsee. Als ich in Oulu aus dem Flieger stieg und zu Fuß von der Landebahn in den Gepäckraum mit seinen zwei Gepäckbändern ging, war mir das Land gleich sympathisch. Es schneite nämlich und überall rings um die Landebahn wuchsen Bäume. Ich war dann etwas weniger begeistert, als mein Gepäck nicht auftauchte. Das scheint aber relativ normal zu sein -- es war zumindest niemand außer mir verwundert und es tauchte dann abends tatsächlich im Hotel auf.

Bei meinem Gang durch das abendliche Oulu fiel mir das folgende auf:
Die Autos fahren langsam, die Fußgänger dagegen bewegen sich ziemlich rasch (beide natürlich relativ zu den von mir gewohnten Geschwindigkeiten).
Der Grund für den ersten Sachverhalt war schnell durch einen Selbstversuch zu klären: Ich ging über eine Straße. Da die Ouluer Straßen gepflastert sind und nicht gestreut werden, sind diese äußerst glatt. Besonders wenn es, wie mir heute jemand erklärte, so warm wie heute ist (ca. -5). Die Autos, die üblicherweise üblicherweise durch die Gegend schleichen, hören sich auf jeden Fall ziemlich spektakulär an, weil sie bei jedem Anfahren, Abbremsen und Kurvenfahren mit durchdrehenden Reifen und knirschendem Schnee zu kämpfen haben.
Warum mich ständig alle Fußgänger überholten, hatte ich etwas später auch begriffen, als mir selbst ziemlich kalt wurde. Die Kälte hier ist nicht so beißend wie in Deutschland, hat dich aber irgendwann einfach durchdrungen... besonders Stehenbleiben ist nicht besonders zu empfehlen -- Schnell gehen hilft jedoch ganz gut.

Im Moment wohne ich in einem Hotel direkt am Ostseeufer mitten in der Innenstadt. Von hier aus hat man eine gute Ausgangslage, um die Stadt zu erkunden. Morgen ziehe ich nach Otokylä um. Ich hab heute schon mein Gepäck in mein Zimmer gebracht. Ausführliche Blogeinträge sowohl über mein Zimmer als auch über die Stadt Oulu werden wohl folgen.

Hier schon mal der Blick aus dem Fenster meines Hotelzimmers. Sogar Parkplätze sehen verschneit ganz gut aus ;-) Außerdem auf dem Bild zu sehen sind das Theater (blau angeleuchtet, eine Fabrik und ein paar ältere Holzhäuser)

Ich grüße euch alle!

Freitag, 2. Februar 2007

Wo ich in Oulu wohnen werde

Ich habe ein Zimmer in Otokylä, dem Wohnheim der Hochschule von Oulu ergattert... bzw. ein halbes. Oder wie auch immer man es nennen möchte, wenn man zu zweit in einem Zimmer wohnt.
Es ist nur geringfügig teurer als mein Zimmer in Aachen: statt 148 Euro 170.
Ich bin sehr gespannt, wie das mit zwei Leuten auf einem Zimmer funktionieren soll. Seit ca. 10 Jahren hab ich nicht mehr permanent mit einem Menschen in einem Zimmer gewohnt, dessen Tagesablauf ich nicht teile. Man muss sich ja vermutlich schon einigen, wann man das Licht ausmacht -- und wenn morgens die eine aufgestanden ist, wird der anderen auch nichts anderes übrig bleiben. So alltägliche Sachen, die man halt absprechen muss... Erstaunlicherweise bin ich aber wirklich gespannt, wie das läuft und bezweifle nicht, dass das überhaupt funktioniert -- schließlich scheinen an die 600 Leute in dem Wohnheim so zusammenleben zu können.
Dafür gibt es natürlich auch jede Menge Regeln. Die allerwichtigste scheint zu sein: RUHE von 22-7 Uhr. Oder wie es in meinen Unterlagen so schön heißt: "the finnish concept of silence is very, very, very quiet". Diese Regel kommt in meinen Unterlagen drei Mal in unterschiedlichen Formulierungen vor. Aber die zitierte ist die schönste ;-)
Ich hoffe einerseits, das das nichts mit den Nachhausekommzeiten zu tun hat und andererseits, dass ich schlafen kann. wenn ich es möchte -- naja, man wird sehen, wie es im Wohnheim läuft. Wenn es doch total doof ist, werde ich mich vor Ort besser nach Wohnraum umsehen können als hier -- von hier aus geht es nämlich so gut wie gar nicht.
Das Wohnheim hat natürlich auch extreme Vorteile. In der Zimmermiete ist alles mögliche inbegriffen: Bettwäsche, Handtücher, Geschirr, Besteck und INTERNET. Außerdem kann man die Sportanlagen des Wohnheims nutzen.

Ach ja, den ersten Monat werde ich mit einem belgischen Mädchen zusammen wohnen, das aber im April abreist. Vielleicht hab ich ja dann doch ein eigenes Zimmer...

Hilfreiche Links:

Die Wohnheimshomepage -- leider nur in finnisch, man kann mit der Übersetzung Stunden verbringen
Accomodation Services für internationale Studierende an der Uni in Oulu. Da kann man übrigens auf Fotos von den Zimmern bestaunen.