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Mittwoch, 18. November 2009

Hausmitteilung

Ich vernachlässige mein Blog mal wieder sträflich. Ich hätte einige schlechte Ausreden anzubieten: Arbeit, zu dunkel und wirklich nerviges Wetter, nichts zu schreiben (das stimmt noch nichtmal, aber mir fällt meistens was ein, wenn ich weit weg vom Computer bin und dann vergesse ich es sobald ich in die Nähe eines selbigen komme).

Aber auch eine gute: Wir haben ein Haus gekauft! Bei uns gleich um die Ecke mit viel Platz und Garage für alle möglichen Hobbies und natürlich Sauna und Kamin. So sah es aus, als es noch nicht ständig dunkel war:


Sehr aufregend und ab und zu immer noch etwas beängstigend, ich hab schliesslich noch nie sowas Riesiges besessen -- noch nicht mal halb ;-)

Aber man muss sich ja den Gepflogenheiten des Gastlandes anpassen -- die Finnen haben einen echten Hausfimmel. Es fällt mir erst jetzt, wo ich mich ein bischen fürs Renovieren und Einrichten interessiere, auf, wieviele Fernsehsendungen es dazu gibt. Finnische Eigenproduktionen und dann auch noch Sachen aus Amerika. Bei der Arbeit gibt es Leute, die schon ihr zweites Haus bauen; und Wohnungen zu mieten ist ziemlich unüblich, zumindest in Oulu.

In drei Wochen ziehen wir um, bis dahin muss noch alles mögliche gestrichen werden und wir brauchen noch nen neuen Boden. Also, bis irgendwann mal ;-)

Montag, 30. März 2009

Statusmeldung und Konzerthinweis

Fast zwei Wochen kein Eintrag -- und noch viel länger kein "richtiger". Hier immerhin mal die Zusammenfassung der letzten zwei Wochen:
Eine Woche Arbeit vom Urlaub nacharbeiten
Eine Woche Arbeitsbesuch aus Deutschland von einem netten Kollegen -- das bedeutete in diesem Fall lange Arbeitstage und lange anschliessende Feierabende (endlich passt das Wort mal).
Dann arbeitgeberfreundlich Freitagnachmittag krank geworden -- Fieber und Halsschmerzen.
Und diese Woche fange ich mal mit einem Tag zuhause im Bett bzw. in der Küche Tee mit Zitrone und Honig trinkend an. Und da Kranksein in den Wachphasen sehr uninteressant ist (Buchlesen macht Kopfschmerzen, beim Stricken vertue ich mich ständig) lerne ich Python beim Teetrinken. Erstaunlicherweise reicht meine Hirnkapazität dazu noch aus (allerdings mit Schlafpausen von insgesamt 4 Stunden...).

Eigentlich wollte ich allerdings garnicht jammern, sondern folgendes schreiben:

1. Christian Lindberg, DER Posaunist, kommt am Donnerstag nach Oulu! Er wird als Solist, Dirigent und Komponist auftreten (wie tritt eigentlich ein Komponist auf?). Es gab zumindest am Wochenende noch Karten, z.B. bei Stockmann. Ich hab ihn noch nie in echt gesehen, bin sehr gespannt.

2. Es gibt im Moment hier wenig zu lesen, unter anderem weil der Rechner auf dem die ganzen Bildbearbeitungsprogramme drauf sind gerade halb bei Jyrkis Bruder weilt, sonst hätte hier schon ein ausgedehnter Winterurlaubsbericht gestanden. Ansonsten hatte ich auch andere Ideen gehabt, aber irgendwie bin ich mir gerade auch über den "scope" (gibts für das Worte eine gute Ûbersetzung ins Deutsche? Auf Leo gabs nichts was mich wirklich überzeugt) dieses Blogs unschlüssig, d.h. ich weiss nicht genau was ich schreiben soll. Was würdet ihr, liebe Leser, den gerne lesen? Und wer liest hier eigentlich im Moment mit?

Donnerstag, 12. Februar 2009

Rentierrennen

Am letzten Wochenende passierte so allerlei -- so fand am Samstag ein Rentierrennen statt mitten in der Innenstadt zwischen dem Hotel und der Kauppahalli.
Dank des Wetters konnte man auch gut sehen -- es waren nämlich nicht so wahnsinnig viele Zuschauer bei -15 Grad, starkem Schneefall und kräftigem Wind aufgeschlagen ;-)

Rentiere ziehen ihre "Fahrer" erstaunlich schnell -- obwohl sie so zierlich aussehen und selbst nicht viel wiegen. Ein Pony hat bestimmt dreimal so viele Muskeln... Wenn die Strecke etwas kurviger ist als hier ist wohl die Hauptkunst, nicht hinzufallen.
Aber seht selbst den Geschwindigkeitsrausch:


Die Zuschauer waren gut gewappnet:
Dieses Event warf bei mir mal wieder die Frage auf, wie man an solche Tiere herankommen könnte, schliesslich leben Rentiere in Finnland ja nicht völlig wild, sondern gehören "Rentierzüchtern". Nachdem ich das in der Kaffeepause ansprach, lag am nächsten Tag das "Rentierzuchtgesetz" auf dem Kaffeetisch (ich habe schliesslich hilfreiche Kollegen). Daraus ging hervor: Es wird sehr schwierig Rentiere zu halten, solange man im Ouluer Stadtgebiet wohnt (wer hätte das gedacht). Ich müsste entweder das Rentierzuchtgesetz ändern oder die Route des Kiiminkijokis nach Süden verlegen :-D

Ach ja, das Rentierrennen fand im Rahmen der "Poroferia" statt, eine Art lappisches Flamencofestival. Niemand weiss warum das so ist -- und die Flamencotänzer scheinen ziemlich gefroren zu haben.

Ansonsten beinhaltete dieses Wochenende einen sehr schönen Mädelssaunaabend der unschön um halb 2 durch eine SMS von Jyrki beendet wurde, in der ungefähr stand: "Falls du früher nach Hause kommst als ich, ich bin im Krankenhaus..." Alles wieder gut, es war ein allergischer Schock der ordentlich behandelt wurde -- aber schon ein bischen erschreckend.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Die spinnen, die Finnen, oder: Der Fischstäbchendieb

Eine nette Zeitungsmeldung:

Ein dreizehnjähriger Schüler aus Vantaa nahm sich ein Fischstäbchen zuviel beim kostenlosen Schulessen -- und die Schule rief die Polizei. Begründung: Der Schüler weigerte sich das Fischstäbchen zurückzugeben und später auch mit Lehrern oder Psychologen zu sprechen. Die Polizei wurde geholt, um die Sicherheit der anderen Schüler zu gewährleisten.

Mittwoch, 10. September 2008

Deutschland gegen Finnland

Heute, Fußball. Deutschland hat also eine Chance zu gewinnen, obwohl Löw gestern in der Pressekonferenz die Stärke der Finnen tausendfach herausgehoben hat (zumindest hat das finnische Fernsehen genau diese Teile gesendet). In Deutschland im ZDF, in Finnland im PayTV -- ich muss es also nicht anschauen ;-)

Donnerstag, 10. Juli 2008

Spiegel Online schreibt über das Leben in der finnischen Gemeinde Eurajoki. Dort gibt es ein Atomkraftwerk und die Leute leben dort ganz idyllisch und seltsamerweise ohne Angst und Schrecken, dass jederzeit ein Störfall eintreten könnte.
Ich frage mich, was die Leute da sonst machen sollen -- wer nicht beim Atomkraftwerk leben will, wohnt da vermutlich nicht (mehr). Ich finde es eher kurzsichtig in Deutschland hysterisch die Schliessung von deutschen Atomkraftwerken zu fordern und dann gemütlich mit grenznahem tschechischen Atomstrom fernzusehen.

Die Sichtweise der Finnen die ich kennengelernt habe auf Atomkraft ist nicht so negativ wie in Deutschland. Während in Deutschland die Grünen Kohlekraftwerke bauen wollen, halten die Finnen das für das schlechteste, was man machen kann (hoher CO2-Emissionen, schlechter Wirkungsgrad). Wasserkraft klingt toll, ist aber auch zwiespältig, zumindest schwer auszubauen, denn in einem platten Land wie Finnland müssen Stauseen sehr gross sein und durch die verstärkte Strömung werden Schwermetalle aus dem Boden geschwemmt (was man nicht alles im Finnischunterricht lernt...). Hier im Norden wird auch gerade ein Atomkraftwerk geplant und der genaue Standort entscheidet darüber, welche Gemeinde die Arbeitsplätze bekommt. Es wäre sicherlich besser, den Stromverbrauch zu senken und keine Atomkraftwerke zu bauen. Da das aber wohl nicht der Fall sein wird, ist mir ein Atomkraftwerk in Kemi (100km entfernt, in Finnland) lieber als eins an der russischen Grenze (300km entfernt).

Donnerstag, 31. Januar 2008

Karrikatur


Montag in der Kaleva gefunden: Eine Karrikatur des Zeichners Jari. Und sogar verstanden.
Der Chef gibt seinen Mitarbeitern eine "Gruppenentlassung" und sagt:
"Wir verlegen die Fabrik weit weg. Ihr habt Grund, stolz zu sein, zu dem Team zu gehören, dass den Gewinn der Firma maximiert." (Frei übersetzt -- Kritik und Anregungen willkommen)

Aha, könnte man denken, die Finnen kritisieren den Umgang von Nokia mit den Fabrikarbeitern in Bochum.
Allerdings betrifft diese Karrikatur die Schliessung der Papierfabrik in Kemijärvi, ein paar hundert Kilometer nördlich von Oulu. Die Fabrik warf Gewinn ab, wird aber geschlossen, weil die Firma Stora Enso einen höheren Preis für ihr Papier erzielen will. Ein echter Parallelfall also. Bis darauf, dass es in Kemijärvi (am Arsch der Heide) noch weniger Alternativen für Fabrikarbeiter gibt als in Bochum.

Was ich damit sagen will? Weiss ich auch nicht so genau, es fiel mir nur auf.

Montag, 17. Dezember 2007

Nokia -- Connecting Pipeline

Eine Karrikatur im "Aamulehti" über das Wasserproblem in Nokia, der Heimatstadt der Gummistiefel, Reifen und Mobiltelefone.
In Nokia hat ein Mitarbeiter in der Wasserversorgung ein Ventil, was eigentlich garnicht dort sein sollte, geöffnet und damit verbrauchtes Wasser in die Trinkwasserleitung gebracht. Finnen pflegen Leitungswasser zu trinken (verständlich, bei der Wasserqualität und dem Preis für Wasser aus der Flasche) und so erkrankten viele so stark, dass sie ins Krankenhaus mussten. Die finnische Armee versorgte die Stadt einige Tage mit Wasser -- jetzt darf das Leitungswasser abgekocht wieder normal benutzt werden. Das Problem wird wohl bis zum Frühjahr bestehen. Was mit demjenigen passiert ist, der das Ventil geöffnet hat, ist unbekannt.

So, jetzt wisst ihrs. Diese Nachricht ist übrigens ca. zwei Wochen alt -- ich fand nur die Karrikatur sehr postwürdig und hatte bis jetzt keine Zeit etwas zu schreiben (Rentiere, Skifahren, Konzerte besuchen, Diplomarbeitschreiben etc.).
Foto von http://www.veep.ee/nokia.jpg.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Die spinnen, die Finnen [36]


Wesentlich mehr internationale Presse als z.B. der Krankenschwesternstreik bekommt das "Tetris-Hochhaus" in Tampere.
Ein renovierungsbedürftiges Studentenwohnheim ist in eine Art Bildschirm verwandelt worden. Die Fenster können in verschiedenen Farben leuchten -- und mit einem Mobiltelefon kann man darauf Tetris spielen.
Der Anlass: das 42. Jubiläum der Student Union der University of Technology Tampere. Coole Sache.
Ein Video gibts bei Youtube und auch hier:

Weitere Hintergründe hier.

Donnerstag, 8. November 2007

Traurige Premiere

Gestern ist ein Schüler in Finnland an seiner Schule amokgelaufen. Er hat acht Menschen und sich selbst umgebracht. Das ist heute das einzige Thema in Finnland, sogar im Finnischunterricht haben wir darüber gesprochen. Die Flaggen sind heute auf Halbmast gesetzt (und es gibt viel Flaggen in Finnland). Dies ist das erste Mal, dass etwas Derartiges in Finnland passiert ist.

Sogar die deutschen Medien berichten, wenn auch unter "ferner liefen":

Spiegel

Tagesschau.de

Vielleicht nur eine Ausdrucksweise der Kranken unserer Zeit ist, dass er die Vorbereitungen sowie das Datum des Anschlags minutiös im Internet dokumentiert hat -- aber aus irgend einem Grund hinterlässt das ein noch seltsameres Gefühl in mir.