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Sonntag, 2. Mai 2010

Vappu 2010

Nein, ich bin nicht vom Dach gefallen. ;-)

Gerade rechtzeitig bin ich Feitags um zwei Uhr morgens von einer Dienstreise zurückgekommen, um Vappu zu feiern. Nach fünf Stunden Schlaf und neun Stunden Arbeit machte ich mich auf den Weg zum Festzelt auf dem Markt, um den feierwütigen Finnen etwas einzuheizen, wir hatten einen Auftritt mit der Band.

Da fast alle meiner Freunde in Norwegen Skifahren waren und es ausserdem regnete, bin ich danach einfach noch ein bischen dageblieben und hab erlebt wie "erwachsene Leute" Vappu feiern, im Gegensatz zu den Studenten mit denen ich sonst gefeiert habe: Es fliesst geringfügig weniger Alkohol, dafür gibt es Munkki (Schmalzgebäck) und Lettu (Pfannkuchen), je nach Geschmack tragen die Leute ihre Studentenmütze oder z.B. Zebrahüte. Luftballons und Luftschlangen sind auch wichtig, es ist ein bischen wie Fasching, aber auch ganz anders... und es dauert nur einen Abend und vielleicht den Tag danach, nicht wie bei den Studenten in Oulu eine ganze Woche ;-)

Im nächsten Jahr wird Vappu hoffentlich wieder etwas intensiver -- und vielleicht mit weniger Schnee und Regen, wenns geht.

Sonntag, 28. Juni 2009

Juhannus 2009

Fast wie Urlaub! Diesmal sind wir über Juhannus nach Südostfinnland zu einer Hochzeit gefahren. Es ging nach Saimaa, da wollte ich sowieso immer schonmal hin. Auf dem Weg Richtung Mikkeli gelang es mir auch endlich zwei verschiedene finnische Tankstellen auf ein paar Pixel zu bannen. Recht unspektakulär ist die erste, allerdings vollständig aus Holz und befindet sich ca 120 Kilometer südlich von Oulu im Nirgendwo (in diesem Fall Kestilä genannt).

Die zweite befindet sich irgendwo in Savo am alten Bahnhof von Lapinlahti.

Das Wetter war traditionell durchwachsen ("epävakainen"). Ich muss mir dringend mal schicke Kleidung kaufen, in denen man einstellige Plusgrade gut aushalten kann.
Dafür gabs aber am Freitagabend ein traditionelles Juhannusfeuer am Strand von unserem Hotel. Wenn man die Landkarte von Saimaa anschaut, sieht man wesentlich mehr Wasser als Land, was dazu führt, dass fast jeder einen Strand hat. Und Mücken.

Erstaunlicherweise wird es in Südfinnland selbst an Mittsommer wirklich dunkler als tagsüber -- die 400 Kilometer scheinen wirklich was auszumachen.

Die Hochzeit selbst fand übrigens in einer wunderschönen alten kleinen hölzernen Dorfkirche statt -- leider vertraute ich den ca. 17 anderen Fotografen zu, genug Fotos zu machen -- bloss hab ich jetzt noch keine... ich werde versuchen sie später mal zu zeigen. Eine nette Hochzeit in kleinem Rahmen und ich habe nur unwesentlich bei 10 Grad und starkem Wind gefroren...

Ein Kollege meinte allerdings trocken, dass das kühle Wetter vermutlich einigen Leuten das Leben gerettet hat, denn an Juhannus ertrinken jedes Jahr einige Finnen. Bei der Arbeit gibt es die traditionelle "Juhannuswette", bei der man tippen kann, wie viele Ertrunkene es dieses Jahr wohl werden. Seltsamer Humor, ich halt mich da raus...

Ach ja, Juhannus ist natürlich Reisesaison -- alle wollen nach Norden. Wir fuhren antizyklisch und so konnten wir die Automassen, auf die Jyrki mich hinwies, bestaunen: Freitagmorgen auf den ersten 200 km circa 3 Autos, danach konnte man vereinzelt Gruppen von Autos hintereinander fahren sehen, am Sonntag wurden Autoschlangen von mehreren 10 Autos gesehen -- finnische Stau halt ;-) Um Helsinki sollen sie allerdings tatsächlich gestanden haben.


Auf dem Rückweg war blendendes Wetter, denn nach Juhannus fängt ja bekanntlich der Sommer an. Wir hielten für ein Eis in Kuopio und sassen an der Kauppahalli beim Velimies, der einem Spatzen als Vogeltränke diente. Kalakukko (eine Art Brot das mit Fisch gefüllt ist), die Spezialität aus der Region, war nur sehr touristisch und teuer auf dem Marktplatz zu bekommen, denn am Juhannuswochenende haben alle Läden geschlossen. Sogar der öffentliche Nahverkehr wird in Oulu eine Zeit lang völlig eingestellt. Kalakukko also später mal.

Freitag, 10. April 2009

Finnische Ostertraditionen

Die Ostergebräuche hier in Finnland sind etwas gewöhnungsbedürftig, kein Osterfeuer, keine "richtigen" Ostereier, schon garnicht zum Suchen, sondern nur Schokoeier zum Essen. Dafür laufen am Sonntag vor Ostern Kinder als Hexen verkleidet von Haus zu Haus, schlagen die Erwachsenen und bekommen dafür Süssigkeiten. Oder so ähnlich.
Ausserdem gibt es Mämmi, ein Gericht das stark polarisiert. Die einen meinen ich müsse es unbedingt probieren, Jyrki sagte nur, dass ich das gerne kaufen könne, er es aber auf keinen Fall essen würde. Sogar die Küchenfrau fragte mich gestern ob ich Mämmi möge. Also sehr essbar sieht es eigentlich nicht aus, aber ich werde wohl auf lange Sicht nicht drumrumkommen, obwohl ich es inzwischen ja zwei Jahre lang geschafft habe. Ich werde berichten. Vielleicht aber erst nächstes Jahr ;-)

Ein anderer Brauch ist anscheinend das Wetter. wenn man heute aus dem Fenster guckt, sieht es genau so aus.

Dienstag, 30. Dezember 2008

Weihnachten an verschiedenen Punkten im Raum-Zeit-Kontinuum

Ich hoffe dass noch jemand einen Weihnachtsartikel lesen möchte -- ich bin wie meistens ein bischen spät dran. Dafür ist der Artikel sowie die Überschrift um so länger ;-)


Ich hatte mir nie klargemacht, dass ich tatsächlich 24 Jahre lang immer zu Hause auf die mehr oder weniger selbe Art und Weise Weihnachten gefeiert habe. Es gibt Rituale, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben, und von denen ich teilweise garnicht wusste, dass sie existieren, und besonders nicht, dass sie mir fehlen würden.

In meiner Familie geht Weihnachten nämlich eigentlich so:
Imke und ihr Vater organisieren einen Weihnachtsbaum am 23. oder 24., denn vorher muss die fünfköpfige Familie üblicherweise tagelang diskutieren, ob man denn dieses Jahr wirklich einen Baum braucht wo doch alle schon erwachsen sind und so weiter. Dadurch wird dann das Tannenbaumbesorgen und auch die erwischten Baumformen interessanter. Der Baum wird vorzugsweise mit dem Schlitten geholt, das klappt so in ca. 10% der Fälle, sprich 2 Jahre von 20.

Das Weihnachtsbaumschmücken findet am 24. um 2 Uhr statt, denn da läuft in NDR 4 "Hilfe die Herdmanns kommen" -- jedes Jahr. Das ist ungefähr so wichtig wie Weihnachten bei Hoppenstedts. Neben "normalem" Christbaumschmuck kommen bei uns Schokokringel an den Weihnachtsbaum, die man auf Fäden auffädeln muss, deswegen nimmt das Schmücken so ca. den Nachmittag in Anspruch.

Weihnachtsmusik live mit bis zu drei Mitwirkenden und in teilweise interessanter Besetzung (z.B. Posaune, Gitarre, Pikkoloflöte).

Und echte Kerzen am Baum. Die Finnen halten das ja für lebensgefährlich, aber der Effekt, der sich einstellt, sobald die Kerzen an sind und sich die Familie im Wohnzimmer versammelt hat, ist schwer durch Strom zu ersetzen (und das sagt die Elektrotechnikerin...). Es ist dann einfach plötzlich Weihnachten und selbst wenn der 24. eher gespannt verlaufen ist, ist das dann erstmal vergessen -- zumindest bis die Kerzen wieder aus sind ;-).

Diesmal also nicht, sondern: Weihnachten für Erwachsene. Klingt langweilig, war aber durchaus entspannend ;-). Die Magenverstimmung, die ich die Tage vor Weihnachten hatte, muss aber nicht unbedingt Tradition werden.
Ne Menge Schnee gabs, Jyrki und ich sind hauptsächlich querfeldein und auf Loipen skigefahren (klappt aber nicht, wenn man drei Tage nichts gegessen hat), auf dem gefrorenen Fluss spazieren gegangen, haben gelesen, Spiele gespielt, lange geschlafen (aufstehen wenns hell wird ist dann so um 11...) und gegessen (oder auch nicht).
Die Hauptspeise zu Weihnachten ist in Finnland Schinken. Diese Schinken gibts in teilweise furchterregenden Größen, aber auch als 'sinkkukinkku' (Singleschinken), überall zu kaufen. Der kommt dann ca. einen Tag in den Backofen und dann kann sich die Großfamilie drei Wochen davon ernähren. Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Konzept, dass aber zumindest in Jyrki's Familie nicht so totalitär durchgeführt wird, d.h. es gab auch noch andere Sachen zu essen. Zum Schinken gibts alle möglichen Arten von "Kisten", wie die Finnen Aufläufe nennen. Hauptsächlich so Sachen mit Steckrüben und Möhren irgendwie süß gewürzt. An Heiligabend isst man Milchreis, der in einem großen Topf gekocht wird. Beim Kochen wird eine Mandel in den Reis gemischt. Wer die findet, hat das ganze nächste Jahr Glück. Traditionell ist es üblich, dass Jyrkis Bruder diese Mandel immer findet, so auch dieses Jahr. Und ein Rentier fand sich auch noch an, und so gab es am 3. Weihnachtstag 'poronkäristys', gebratenes Rentier. Dafür wurde eigens der Holzherd befeuert. Sehr lecker!

Interessanterweise ist die Bescherung in Finnland ein bischen anders als in Deutschland (wobei hier die Stichprobengröße nicht für repräsentative Aussagen geeignet ist): Während man in Deutschland Geschenke ja schon eher persönlich übergibt wird in Finnland Joulupukki, der Weihnachtsmann, verantwortlich gemacht. Es ist dann also so, auch unter Freunden, dass man eine Tüte mit den Worten "Joulupukki kavi", also "der Weihnachtsmann war da", überreicht bekommt. Auch bei der Bescherung werden alle Päckchen mit Namen versehen und dann "anonym" verteilt. Seltsam, und etwas schwierig zu beschreiben. Zu mir kam er übrigens auch.

Finnen bekommen übrigens alle mindestens einen solchen Pralinenkarton geschenkt. Diese Pralinenkartons gibt es in verschiedenen Farben und Herstellern, sie scheinen aber zu mindest in der Größe genormt zu sein.

Und als Belohnung für alle, die sich diesen Artikel tatsächlich bis zum Ende durchgelesen haben, noch ein paar Fotos von typisch finnscher Beleuchtung:
Und -- weiß jemand was das hier ist?

Und dann noch meine ersten Eislaternen, zumindest in diesem Jahr.
Alles in allem lässt sich Weihnachten in Finnland gut aushalten. Allerdings werde ich es nächstes Jahr hoffentlich wieder nach Hamburg schaffen -- dann kann mein Finne einen Gastbeitrag darüber schreiben wie seltsam Weihnachten in Deutschland gefeiert wird.

Freitag, 19. Dezember 2008

Frohe Weihnachten schonmal!

Heute nachmittag wurde endlich entschieden, dass sowohl Jyrki als auch ich zwei Tage Urlaub vor Weihnachten bekommen! Es sei denn, plötzlich funktioniert alles nicht mehr, wir sind in "Rufbereitschaft". Vielleicht sollte ich mein Handy in Oulu vergessen, es geht nämlich morgen früh mal wieder in den Norden, hier hin:

Nächstes Jahr werde ich dann in Deutschland Weihnachten feiern. Das Hinundhergereise zum Jahresende werde ich mir nicht geben -- da wir nur zwei Tage frei haben wäre es auch etwas schwierig in Deutschland und Finnland zu feiern... vermutlich werde ich sowieso hauptsächlich schlafen ;-)

Wir werden auf jeden Fall dem Ouluer Wetter entfliehen, das im Moment hauptsächlich mit Regen oder Kälte weitestgehen ohne Schnee glänzt. Und die Woche darauf darf ich dann erholt und motiviert für unser nächstes Ziel am 8. Januar arbeiten.

Schöne Feiertage euch allen!

Mittwoch, 25. Juni 2008

Juhannus 2008

Dieses Jahr habe ich Juhannus mal wirklich traditionell begangen (letztes Jahr haben Kaarina und ich uns ja nach Tornio verzogen).
Juhannus, der Mittsommertag, fängt eigentlich schon in der Woche davor an, mit Einkaufen. In den Läden geht es wie in der Vorweihnachtszeit zu, nur dass sich die Kunden hauptsächlich auf Grillfleisch, Würstchen, Grillkohle und die Abteilung für alkoholische Getränke spezialisieren. Schlauerweise war ich schon am Mittwoch einkaufen, am Donnerstag soll es sehr voll gewesen sein. An Juhannus sind alle Läden geschlossen. Auch beim öffentlichen Personennahverkehr herrscht Ausnahmezustand -- am Freitag, dem Juhannusaatto (quasi Midsummereve, ich weiß gerade keine gute deutsche Ûbersetzung), fahren die Busse bis Mittags nach Samstagsfahrplan und danach nicht mehr. Kein Busverkehr bis Sonntag morgen. Irgendwie verständlich, denn an Juhannus ist kaum jemand in der Stadt.

Ich bin mit einem Haufen Finnen in ein Ferienhaus in Vuokatti gefahren. Tatsächlich war mir zwischenzeitlich fast ein bischen mulmig, acht Finnen von denen ich einige kaum kannte, jeder mit einem großzügigen Alkoholvorrat... Aber ich hatte ja Kaarina und Jyrki, und einige andere kannte ich auch ;-)
Noch wichtiger an Juhannus als ein genügender Vorrat an Alkohol ist ein warmer Grill und Sauna. Wir in unserem Luxusmökki hatten auch noch einen Whirlpool und einen Billiardtisch. Abends ein paar Stunden in die Sauna und danach entspannt bis morgens draußen sitzen und quatschen, das sind die Qualitäten von Juhannus. In Deutschland fehlt so ein kollektives Sommerfest, ansonsten gibt es ja eher so anstrengende Festivitäten wie Weihnachten ;-)
Juhannus ist auf bloß leider zu kurz -- von Freitag bis Sonntag reicht einfach nicht.

Meine Finnischqualitäten wurden auch mal wieder auf die Probe gestellt, nachdem Jyrkis Bruder sagte, dass ich "ihan kaikki" Finnisch verstände, sprach Ari nur noch Finnisch mit mir und auch die sonstigen Gespräche wurden in Finnisch geführt. Ich konnte sogar auf Finnisch Alias spielen (das ist so ähnlich wie das deutsche Spiel Tabu)!

Ansonsten muss noch erwähnt werden, dass man bei der Auswahl des Juhannusmökkis darauf achten sollte, dass es eine Terrasse mit Ûberdachung gibt, denn das traditionelle Juhannuswetter beinhaltet einen guten Teil Regen. Als wir am Sonntag in Oulu ankamen, lagen Hagelkörner auf der Wiese vorm Haus.

Dienstag, 5. Februar 2008

Karneval... oder so

So was wie Karneval wird hier in Finnland ja wenn überhaupt an "Vappu", dem 1.Mai gefeiert. Die Tage vor der Fastenzeit heißen hier "Laskiainen" und es ist sehr schön ruhig. Die traditionellen Aktivitäten sind Schlittenfahren ("laskea mäki" bedeutet einen Berg runterfahren -- "laskea" heißt aber auch rechnen und verringern.... finnisch ist eine interessante Sprache) und "Laskiaispulla"-Essen. Mangels Bergen beschränkten wir uns aufs letztere:Für Laskiaispulla wird Pulla (siehe hier) aufgeschnitten und mit Marmelade und Sahne gefüllt. (Man beachte auf dem Foto im Hintergrund die Packung mit fettfreier Milch ;-)
Außerdem ist heute auch Runebergtag (Runebergin päivä) zu dem es ebenfalls ein spezielles Gebäck gibt: Runebergtörtchen. Die hat hilfreicherweise meine Mitbewohnerin hergestellt un dich weiß nicht genau wie man die macht, aber sie schmecken ziemlich gut ;-) Hier ein Rezept ohne Gewähr.
Runeberg hat übrigens die Finnische Nationalhymne geschrieben und war Dichter und Professor und hat die finnische Sprache gefördert.
Ansonsten bleibt nur noch zu sagen, dass in diesem Jahr alle möglichen Feiertage aufeinanderfallen: Laskiaistiistai und Runeberginpäivä sowie 1.Mai (Tag der Arbeit) und Himmelfahrt.

Und Aschermittwoch ist alles vorbei...