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Mittwoch, 18. November 2009

Hausmitteilung

Ich vernachlässige mein Blog mal wieder sträflich. Ich hätte einige schlechte Ausreden anzubieten: Arbeit, zu dunkel und wirklich nerviges Wetter, nichts zu schreiben (das stimmt noch nichtmal, aber mir fällt meistens was ein, wenn ich weit weg vom Computer bin und dann vergesse ich es sobald ich in die Nähe eines selbigen komme).

Aber auch eine gute: Wir haben ein Haus gekauft! Bei uns gleich um die Ecke mit viel Platz und Garage für alle möglichen Hobbies und natürlich Sauna und Kamin. So sah es aus, als es noch nicht ständig dunkel war:


Sehr aufregend und ab und zu immer noch etwas beängstigend, ich hab schliesslich noch nie sowas Riesiges besessen -- noch nicht mal halb ;-)

Aber man muss sich ja den Gepflogenheiten des Gastlandes anpassen -- die Finnen haben einen echten Hausfimmel. Es fällt mir erst jetzt, wo ich mich ein bischen fürs Renovieren und Einrichten interessiere, auf, wieviele Fernsehsendungen es dazu gibt. Finnische Eigenproduktionen und dann auch noch Sachen aus Amerika. Bei der Arbeit gibt es Leute, die schon ihr zweites Haus bauen; und Wohnungen zu mieten ist ziemlich unüblich, zumindest in Oulu.

In drei Wochen ziehen wir um, bis dahin muss noch alles mögliche gestrichen werden und wir brauchen noch nen neuen Boden. Also, bis irgendwann mal ;-)

Freitag, 21. August 2009

Weltmeisterschaften oder: Die spinnen, die Finnen [55]

Am Wochenende gehts weiter mit dem Wanderbericht, aber heute gibts nur einen Veranstaltungshinweis:

Nicht nur in Berlin sondern natürlich auch in der Weltstadt Oulu finden derzeit Weltmeisterschaften statt. Typisch Finnisch natürlich in einer etwas interessanteren Disziplin als Leichtathletik.
Ich werde mich also gleich auf den Weg zum Marktplatz machen, denn da findet heute das Finale der Luftgitarrenweltmeisterschaft statt. Schon seit Tagen treiben sich Luftgitarristen aus aller Welt in Oulu herum und versuchen ihre verlorenen Luftgitarre auf Aushängen wiederzufinden und ähnliches. Der Veranstalter betont, dass die Veranstaltung sehr fair ist, weil jeder die gleiche Luftgitarre benutzt. Ûber die Meisterschaft wird natürlich international berichtet.

Ausserdem tritt auch eine meiner Lieblingsbands auf: Die Don Johnson Bigband. Schwer zu beschreiben, was für Musik die machen, aber auf jeden Fall sehr sehenswert. Die Videos und CDs geben die Musik irgendwie nicht so besonders gut wieder, aber live hat diese Band eine unheimliche Energie und ausserdem einen sehr guten Saxophonisten und mehrere Schlagzeuger und Percussionisten.

Freitag, 24. Oktober 2008

In Finnland gibt es keine Schweinehunde

Zumindest in meiner Arbeitsgruppe gibt es ein paar deutsche Worte, die jeder kann: Dazu gehören zum Beispiel "Donnerwetter", "Achtung", "ich bin nur über meine Waffe gestolpert" (oder so) und "Schweinhund". Das liegt an übermässigem Konsum der englischen Comicserie Commando, auf Finnisch "Korkeajännitys" (Hochspannung). Diese Comics spielen im zweiten Weltkrieg und verherrlichen das ganze ziemlich.
Anyway, deswegen wurde ich schon häufiger gefragt, wie man sich einen "Schweinhund" denn vorzustellen habe und was für seltsame Tiere es in Deutschland noch so gebe ;-)

Auch völlig unbekannt ist das Konzept des inneren Schweinehundes, der einen von anstrengenden oder unangenehmen Taten abhält. Stattdessen gibt es Sisu, das einen befähigt selbiges zu tun. Als ich zum Beispiel von meiner Wandertour nach Norden erzählte, die vor der Reise noch sehr abenteuerlich erschien, sagte Kaarinas Vater: "Du schaffst das schon, du hast genug Sisu".

Sisu lässte die Finnen ausserdem bei -30 Grad Skifahren.

Mittwoch, 2. April 2008

Die Sprache der Eingeborenen [2]

Die Finnen haben eine andere Einstellung zu ihrer Sprache als die Deutschen: Sie erwarten nicht, dass Ausländer sie sprechen können, bieten aber ne Menge Möglichkeiten an, sie zu lernen. Ich glaube, das ist in Deutschland umgekehrt...
In der Tat ist Finnisch nicht besonders verwandt mit den Mitteleuropäischen Sprachen, sondern mit Ungarisch und Estnisch -- für Mitteleuropäer sind viele Wörter und die Grammatik etwas ungewöhnlich. Innerhalb Nokias soll es angeblich als "zusätzliche Sicherungsmaßnahme" angesehen werden, dass ein Großteil des Emailverkehrs in Finnisch abläuft -- also für die meisten Erdenbürger unverständlich (und natürlich auch keinesfalls dechiffrierbar) ist.
Nachdem ich inzwischen einigermaßen Finnisch verstehe, reagieren manche Leute darauf folgendermaßen (halb im Spaß, aber vollkommen erstaunt): "Was, du kannst mich verstehen, wenn ich Finnisch rede? Dann muss ich ja jetzt aufpassen, was ich sage..." ;-)
Als ich gerade nach Finnland gekommen war, sagte ein Kollege vollen Ernstes: "Ich würde nur dann anfangen Finnisch zu lernen, wenn ich plante, sehr lange oder sogar für immer in Finnland zu bleiben."

Ich weiß diese Haltung noch nicht zu interpretieren -- warum ist das so?

Montag, 11. Februar 2008

Was ich an meinen finnischen Kollegen wirklich schätze ist, dass man sich Zeit lässt und ehrlich sagt, wenn man etwas nicht verstanden hat.
Wenn ich zum Beispiel mit irgendwelchen wirren Ideen für meine Filterarchitektur komme, kann es sein, dass mein Betreuer nach einer Präsentation und ausführlichem Erklären der Materie sagt:
"Könnte gut sein. Oder auch nicht. Da muss ich nochmal mehr drüber nachdenken."
Das finde ich gut, ich habe in Deutschland genug Betreuer (nein, nicht Stefan) erlebt, die auf jeden Fall was sagen mussten, damit man sie für kompetent hält.

Normalerweise gibt es dann später eine ausführliche Rückmeldung. Es sei denn, der Betreuer ist gerade Line-Manager in Espoo geworden...

Samstag, 27. Oktober 2007

Die spinnen, die Finnen [28]

Gestern in der Kaffeepause: Raino, unser Sportexperte fragt:
Na, hast du schon Skating Skier gekauft?
(Für die Unwissenden: Es gibt zwei Arten, Langlaufski zu fahren, traditionell oder skaten -- und ich hab nur traditionelle Skier aber skaten ist viel schneller und einfacher)
Ich: Naja, ich hab mich schonmal umgeschaut, aber es ist ja noch ein bischen Zeit bis man Skifahren kann...
(draussen 7 Grad oder so und ausnahmsweise mal kein Nieselregen)
R: Schnee kann schneller kommen als man denkt -- letztes Jahr um diese Zeit hat es auch plötzlich 15 cm geschneit.
Ich habe meine Skisaison übrigens schon letzte Woche angefangen. In Vuokatti.

Finnen müssen nämlich dringend im Oktober Skifahren und deshalb haben die Menschen in Vuokatti ein bischen Schnee von letztem Winter aufbewahrt und damit jetzt eine Loipe gebaut. Die ist einen (1) Kilometer lang. Man fährt also ca 250 km von Oulu nach Vuokatti um dort eine 1 km lange Piste zu befahren. Und damit es sich lohnt macht man das dann zwei Stunden lang. Lustig ;-)

Dienstag, 23. Oktober 2007

Ein bischen zu viel finnische Kultur

...erlebte ich Freitag Nacht.
Kaarina und ich hatten Karten für ein Konzert der Band 69 Eyes (finnischer Rock in Englisch). Das Konzert begann um 23 Uhr und so blieb reichlich Zeit, vorzuglühen. Kaarina hatte einen "recreation evening" mit ihrer Projektgruppe von der Arbeit und nachdem diese in einem Restaurant gegessen (und getrunken) hatten, ging es in den "Klub", der einer der am Projekt beteiligten Firmen gehört. Kaarina rief mich an und lud mich ein auch zu kommen. Also radelte ich durch die sternklare (kalte) Nacht und stellte mein Rad vor dem "Klub" ab. Ich drehte mich um und wurde zur Begrüßung gedrückt... von wem eigentlich? Nach einigen Sekunden des Ûberlegens wusste ich wieder wen ich vor mir hatte: Jussi. Den hatte ich schon mal beim Mittagessen gesehen und später auch nach Eingangsdaten für meine Filterstruktur gefragt. Ich kenne ihn also nach finnischen Maβstäben überhaupt nicht. Wem das nicht weiter seltsam vorkommt, sollte beachten, dass sich diese Situation in Finnland abspielt. Sein Begleiter war Tomi, mit dem ich vor dem Sommer mal zusammen gearbeitet hatte (was nicht bedeutet, dass er mich bei der Arbeit auf dem Flur grüßt...), der hier aber recht aufgeräumt wirkte und noch reden konnte.
Mir wurde ein halbes Bier angeboten und wärend die beiden rauchten, dufte ich mich über die Band Kraftwerk unterhalten, schließlich komme ich aus Deutschland ;-). Ich weiß leider so gut wie nichts von dieser Band, was Jussi aber nicht davon abhielt, es im Verlauf des Abends noch mehrmals anzusprechen.
Der "Klub" war eine Einzimmer-Wohnung, die sich hauptsächlich durch ihren mit Bier gefüllten Kühlschrank auszeichnete. Ich traf einen Haufen recht bis sehr betrunkener Arbeitskollegen an. Innerhalb von 40 Minuten schaffte ich es, drei Bier zu trinken und 7 abzulehnen ;-).

Das Konzert der "69 Eyes", Vertreter des Finnischen Rocks auf Englisch, war unterhaltsam und eingängig -- Mainstream auf Finnisch ist besser auszuhalten als Mainstream auf Deutsch.
Nachher: Die anderen suchen, den müde waren wir nach dem Konzert nicht gerade. Also: Anrufen, und schon der dritte Anruf war erfolgreich, nachdem es bei 1 und 2 etwas schwierig war, zu verstehen um was es ging, teilweise wussten die Leute auch nicht so genau wo sie gelandet waren oder konnten es nicht mehr in finnischer Sprache ausdrücken.
Wir fanden sie also in einer Ouluer Kneipe, die mir bisher unbekannt war und in der man draussen sitzen kann -- mit Heizstrahlern bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kein Problem. Sehr nett eigentlich, bis darauf, dass unsere Mitstreiter in den Stunden unserer Abwesenheit noch ein bischen was getrunken hatten. Nachdem es mir gelungen war, aus einem Gespräch über "Kraftwerk" zu entfliehen, versuchte sich jemand, der nicht mehr geradeauslaufen oder -sprechen konnte, sich hinzusetzen. Das klappte dann sogar nach einigen Versuchen. Ich musste dann leider dringend nach Hause...

Dieser Bericht erfüllt natürlich mal wieder jegliche Klischees, aber es war so. Wie können sich erwachsene Menschen um die 40 in der Öffentlichkeit mit ihren Arbeitskollegen so abschießen? Der Umgang mit Alkohol ist wirklich ein anderer als in Deutschland, was sich auch in der Getränkeauswahl ausmacht. Einen mindestens gleich hohen Marktanteil wie Bier hat "Cider", beliebt (und verhältnismäßig billig) auch in Geschmacksrichtungen wie "Vanille", "Erdbeere" oder "Birne" -- mit anderen Worten: Geschmacksrichtung "abartig süß/ungenießbar/Gesagetränk". Die Zielgruppe hierfür sind nicht nur Teenager sondern auch Altersgruppen darüber und nicht nur Frauen. Aber: Die Finnen betrinken sich natürlich nicht ständig besinnungslos, noch nichtmal jedes Mal, wenn sie Alkohol haben... aber einige Finnen bestätigten mir, dass es für sie schwierig ist "mittelviel" zu trinken. Es geht entweder ein Bier oder viele.
Hinzu kommt vielleicht auch, dass diese Ausrutscher in Finnland belächelt und mehr oder weniger akzeptiert werden. Während man in Deutschland ein Held ist, wenn man viel trinkt und man einem die Betrunkenheit nicht anmerkt, ist man in Finnland ein Held, wenn man viel trinkt und sehr betrunken ist.
Warum das so ist, konnte mir bisher niemand erklären. Harri (Freund und Arbeitskollege, der seit einigen Jahren überhaupt keinen Alkohol mehr trinkt) meinte, die finnische Trinkmentalität wäre wie die osteuropäische. Aber das ist auch keine Erklärung. Immerhin sind die Finnen dann nicht mehr schüchtern ;-).

Montag, 8. Oktober 2007

Verlegenheit

Es häuft sich gerade so, deshalb möchte ich hier ein finnisches gesellschaftliches Phänomen beschreiben, aber mit dieser Stichprobengrösse kann ich keine Aussage über die Signifikanz dieser Beobachtung machen. Das könnte mir (theoretisch) in jedem anderen Land auch passiert sein.
Aber trotzdem:
Das ist doch nicht normal...
Es gibt eine Gattung Menschen, männlich so zwischen 20 und 35, die es nicht wagt, ein Wort mit mir zu wechseln oder der es zumindest äusserst schwer fällt, wenn sie dazu (z.B. bei der Arbeit) gezwungen wird.
Das kann dann so aussehen:
Kaarina und ich gehen unserer erst neulich aufgekommenen Tradition des Formel 1-Sehens (dabei tut man folgendes: Kaffeetrinken, sich unterhalten, finnische Computerzeitschriften lesen und auch sonst den Fernseher mit Missachtung strafen) nach -- bei unserem Nachbarn. Dabei treffen wir kurz nach dem Eintreffen auf eine uns bisher unbekannte Person. Ich sage also: "Hi, I'm Imke", er schaut einen winzigen Augenblick und ist dann mit dem Aufhängen seiner Jacke beschäftigt. Auch danach, kein Wort. Kaarina hilft dann mit dem Anfang des Satzes: "Nice to meet you, my name is ..." und sieht ihn fragend an -- keine Reaktion. In den darauf folgenden zweieinhalb Stunden komme ich mir wie Luft vor. Und nachher sagt unserer Gastgeber: "Maybe, he's a little bit shy..."
Zweites Bespiel:
Der derzeitige Freund meiner Mitbewohnerin, den ich häufiger in (unserer!) Wohnung antreffe, schafft es inzwischen, nach einiger Ûbung, "Hei" zu sagen und wenn er dazu explizit gezwungen wird auch mal nen halben Satz. Erklärung natürlich: "Sorry, he's a little bit shy. And he is so unsure about his english".
Drittes Beispiel:
Ich brauchte bei der Arbeit Informationen über ein Projekt von einem bisher unbekannten Mitarbeiter. Also hingelaufen und gefragt. Erstmal Stille, dann vooorsichtig drei Wörter gesagt. Seine Körpersprache verriet eine seltsame Mischung aus Unbehaglichkeit und der Bemühung, meine Fragen ausführlich zu beantworten. "He seems to be a little bit shy", dachte ich mir, aber das war wohl in diesem Fall nicht ganz richtig; ein Finne erklärte : "Well, he's a mathematician." Na gut, dann ist ja alles klar.
Letzteres hätte mir wohl auch in Aachen passieren können, aber dass jemand überhaupt kein Wort mit mir wechselt -- das ist dann schon etwas sehr seltsam. Und nicht sehr erwachsen... man kann doch in dem Alter nicht soo verlegen sein, oder?
Interessant ist auch, dass dieses Verhalten in Finnland einfach akzeptiert wird. Sicherlich fällt es auch in Deutschland einigen Leuten schwer, fremden Personen gegenüberzutreten, aber zumindest den Namen sagen, das wäre doch drin, oder?

Montag, 16. Juli 2007

Finnischer Urlaub

Mal wieder eine Kaffeepausendiskussion:

H.: Hmm... das Wetter war ja nicht so toll am Wochenende. (Da es keinen Smalltalk in Finnland gibt, besonders nicht von H. weiss man, dass jetzt etwas kommt...) Aber ich war sowieso eigentlich das ganze Wochenende mit Kochen beschäftigt.
Ich (pflichtschuldigst): Aus welch seltsamem Grund kochtest du denn so lange? (Das Gespräch fand naturgemäss in Englisch statt, was mir erlaubt, seltsame Worte bei der Ûbersetzung zu verwenden.)
H.: Ich habe ein paar Vorbereitungen für meinen Urlaub getroffen. Also so 5 kg Rindfleisch, 2 kg Truthahn, 5 kg Fisch (usw. usf., grosse Mengen verschiedenen Fleisches) getrocknet und da muss man zumindest jede Stunde mal nachschauen.

Daraufhin entspann sich ein Gespräch zwischen zwei Finnen und mir über H.s Urlaub, der darin besteht zweimal zehn Tage mutterseelenallein durch Finnlands Norden zu wandern und dabei wenn möglich keinerlei Menschen zu treffen. Was natürlich auch ausschliesst, zwischendurch einzukaufen. Das wär nix für mich, mit 30 Kilogramm auf dem Rücken durch die Tundra, ohne Wege, ohne Handynetz, pro Stunde so ca. zwei Kilometer vorwärtskommen...

Interessant war an diesem Gespräch nicht nur, dass Leute so Urlaub machen, sondern auch, dass sich niemand besonders darüber wundert. Der andere Finne am Tisch fragte nur, ob es nicht möglich wäre, zwischendurch Fische zu fangen anstatt das gesamte Essen mitzuschleppen. Und die nächste Frage war dann, ob H. solche Wanderungen auch schonmal im Winter gemacht habe. Woraufhin es darum ging, wie gross das Risiko im Winter in einen Fluss zu fallen oder in einen Schneesturm zu geraten wäre und was man dann machen müsse. Die spinnen, die Finnen! (Irgendwann musste das mal in diesem Blog vorkommen.)