Endlich mal ein zeitnaher Bericht. Wie soll man auch bei solcher Helligkeit und am Wochenende schlafen... Es wird hier überhaupt nicht mehr dunkel. Daher also dieser, vermutlich recht planlose Bericht einer gelungenen Nacht:
Heute (gestern) fand die unglaubliche Veranstaltung "Nockrock" statt, wo ein paar der Nokia-Bands aus Oulu spielten. Ich musste natürlich mal spionieren gehen, weil ich ja jetzt doch mal plane in einer Band zu spielen. Zu mindest die drei Bands die wir gehört haben waren auch ziemlich gut, aber natürlich spielen alle mehr oder weniger Metall und haben ausschliesslich mittelalte männliche Mitglieder...
Dafür konnte ich schon auf dem Weg zur Veranstaltung finnische Alltagsfertigkeiten üben: Ich holte Kaarina ab und bekam ein Cider für den Weg. Inzwischen schaffe ich es tatsächlich, einen halben Liter Cider auf einer Fahrradfahrt von ca. 4 km auszutrinken -- also in Finnland lebensfähig ;-) So um Mitternacht liess ich mich davon überzeugen, dass es das Beste für mich sei, noch in einen Pub zu gehen, in dem eine Band Iron Maiden Songs spielte -- auch das ein Teil meiner finnischen Ûberlebensprüfung. Iron Maiden in einem Pub mit unverkleideten Backsteinwänden zu hören und sich dabei noch mit seinen Sitznachbarn unterhalten zu wollen ist ein Herausforderung, die ich teilweise gemeistert habe. Und das beste war eigentlich, auf dem Weg nach Hause wie wild durch den Ainolapark, über das Wehr beim Wasserkraftwerk, durch Tuira (das Ghetto von Oulu) und Välivainio wie wild zu strampeln (weil ich durch Scherben gefahren war und noch mit gefüllten Reifen nach Hause kommen wollte) -- die Stadt war voller Leben, es war hell und überhaupt war ich nicht besonders müde. Und dann kam ich auch noch am "Järvigrilli", unserem stadtteileigenem Fastfoodetablissement, vorbei, wo ich gemütlich den Abend ausklingen liess. Dieser Laden ist bekannt als der beste Grill von Oulu (er bekommt bestimmt auch noch mal einen eigenen Artikel). Deshalb gab es dort auch um 2 Uhr nachts eine mittellange Schlange, aber es ist ja Wochenende und überhaupt. Ansonsten ist mir noch folgendes aufgefallen: Beim Grill lungern genau wie in meiner alten Schule in Hamburg Möven herum, und keine Tauben (hier allerdings Lachmöven, während es in Hamburg eher so Seemöven waren) und die ersten finnischen Mücken versuchten mich in Zeitlupe anzugreifen. Aber behandschuht und bemützt (ja, es ist noch ein bischen kalt, aber zur Abwechselung gabs mal keinen Nachtfrost heute) konnte ich sie leicht abwehren. Schliesslich bekam ich meine Kärkkäri (kaikki mausteet, paketti) und radelte zufrieden nach Hause wo ich vor lauter Licht und Wochenende nicht so richtig einschlafen konnte und so diesen Blogeintrag verfasste. Tja, keine Pointe heute, aber dafür bin ich immerhin müder als vorher. Ich sollte wohl schlafen gehen, bevor die Sonne in ner halben Stunde versucht, auf mein Bett zu scheinen...
Samstag, 24. Mai 2008
Mal wieder ein bischen Nachtleben
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Imke
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Labels: Nachtleben, Sommer
Dienstag, 23. Oktober 2007
Ein bischen zu viel finnische Kultur
...erlebte ich Freitag Nacht.
Kaarina und ich hatten Karten für ein Konzert der Band 69 Eyes (finnischer Rock in Englisch). Das Konzert begann um 23 Uhr und so blieb reichlich Zeit, vorzuglühen. Kaarina hatte einen "recreation evening" mit ihrer Projektgruppe von der Arbeit und nachdem diese in einem Restaurant gegessen (und getrunken) hatten, ging es in den "Klub", der einer der am Projekt beteiligten Firmen gehört. Kaarina rief mich an und lud mich ein auch zu kommen. Also radelte ich durch die sternklare (kalte) Nacht und stellte mein Rad vor dem "Klub" ab. Ich drehte mich um und wurde zur Begrüßung gedrückt... von wem eigentlich? Nach einigen Sekunden des Ûberlegens wusste ich wieder wen ich vor mir hatte: Jussi. Den hatte ich schon mal beim Mittagessen gesehen und später auch nach Eingangsdaten für meine Filterstruktur gefragt. Ich kenne ihn also nach finnischen Maβstäben überhaupt nicht. Wem das nicht weiter seltsam vorkommt, sollte beachten, dass sich diese Situation in Finnland abspielt. Sein Begleiter war Tomi, mit dem ich vor dem Sommer mal zusammen gearbeitet hatte (was nicht bedeutet, dass er mich bei der Arbeit auf dem Flur grüßt...), der hier aber recht aufgeräumt wirkte und noch reden konnte.
Mir wurde ein halbes Bier angeboten und wärend die beiden rauchten, dufte ich mich über die Band Kraftwerk unterhalten, schließlich komme ich aus Deutschland ;-). Ich weiß leider so gut wie nichts von dieser Band, was Jussi aber nicht davon abhielt, es im Verlauf des Abends noch mehrmals anzusprechen.
Der "Klub" war eine Einzimmer-Wohnung, die sich hauptsächlich durch ihren mit Bier gefüllten Kühlschrank auszeichnete. Ich traf einen Haufen recht bis sehr betrunkener Arbeitskollegen an. Innerhalb von 40 Minuten schaffte ich es, drei Bier zu trinken und 7 abzulehnen ;-).
Das Konzert der "69 Eyes", Vertreter des Finnischen Rocks auf Englisch, war unterhaltsam und eingängig -- Mainstream auf Finnisch ist besser auszuhalten als Mainstream auf Deutsch.
Nachher: Die anderen suchen, den müde waren wir nach dem Konzert nicht gerade. Also: Anrufen, und schon der dritte Anruf war erfolgreich, nachdem es bei 1 und 2 etwas schwierig war, zu verstehen um was es ging, teilweise wussten die Leute auch nicht so genau wo sie gelandet waren oder konnten es nicht mehr in finnischer Sprache ausdrücken.
Wir fanden sie also in einer Ouluer Kneipe, die mir bisher unbekannt war und in der man draussen sitzen kann -- mit Heizstrahlern bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kein Problem. Sehr nett eigentlich, bis darauf, dass unsere Mitstreiter in den Stunden unserer Abwesenheit noch ein bischen was getrunken hatten. Nachdem es mir gelungen war, aus einem Gespräch über "Kraftwerk" zu entfliehen, versuchte sich jemand, der nicht mehr geradeauslaufen oder -sprechen konnte, sich hinzusetzen. Das klappte dann sogar nach einigen Versuchen. Ich musste dann leider dringend nach Hause...
Dieser Bericht erfüllt natürlich mal wieder jegliche Klischees, aber es war so. Wie können sich erwachsene Menschen um die 40 in der Öffentlichkeit mit ihren Arbeitskollegen so abschießen? Der Umgang mit Alkohol ist wirklich ein anderer als in Deutschland, was sich auch in der Getränkeauswahl ausmacht. Einen mindestens gleich hohen Marktanteil wie Bier hat "Cider", beliebt (und verhältnismäßig billig) auch in Geschmacksrichtungen wie "Vanille", "Erdbeere" oder "Birne" -- mit anderen Worten: Geschmacksrichtung "abartig süß/ungenießbar/Gesagetränk". Die Zielgruppe hierfür sind nicht nur Teenager sondern auch Altersgruppen darüber und nicht nur Frauen. Aber: Die Finnen betrinken sich natürlich nicht ständig besinnungslos, noch nichtmal jedes Mal, wenn sie Alkohol haben... aber einige Finnen bestätigten mir, dass es für sie schwierig ist "mittelviel" zu trinken. Es geht entweder ein Bier oder viele.
Hinzu kommt vielleicht auch, dass diese Ausrutscher in Finnland belächelt und mehr oder weniger akzeptiert werden. Während man in Deutschland ein Held ist, wenn man viel trinkt und man einem die Betrunkenheit nicht anmerkt, ist man in Finnland ein Held, wenn man viel trinkt und sehr betrunken ist.
Warum das so ist, konnte mir bisher niemand erklären. Harri (Freund und Arbeitskollege, der seit einigen Jahren überhaupt keinen Alkohol mehr trinkt) meinte, die finnische Trinkmentalität wäre wie die osteuropäische. Aber das ist auch keine Erklärung. Immerhin sind die Finnen dann nicht mehr schüchtern ;-).
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Imke
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Labels: Mentalität, Nachtleben
Sonntag, 11. März 2007
Finnische Wochenendbeschäftigungen, Teil 1
Ich habe das Wochenende damit zugebracht, finnische Wochenendbeschäftigungen auszuspionieren. Die erste lernte ich Freitag Nacht kennen. Ich schloss mich ein paar Leuten aus dem Wohnheim an, die weggehen wollten und landete in einem Ouluer Nachtklub (nachdem ich meinen Ausweis vorgezeigt hatte. Personalausweis heißt auf finnisch übrigens henkilötodistus.). Ich hatte schon die ganze Woche sowohl auf der Arbeit als auch auf unserem (von Erasmus-Studenten bevölkerten) Flur, interessante Geschichten über finnisches Nachtleben gehört, aber es war nochmal etwas anders, das ganze selbst zu erleben. Also:
Finnen können sehr betrunken werden -- und tun dies auch. Diese sonst sehr ruhigen Menschen sind dann zeitweise nicht mehr besonders ruhig, danach dann dafür um so mehr. Die passendste Bemerkung kam hierzu eigentlich von Dorota, einer Polin, die auf dem gleichen Flur wohnt wie ich: "I won't ever have a finnish boyfriend, which I have to carry home after going out!". Es ist tatsächlich so, dass die Menschen hier trinken, bis sie nicht mehr gehen können. Auch wenn sie mit ihrer Freundin unterwegs sind. Übrigens können auch finnische Frauen sehr betrunken sein... Es ist ja nicht so, dass das in Deutschland nie passieren würde, aber nicht in einer solchen Häufung. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht -- sehr schön war übrigens auch der Rückweg um halb 5 zu Fuß durch die gefrorene Stadt.
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Imke
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Labels: Nachtleben, Oulu, Wochenende