Mittwoch, 13. Februar 2008

Landwochenende

Ich mag finnische Freizeitbeschäftigungen. Glücklicherweise habe ich meine "Adoptiveltern" in Tornio (hauptamtlich die Eltern meiner Mitbewohnerin).

Am Samstag war ich mit Seppo (Vater) und Nappe (Lapplandhund) im eigenen Wald skifahren -- mal nicht auf den fast täglich präparierten "artificial tracks" sondern auf selbstgemachten Loipen. Abgesehen davon, dass neumodische Skistöcke auf solche Gegebenheiten nicht eingestellt sind, war es sehr schön. Seppo hatte wie immer viele Waldgeschichten zu erzählen und Nappe perfektionierte seine Technik im Vorlaufen und dann plötzlich in der Loipe Stehenbleiben. Ich habe drei Elchspuren und null Elche gesehen.
Und am Sonntag liess sich Nappe vor den "Potkuri" (potkukelkka, Tretschlitten) spannen und rannte so schnell er konnte. Auf dem Rückweg trotteten wir dann gemeinsam nach Hause.

Für nächsten Sommer hat Seppo bereits geplant, Kaarina und mir sämtliche verschiedenen Fischereitechniken beizubringen -- wobei mir diejenigen, wo das kleine Ruderboot und einer der mächtigsten Flüsse Nordeuropas (Torniofluss), der im Hintergarten fliesst, zusammen vorkommen noch nicht ganz geheuer sind.

Ach ja, das Hauptereignis war der 60. Geburtstag von Kaarinas Mutter. In ländlichen Gegenden in Finnland scheint es üblich zu sein, dass man Leute nicht so direkt einläd, sondern höchstens sagt, sie könnten ja dann mal vorbeikommen. Andererseits kommen auch Leute vorbei, wenn man garnicht einläd -- einfach so zum Geburtstag.
Deswegen wusste niemand genau, wie viele Leute kommen würden -- es wurde so zwischen 10 und 20 geschätzt. Den ganzen Samstag und auch schon am Freitag davor wurde gebacken und anderweitig vorbereitet. Später kamen mindestens 20 Leute -- und sehr lustig zu beobachten war: Die Geburtstagsgesellschaft teilte sich fast sofort nach Geschlechtern -- die Frauen im Wohnzimmer, die Männer im Nachbarraum. Als ich nachfragte, wurde mir gesagt, dass das immer so sei.

Ansonsten bleibt nur zu vermelden, dass ich aus Versehen meine Kamera zu Hause vergessen habe und dass wir noch sehr leckere Moltebeerensahnetorte zu Hause haben.

Montag, 11. Februar 2008

Was ich an meinen finnischen Kollegen wirklich schätze ist, dass man sich Zeit lässt und ehrlich sagt, wenn man etwas nicht verstanden hat.
Wenn ich zum Beispiel mit irgendwelchen wirren Ideen für meine Filterarchitektur komme, kann es sein, dass mein Betreuer nach einer Präsentation und ausführlichem Erklären der Materie sagt:
"Könnte gut sein. Oder auch nicht. Da muss ich nochmal mehr drüber nachdenken."
Das finde ich gut, ich habe in Deutschland genug Betreuer (nein, nicht Stefan) erlebt, die auf jeden Fall was sagen mussten, damit man sie für kompetent hält.

Normalerweise gibt es dann später eine ausführliche Rückmeldung. Es sei denn, der Betreuer ist gerade Line-Manager in Espoo geworden...

Donnerstag, 7. Februar 2008

Ausserfinnisches

Heute gehts nicht um Finnland, sondern ein völlig ausserfinnische Vision, die ich gerade gehabt habe -- alle die, die nicht in Aachen Technische Informatik oder Etechnik studiert haben, interessiert dies wohl nicht -- und selbst wenn...

Also:
Als ich mich heute morgen mit einem Buch in eine ruhige Ecke setzte um ein bischen Grundlagenforschung über Quantisierung sowie Fixed Point-Darstellung und -Rechnung zu betreiben, stieg schon nach einigen Minuten schmökerns eine Vision vor mir auf:
Ich befand mich in einem Hörsaal mit dem kryptischen Namen "Eph". Ein relativ kurz geratener Mann stürmt von der Seite des Saals auf die Bühne und mit einem "Morgen!" auf den Lippen, was diesen jedoch schon vor dem eigentlichen Hereinkommen entgleitet und so nicht an die Ohren des Durchschnittsstudenten, der sich halbschlafend in seinem Klappsitz versucht in eine bequeme Position zu bringen. Ca. 3,7 Sekunden nachdem der Herr am Overheadprojektor angekommen ist, geht der Vortrag unter dem Titel "Datentechnik und Digitalrechner" los. Worte wie "CORDIC", "Carry-Ripple-", "Carry-Lookahead-Addierer", "Booth Wallace-Multiplizierer", "Signed Digits" ebenso wie die legendäre Phrase "und dann rippelt es sich hier so durch" und gemeine Fragen wie "Welchen Weg nimmt denn das Carry-Bit hier?" -- Stille -- ...
Es war so wirklich, dass ich die (um 8 Uhr wesentlich zu laute) Stimme hörte, dass ich das etwas schummrige Licht und das dunkle Inventar vor Augen sah und mich zu erinnern meinte, dass diese Veranstaltung zu 90% an Regentagen zu nachtschlafender Zeit stattfand.
Die legendäre Hauptperson T.G. Noll wurde unterschiedlich ernst genommen -- die Relation zwischen Ernstnehmgrad und Tagen bis zur Prüfung war umgekehrt proportional. Und er schaffte es trotz beidseitiger Skepsis tatsächlich, mir die Grundlagen dieser Materie beizubringen.

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass irgend ein Teil dieser Vorlesung irgendwann mal in der Realität auftaucht, aber nachdem ich im Sommer schon den alten Cordic traf, schlägt mir jetzt das gesamte 2. Semester auf einmal ins Gesicht. Und erstaunlicherweise verstehe ich folgendes Buch: "Digital Signal Processing with FPGAs". Nur dass ich mich bei dem einen Kapitel nicht so gut konzentrieren kann, weil ich immer in diesen Hörsaal versetzt werde...

Hier also mein Aufruf an die heutige Generation Aachener Studenten: Glaubt Noll! So surreal es auch erscheinen mag, es gibt sie wirklich. Die Booth-Wallaces und Cordics und Carry-Lookahead-dreimalumdenApfelbaum-Addierer. Wobei, naja, das erste Semester DaDi braucht man bestimmt nie... :-P

Mittwoch, 6. Februar 2008

Kahvitauko ilman kahvia

Vorsicht, Teile dieses Artikels könnten als Angabe ausgelegt werden...

Kaffeepause ohne Kaffee -- das war meine erste Finnischstunde in diesem Jahr. Ich muss hier vielleicht mal erwähnen, dass ich zu den Leuten gehöre, die fürs Sprachelernen bezahlt werden :-P Zumindest sporadisch -- ich habe unregelmässig Sprachunterricht: In den letzten 10 Monaten (wow, zehn schon) 15 Stunden...
Und das ganze in Ermangelung an Schülern mit gleichem Sprachniveau in der gleichen Stadt als Einzel- bzw. Paarunterricht. In meinem letzten Kurs hatte ich eine sehr passende Mitstudentin und gute Lehrerin, so dass ich wirklich viel gelernt habe, vielleicht sogar mehr als alleine. Jetzt gibts aber wieder Einzelunterricht, und das nur, weil die zwei grossen in Oulu ansässigen Firmen keine gemeinsamen Sprachkurse zulassen (Was meiner Meinung nach ziemlich dumm ist, Paarunterricht kostet nämlich pro Person die Hälfte).

Naja, heute war es aber trotzdem schön, weil mir vor Augen geführt wurde, dass ich eineinhalb Stunden lang über unter anderem folgende Themen reden kann: Rentiere (sehr wichtig), Wahlen in Finnland, finnische Krankenschwestern, Theater in Finnland und Deutschland, Autos, Klimaveränderung, Indien, digitales Fernsehen, Kino, Russland, Sturmfluten.
Natürlich mit jämmerlicher Grammatik, aber anscheinend verständlich. Und am Ende haben wir uns tatsächlich so verquatscht, dass wir zu spät aufgehört haben ;-)
Vielleicht werde ich ja doch irgendwann mal in der Lage sein, fliessend Finnisch zu sprechen.

Dienstag, 5. Februar 2008

Karneval... oder so

So was wie Karneval wird hier in Finnland ja wenn überhaupt an "Vappu", dem 1.Mai gefeiert. Die Tage vor der Fastenzeit heißen hier "Laskiainen" und es ist sehr schön ruhig. Die traditionellen Aktivitäten sind Schlittenfahren ("laskea mäki" bedeutet einen Berg runterfahren -- "laskea" heißt aber auch rechnen und verringern.... finnisch ist eine interessante Sprache) und "Laskiaispulla"-Essen. Mangels Bergen beschränkten wir uns aufs letztere:Für Laskiaispulla wird Pulla (siehe hier) aufgeschnitten und mit Marmelade und Sahne gefüllt. (Man beachte auf dem Foto im Hintergrund die Packung mit fettfreier Milch ;-)
Außerdem ist heute auch Runebergtag (Runebergin päivä) zu dem es ebenfalls ein spezielles Gebäck gibt: Runebergtörtchen. Die hat hilfreicherweise meine Mitbewohnerin hergestellt un dich weiß nicht genau wie man die macht, aber sie schmecken ziemlich gut ;-) Hier ein Rezept ohne Gewähr.
Runeberg hat übrigens die Finnische Nationalhymne geschrieben und war Dichter und Professor und hat die finnische Sprache gefördert.
Ansonsten bleibt nur noch zu sagen, dass in diesem Jahr alle möglichen Feiertage aufeinanderfallen: Laskiaistiistai und Runeberginpäivä sowie 1.Mai (Tag der Arbeit) und Himmelfahrt.

Und Aschermittwoch ist alles vorbei...

Sonntag, 3. Februar 2008

Nordpol

"Willst du denn dein ganzes Leben am Nordpol verbringen?" fragte die Mutter entgeistert. "Ja," antwortete die Tochter und machte sich mit ihrem Rentierschlitten auf, um den ausgehandelten Vertrag mit den Eingeborenen mit Blut zu besiegeln. Fortan würde sie in Iglus zu leben und ausschliesslich Fisch sowie die Eier, die ihr Schneehuhn ab und zu legte, essen.

... oder so. Auf jeden Fall hab ich verlängert, "until further notice".

Freitag, 1. Februar 2008

Die spinnen, die Finnen [39,6]

Die Finnen müssen überall skifahren... sogar in 30m langen Strassenunterführungen. Der Schnee sieht auf dem Bild ein bischen besser aus als in echt...

Dokumentieren konnte ich dies, als ich auf Skiern nach Hause gefahren bin. Endlich geht das wieder -- wenn auch die Strecke am Kuivasjärvi entlang nicht soo toll ist (Nur falls das jemand wissen will...). Circa 15km weit ist es und führt fast ausschliesslich durch den Wald. Und im Gegensatz zum Fahrradweg keine Autos. Dafür dauert es auch ca 5 Mal so lange, inklusive Laufen am von der Arbeit zur Loipe und dann die 2 km von der Loipe nach Hause.

Und gerade schneit es wieder *freu*.

Ach ja, und die Stadt Oulu stellt eine Loipenkarte zur Verfügung, wo man auch sehen kann, wann die Strecken das letzte Mal präpariert wurden.