Obwohl ich mein Wandertagebuch aus dem Sommerurlaub immer noch nicht fertig abgetippt habe, ist hier schon länger Herbst. Nicht umsonst heisst September auf Finnisch "Herbstmonat". Die Bäume haben sich schon stark verfärbt, auch wenn bei Karen anderslautende Propaganda verbreitet wird. Dadurch, dass es noch so warm ist, scheint der "Indian Summer" dieses Jahr nicht so ausgeprägt zu sein, aber das kann ja noch werden.
Nach ein paar Wochenenden mit Sturm und Regen haben wir gestern sogar die Motorräder nach Kajaani gefahren und in ihren Winterschlaf versetzt.
Auf dem Rückweg mit dem Zug haben wir eine Menge Zugvögel gesehen, in einem Feld sogar
sehr grosse. "Guck mal, Gurken!", sagte ich zu Jyrki, was beweist, dass es im Finnischen zu viele ähnliche Wörter gibt und dass das Wort für Kranich nicht sehr fest in meinem finnischen Wortschatz verankert ist. Sehr majestätische Vögel; garnicht gurkenhaft spazieren sie über eine sumpfige Wiese, kurze Zeit später sehen wir noch ein paar fliegende.
Finnischer Herbst macht es einem ziemlich leicht, vom Sommer Abschied zu nehmen -- der hat schliesslich auch nur kurz vorbeigeschaut, man kennt ihn ja nur flüchtig (Galgenhumor auf eher niedrigem Niveau...).
Sonntag, 20. September 2009
Mal wieder Herbst
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Imke
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Labels: Herbst
Freitag, 11. September 2009
Käsivarsi, Tag 9
Tag 9 -- Durch die Wüste
Nach dem gestrigen Tag inklusive Nachtwanderung sind wir morgens ziemlich müde und
versuchen, die Sonne, die aufs Zelt scheint zu ignorieren; das klappt allerdings nicht besonders lange. Nachts scheine ich jedoch gut geschlafen zu haben. Mir wird berichtet, dass in der Nacht eine Rentierwanderung direkt an unserem Zelt stattgefunden habe, was recht laut gewesen sein muss, denn einige Rentiere tragen Glocken.
Heute wird mal wieder Weg gemacht -- geradeaus geht es nach Osten dem Ziel entgegen. Es ist wirklich warm -- wir schwitzen in der brennenden Sonne. Weit und breit kein Baum oder Strauch und kaum ein Windhauch. Gegen Mittag kommen wir an einer norwegischen Hütte vorbei. Das Thermometer zeigt 25 Grad im Schatten, nur schade dass es hier weit und breit keinen Schatten gibt.
An der Hütte vorbei fliesst ein Fluss recht steil in einem tiefen Canyon, allerdings kann er seine volle Wirkung nicht entfalten, weil er im Moment nicht viel Wasser führt. Aber dafür kommen wir mal wieder einfach über den Fluss. Hinter der Hütte führt ein Weg an einem Fjäll vorbei, aber irgendwie ist Harri sehr überzeugend, dass der beste Weg direkt über das Fjäll führt. Der Weg sei total steinig und andersrum ums Fjäll sei sehr weit. Na gut, dann halt mal kurz ein paar hundert Höhenmeter aufsteigen -- bei der Hitze ziemlich anstrengend. Oben machen wir eine längere Pause, gut, dass es in Lappland immer genug Trinkwasser gibt.
Wir sehen ein verrücktes Rentier, es rennt wild und so schnell es kann kreuz und quer durch die Tundra. Bei dem Wetter könnte es auch gut ein Zebra in der Savanne sein...
Irgendwann kommen wir an einen zweiten Canyon, wo es Felsen und deswegen sogar ein bischen Schatten und viele Spinnen gibt. Noch weiter im Osten treffen wir auf den Weg, eine Brücke und zwei Zelte. So langsam kommen wir wieder in zivilisationsnahes Gebiet. Wir haben heute mindestens zehn Leute gesehen. Auch wir haben geplant, an dem Fluss zu zelten, verziehen uns aber ein bischen flussaufwärts ausser Sichtweite.
Heute fällt der Abendspaziergang etwas kürzer aus als gestern, wir laufen einen Kilometer
zum nächsten kleinen Hügel, von dessen Gipfel wir unser Ziel Kilpisjärvi sehen können. Fotos
hab ich heute keine gemacht. Die Landschaft war auch heute schön und unter anderen Umständen durchaus beeindruckend, kann aber mit den vorangegangenen Tagen nicht ganz mithalten. Ausserdem bin ich heute hauptsächlich müde und nicht sehr aufnahmefähig.
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Imke
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22:46
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Dienstag, 8. September 2009
Käsivarsi 2009, Tag 8
3.8.2009 Gipfelsturm
Heute bauen wir unser Lager am Fluss ab und ziehen weiter nach Norden. Bei dem momentanen Wasserstand können wir sogar diesen bisher größten Fluss (vorher schon tagelang als große Wataktion von Harri angepriesen) durchqueren, ohne die Wanderstiefel ausziehen zu müssen. Allerdings fordert das einiges an Zickzack und vor- und zurücklaufen, so dass es vermutlich schneller gewesen wäre, einfach zu waten...
Nordwärts laufen wir bis auf eine Anhöhe. Ein Blick zurück zeigt, wie seltsam die Seiten der Berge hier manchmal "gewellt" sind. Hier lassen wir unsere Rucksäcke liegen um unseren ersten "richtigen" Gipfel zu erklimmen. Der Berg ist sorgfältig ausgesucht, damit sogar wir das schaffen ;-) Und tatsächlich kommen wir diesmal oben an. Der Weg führt zunächst über Geröll, Felsen und Schneefelder. Über weite Strecken sind die Schneefelder die einzige Möglichkeit einfach nach oben zu kommen, aber natürlich sind auch die Schneefelder an diesem Berg voller Rentiere. Nach einer philosophischen und verhaltensbiologischen Diskussion darüber, warum eine Herde Rentiere immer wegläuft und nicht z.B. ein Rudel Wölfe einfach überrennt, ein Gedanke der bei einigen hunderten behörnten Paarhufern schon naheliegt. Andersgesagt, sie sind durchaus in der Masse respekteinflößend.
Dennoch machen wir uns auf den Weg am Rande des Schneefelds. Und natürlich werden wir nicht überrannt, sondern zunächst mal wieder angestarrt. Dann plötzlich entscheidet sich die Herde, die Flucht anzutreten. Sehr eindrucksvoll eine Herde Rentiere auf dem Schnee nach unten galoppieren zu sehen -- allerdings finden sie uns nach ein paar Metern dann doch wieder nicht mehr so gefährlich und kommen hinter und wieder gemütlich nach oben getrabt.
Weiter oben gibt es dann eine kleine Kletterstelle, die wir aber bravourös meistern -- und dann haben wir tatsächlich den Gipfel gestürmt. Oben auf dem Berg gibt es ein Plateau auf dem auch Mal wieder ein Grenzstein steht. Als wir auf die andere Seite des Plateus gehen wollen, bewegt sich plötzlich etwas -- zwei Steinadler, gut getarnt zwischen den grauen Steinen, haben hier anscheinend ihr Nest. Wir haben auch auf dem Weg zum Berg schon Adler gesehen, die durch Tiefflug über den Schneefeldern Rentiere erschreckten. Ein beeindruckendes Bild.
Wir ziehen uns also wieder auf "unsere" Seite des Gipfels zurück und genießen den Ausblick über die Berge. In vielen Tälern gibt es Gletscher, manchmal sind die Täler fast vollständig davon ausgefüllt. Auf dem Bild oben schauen wir zurück auf den Pass zwischen Pältsän und Moskkugaisi wo wir vor ein paar Tagen hergekommen sind.
Hilfreicherweise hat Harri die Koordinaten unserer Wanderstöcke und Rucksäcke, die auf dem Weg zurückgelassen wurden gespeichert, denn in den Steinhaufen sind beide wirklich kaum zu entdecken. Weiter geht es nach Norden, und bald entdecken wir einen perfekten Zeltplatz, so dass wir beschließen, schon etwas eher als geplant das Zelt aufzubauen.
Wir beschließen, das Kochen auf später zu verschieben und einfach ein bischen Essen aus der Ration von Tag 11 zu klauen. Denn der Berg ruft schon wieder -- wir wollen noch wenigstens ein Stück zum Barras und das Meer sehen. Barras ist der Berg, der auf dem nächsten Bild aussieht wie eine Haifischflosse (das Bild ist allerdings zwei Tage später aufgenommen...).
Wie auf der Karte deutlich zu sehen, ist die Tour für einen Abendspaziergang recht ordentlich, wir gehen um 7 Uhr abends los und Harri schätzt, dass wir wohl so um Mitternacht zurück sein werden. Wir müssen erstmal ein Tal durchqueren, und es geht zum ersten Mal seit dem Beginn unserer Reise so tief runter, dass hier sogar richtige Bäume wachsen -- und natürlich auch genügend Gestrüpp, durch das man sich kämpfen muss. Die Baumgrenze liegt bei 500-600 Metern über NN. Der Bach im Tal hat sich einen richtigen Canyon in den Fels gegraben, glücklicherweise finden wir gleich einen Weg über ein paar Felsen. Auf der Nordseite des Canyons geht es dann steil hoch, aber mir macht das nichts, denn es gibt reife Blaubeeren! Das genügt mir als Motivation für ein paar Kilometer. Bisher haben wir nur grüne Blaubeeren und Krähenbeeren (die natürlich in Massen) gesehen. Es bleibt recht steil, aber dafür wandern wir jetzt über eine Wiese. Erst auf 1000 Metern Höhe verwandelt sie sich in eine Geröllwüste. Wir klettern auf einen Sattel am Berg und können endlich nach Norden sehen, allerdings nicht bis zum Meer. Ein beeindruckender Blick ist es trotzdem. Im Gegenlicht sieht man den Otertind, den berühmten Berg, von dem jedes Jahr ein paar Norweger herunterfallen. Anscheinend kann man den Berg ohne Equipment besteigen, aber der Weg herunter ist wohl nicht so ganz einfach.
Ein scharfer Wind treibt uns irgendwann wieder den Berg runter -- allerdings meint Harri, dass seine Knie den steilen Abstieg vielleicht übel nehmen würden und so gehen wir einen Umweg, auf dem es weniger steil ist. Auf dem Rückweg finden wir nicht so schnell einen Weg über den Canyon -- und als wir es schließlich geschafft haben, finden wir ein Hügellabyrinth vor, es geht ständig steil rauf und runter. Ein weiteres Mal sind wir froh über das GPS-Gerät, denn wir sehen das Zelt erst, als wir fast direkt davor stehen. Es ist ein Uhr und wir fangen an Abendessen zu kochen. Das war mit Abstand der längste Tag unserer Wanderung -- und der mit den meisten Höhenmetern.
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Imke
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20:02
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Dienstag, 1. September 2009
Käsivarsi 2009, Tag 7
2.8.2009 Eine Runde durchs Isdalen
Heute können wir unser Zelt stehenlassen und machen einfach einen Spaziergang ohne viel Gepäck ins nahegelegene Isdalen (Eistal). Gestern abend haben wir schon auf unserem Abendspaziergang einen Blick hinein geworfen und es sah ziemlich unspektakulär aus, aber man konnte auch nicht so richtig weit sehen. Wir nehmen natürlich nicht den offiziellen Pfad, sondern halten uns erst auf der westlichen Talseite.
Der Name des Tals ist passend gewählt: es gibt riesige Schneefelder im Tal und irgendwo weiter oben einen Gletscher. (Bild oben: Suchbild mit Mensch) Vegetation gibt es kaum, dafür um so mehr interessante Steine und Felsbrocken aller Größen bis hin zum Einfamilienhaus. Ein krasser Gegensatz zum grünen Hufeisental, was direkt daneben liegt.
Der Wegfindungsalgorithmus ist vormittags: Der Nase nach nach links und oben. -Das geht eine Weile gut und beschehrt uns einen schönen Ausblick über einen See, aber irgendwann stellen wir fest, dass wir wohl nicht den geschicktesten Weg gewählt haben, als wir eine Stelle mit riesigen Felsbrocken traversieren müssen, wo es weder rauf noch runter geht (bzw. sehr steil sowohl rauf als runter...), aber mit den Stöcken und manchmal auf allen Vieren geht es dann doch langsam. Dann stehen wir plötzlich vor dem Gletscher und dem vorgelagerten See in dem Eisblöcke treiben. Viele Steine hier bestehen hauptsächlich aus Glimmer und glitzern in der Sonne. Spätestens hier stellt man fest, dass das Isdalen doch recht spektakulär ist. Ich habe in diesem Szenario ein bischen Schwierigkeiten mit Abständen und Größen und schlage vor, auf einem einladend aussehenden Stein auf der anderen Seite des Sees Pause zu machen. Klar, sagt Harri. Als wir einige Zeit später vor dem fünf Meter hohen und zumindest für uns nicht zu erklimmenden Stein stehen, beschließen wir vielleicht doch irgendwohin zu gehen, wo nicht alles auf Nimmerwiedersehen zwischen die Felsbrocken fallen kann -- die nebenliegenden winzigen Steine sind nämlich auch ziemlich groß und die Spalte dazwischen tief...
Nach der Mittags- und Sockenlüftpause geht es weiter ums Tal -- erstmal müssen wir einen Weg vom Gletscher wieder nach unten finden. Felsbrocken mit einem Durchmesser von wesentlich größer als Beinlänge, locker aufgeschichtet, erweisen sich als recht hinderlich. Aber irgendwann finden wir mal wieder ein Schneefeld. Ab hier geht es deutlich schneller bergab, schliesslich kann ich inzwischen auch "Skifahren". Etwas respekteinflößend ist ein kleiner Bach, der auf unter einer Seite des Schneefelds fliesst. Wir bleiben so weit es geht auf der anderen Seite. Von unten sieht man sehr schön, dass man die Gletscheranhöhe wesentlich geschickter hätte verlassen können -- von oben sah es ganz anders aus.Wir durchqueren ein paar Bäche und machen dann an einem weiteren See Pause. Endlich finden wir auch Wasser, das nicht vom Gletscher gespeist wird. Gletscherwasser hat seltsame Sedimente, das möchte man nicht trinken. Weiter gehts über Steine, Schnee und Felsbrocken, erstaunlicherweise man manchmal auch über kleine Blumen, die zwischen den Steinen hervorlugen. Schließlich sehen wir den Nordkalottleden, der sich den Pass heraufschlängelt, und ein paar Wanderer, die sich ausruhen. Leider müssen wir um zum Weg zu gelangen, einen recht breiten Fluss queren -- und das auch noch mit Zuschauern... die Watschuhe sind praktischerweise im Zelt. Zuerst sieht es so aus, als sei es kaum möglich, trockenen Fußes das andere Ufer zu erreichen, aber schließlich entscheidet sich Harri für einen langen Sprung auf einen spitzen aus dem Wasser ragenden Stein und ich mich, das lieber nicht nachzumachen. Dafür habe ich die tolle Idee, an einem kleinen Wasserfall über viele kleine Steine zu klettern, was für etwas Adrenalin sorgt aber irgendwann auch gelingt. Auf der Ostseite des Tals gibt es tatsächlich Gras und die Füße sind froh, mal wieder etwas weicheren Untergrund zu spüren. Es ist Abend und wir wandern gemütlich zurück zum Zelt. Das Isdalen ist tatsächlich von Menschen bevölkert -- außer denen, die uns bei der Flussquerung beobachtet haben, sehen wir noch einen einzelnen Wanderer ;-) Trotzdem irgendwie sehr zivilisationshaft. Auch die Rentiere nutzen die grandiosen Schneefelder im Isdalen (ein paar Gruppen sind mal wieder in schwindelerregende Höhen geklettert, obwohl die Berge im Isdalen fast senkrecht ansteigen. Zu dieser Jahreszeit scheinen sie nur zum Essen mal ins Tal zu kommen.
Der kleine Spaziergang dauerte tatsächlich den ganzen Tag -- wir haben noch nichtmal mehr die Energie, nach dem Essen einen Abendspaziergang zu machen.
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Imke
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Freitag, 28. August 2009
Käsivarsi 2009, Tag 6
1.8.2009 Durchs Hufeisental
Heute morgen war von den tausenden Rentieren im Tal nichts mehr zu sehen. Ein einzelnes sah uns von weitem beim Frühstücken zu, und irgendwann fanden wir durch Zufall auch einige hundert mehr -- das nächste Bild ist mal wieder ein Suchbild mit Rentier. Verrückte Tiere. Und erstaunlich, dass die da mal kurz hochgehen und auf dem Schneefeld nicht einfach wieder abrutschen, sogar mit den Kitzen.
Plötzlich ziehen dunkle Wolken ins Tal und wir packen sehr zügig ein. Kurz vor dem Regen kommen wir los, es geht zum Pass nach Norden. Besonders bei so einem Regen merkt man warum der Berg am Anfang des Tals Juoksavatnjunni (ungefähr übersetzt wohl Berg des fliessenden Wassers) genannt wird -- wir überqueren ungefähr alle 20 Meter einen Bach, mal eher ein Rinnsal, mal ziemlich tief. Allerdings ist der Wasserstand insgesamt immer noch recht niedrig, so dass wir mit ein bischen Sportsgeist einen Weg mit den Stiefeln über die Steine finden. Manche Bäche werden hauptsächlich von Gletschern gespeist und führen so seltsam grau-undurchsichtiges Wasser und die Steine sind mit gleichfarbigem Schlamm überzogen. Etwas unpraktisch. Nachdem wir das Tal halb durchquert haben hört es halbwegs auf zu regnen. Wir finden noch mehr Schneefelder mit Rentieren. Ich finde heraus, dass die vierhundert Meter Höhenunterschied auf den Pass hinauf aus Torfhügeln mit Bächen und Sümpfen dazwischen besteht (Auf dem Bild sieht man den Maßstab leider nicht besonders gut...). Das ist nicht so extrem motivierend, ständig ein paar Meter steil rauf, dann wieder runter, durch den Sumpf, über den Bach, noch ein bischen mehr Sumpf und dann wieder von vorne. Immerhin wird es weiter oben hin steiniger. Und während ich so vormichhin schimpfe sind wir plötzlich auf dem Pass angekommen.
Im Norden sieht man Norwegen und sogar ein klitzekleines Stück Eismeer -- die Spitze des Lyngenfjords. Während ich mich ein bischen ausruhe, versucht Harri herauszufinden, ob wir vom Pass aus den Moskkugaisi besteigen können (oder wollen). Das ist der höchste Berg in der Region. Plötzlich sehe ich Harri auf dem Hosenboden und in seltsamer Position ein langes steiles Schneefeld heruntersausen. Während ich überlege, was ich mache, wenn er nicht wieder in meinem Blickfeld auftaucht sehe ich ihn wieder auf dem Weg nach unten und wenig später wird mir mitgeteilt, dass er nur mal wissen wollte, was passiert wenn man auf so einem Schneefeld ausrutscht. Aha.
Ich bin eher dafür, die kleine Spitze des Pältsän auf der anderen Seite des Passes zu besteigen und das machen wir dann auch. Dann müssen wir die über den Tag gesammelte potentielle Energie wieder umwandeln -- auf ungefähr einem Kilometer geht es so weit runter wie wir den ganzen Tag heraufgelaufen sind. Der ganze Nordhang ist mit Schmelzwasserrinsalen und Steinfeldern übersät -- aber hilfreicherweise finden wir einige lange Schneefelder über die wir schneller herunterkommen. Ich finde es nicht so vertrauenserweckend mit dem schweren Rucksack da runter zu müssen, aber eine kurze Kletterpartie über Steinfelder lässt mich schnell das geringere Übel wählen -- und nach einer Zeit bringt es auch tatsächlich Spaß Anfang August auf Schneefeldern skizufahren. Weiter unten wird es grüner, und wir finden sogar ein paar vielversprechende Stellen, aber kein Wasser mehr. Weiter unten finden wir Wasser, Mücken und Sümpfe -- und irgendwann eine kleine Anhöhe. Wir sind ziemlich nah am "Nordkalottleden", einem Fernwanderweg, gelandet und Harri fängt schon an, paranoid nach Menschen Ausschau zu halten. Heute haben wir auf dem Weg im Hufeisental schon zwei von weitem auf der anderen Seite des Tals gesehen. Aber an diesem Abend verirrt sich keiner mehr in unsere Nähe. Wir haben das Zelt übrigens an einem breiten Fluss mit eiskaltem klaren Wasser aufgestellt, der wunderbar entspannend rauscht. Während ich in den ersten Tagen bei jedem Geräusch aufgewacht bin, schlafe ich inzwischen im Zelt tief und fest, allerdings wird mir berichtet, dass ich im Schlaf rede. Und zwar laut und deutlich in Englisch, so dass ich morgens zu hören bekomme, was ich letzte Nacht wieder Seltsames gesagt habe...
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Imke
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Dienstag, 25. August 2009
Käsivarsi 2009, Tag 5
31.7.2009 In die Berge
Heute ist Marschtag, also nicht "nur am dem Fjäll in der Sonne sitzen" wie Harri schon am Vortag angekündigt hatte (und wir es bei passendem Wetter tatsächlich ausgiebig praktiziert haben). Erstmal stehe ich jedoch alleine früh auf, genieße den Morgen auf unserer Traumzeltwiese und kann mich sogar mal richtig waschen -- Südwind (warm und weht Mücken weg) und Sonne sei Dank. Die Bäche im Tal sind glasklar und nur mittelkalt.
Dann geht es durch recht flaches Hügelland Richtung Norden. Wir machen heute mal Mittagspause in Norwegen, dort überqueren wir einen Wasserfall und kehren nach hundert Metern nach Schweden zurück. Harri glaubt, einen Bären mit zwei Jungen am nächsten Fjäll gesehen zu haben, ich bin natürlich zu langsam um dieses Schauspiel mitzubekommen. Allerdings nach einiger Rekonstruktion einigen wir uns darauf, dass es vielleicht auch ein Rentierfarmer mit zwei Lapplandhunden gewesen sein könnte. Wenig später finden wir einen Geländeweg und sehen eine "Renvaktarstugan". Naja, ein bischen aufregend war es immerhin für zehn Minuten oder so.
Nach der Mittagspause geht es den Rest des Tages hauptsächlich aufwärts -- in die "richtigen Berge". Wir wollen am Eingang des Hufeisentals (keine Ahnung wie das wirklich heißt, aber es ist auf der Karte gut an seiner Form zu erkennen) zwischen Juoksavatnjunni und Pältsän zelten. Zunächst wollen wir jedoch den Juoksavatnjunni besteigen. Die Fjälllandschaft die wir hinter uns lassen wird immer kleiner, die Berge vor uns immer größer. Wir treffen mal wieder ein paar hundert Rentiere auf Schneefeldern und lassen unsere Rucksäcke schließlich auf ca. 1000 m über NN liegen und machen uns an die Bergbesteigung. Es stellt sich heraus, dass diese Bergseite aus losen hand- bis tischplattengroßen flachen Steinen besteht und nach oben hin immer steiler wird. Schöne Steine wieder mal -- ganz viele verschiedenen Steine sind wohl aus verschiedenen Schichten des Berges irgendwann auf einen Haufen abgerutscht. Es läuft sich eigentlich ganz gut, solange man nicht daran denkt, was passiert wenn man abrutscht oder nach unten schaut, aber irgendwann wird es uns zu steil -- wir beide scheinen ungefähr gleich angsthasig veranlagt zu sein. Also noch ein wenig den Ausblick von 200m unterhalb des Gipfels des Berges mit dem schönen Namen genossen und uns dann wieder an den Abstieg gemacht. Im Nachhinein war der Rückzug sehr klug, denn fünf Minuten nachdem wir unsere Rucksäcke wiederhatten, fing es an zu regnen. Ergiebiger Landregen würde meine Mutter dazu sagen. Nasse flache Steine auf einem steilen Abstieg wären wohl nicht so praktisch gewesen. Auf den Fotos sah der Aufstieg natürlich nicht im mindesten steil aus (und die Fotos sind überdies ziemlich schlecht und deshalb größtenteils aussortiert.
Wir wandern also ins Hufeisental auf der Suche nach einem Zeltplatz. Schließlich werden wir auf einem Torfhügel an einem kleinen Bach fündig. Der Regen hat ein bischen nachgelassen und zehn Sekunden vor dem nächsten Platzregen haben wir das Zelt aufgebaut und die Rucksäcke verstaut. Auf dem folgenden Bild sieht man übrigens den Juoksavatnjunni.
Nach einer halben Stunde hat der Regen aufgehört und wir bauen unsere Kochgerätschaften auf. Eine Rentierherde kommt ins Tal und läuft gelassen an uns vorbei. Rentierherden können anscheinend ziemlich groß sein, der Zug dauert fast eine Stunde. Vorsichtige Schätzungen belaufen sich auf einige tausend Tiere -- das Tal ist ziemlich breit. Wir essen also gemütlich und schauen Rentiere an. Und die Rentiere uns. Fast scheint es als kämen Rentiertouristengruppen vorbei um Menschen mit Zelt zu sehen. Sie gehen in ca. 50 m Abstand vorbei und jedes bleibt ein paar Sekunden stehen um sich die merkwürdigen Gestalten genau anzusehen. Vielleicht dreißig Tiere entscheiden sich, die Nacht bei unserem Zelt zu verbringen, netterweise bachabwärts.
Große Rentierherden sind übrigens durchaus laut, andauernd versuchen einige Tiere, die anderen mit Grunzen irgendwohin zu treiben und die Kälber rufen nach ihren Müttern. Kleinere Herden sind sich anscheinend auch so einig wohin sie gehen wollen, da ist kaum ein Ton zu hören.
Wir machen noch einen Spaziergang durchs Tal zu einem höhergelegenen Gletschersee und ein paar Flüssen, die durch dicke Schneefelder fließen. Ich finde Schneefelder Ende Juli immer noch erstaunlich, besonders wenn man sie auf unter 1000 Metern Höhe findet. Diese sind um einiges größer als die, die wir bisher gesehen haben, und strahlen meterweit Kälte aus. Man kann auch gut sehen, warum man keine von Flüssen unterspülten Schneefelder überqueren sollte. Schliesslich kürzen wir auf dem Rückweg ein bischen über ein Schneefeld ab. Harri ist richtig schnell, er kann mit seinen Wanderstiefeln auf dem festen Schnee skifahren -- ich komme ebenfalls schnell, allerdings ungewollt recht unelegant auf dem Hosenboden hinterher.
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Imke
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Montag, 24. August 2009
Käsivarsi 2009, Tag 4
30.7. Weiter nach Norden
Unser Tagesrhythmus verschiebt sich nach hinten -- gestern sind wir um 3 Uhr eingeschlafen und um 1 Uhr nachmittags aufgestanden...
Dafür wird es im Laufe des Tages schön sonnig und man kann gut über die Fjällwiesen laufen. Erstaunlich viele Wiesen mit allen möglichen Blumen, obwohl wir uns wie immer weit über der Baumgrenze befinden. Bei der üblichen morgendlichen Fjällbesteigung und Wegplanung beschließen wir über ein interessant aussehendes Fjäll zu laufen, das aus drei Gipfeln mit einem See dazwischen besteht. Den See sehen wir erst als wir direkt davor stehen, aber von unten sieht man Schneefelder, die recht seltsam geformt sind und stellenweise eine rotbräunliche Färbung aufweisen (das kann man auf dem Bild sogar sehen).
Ein wenig später auf dem Weg zum Fjäll hat sich die Form der Schneefelder verändert, schliesslich kommen wir darauf, dass diese Felder belebt sind, eine Rentierherde hat sich darauf breitgemacht. Wir machen Pause im Tal und hören schon herrisches Rentiergrunzen, ein paar Anführerrentiere scheinen es wichtig zu finden, dass die Herde von einem zum anderen Schneefeld wechselt -- und dann wieder zurück. Wir tanken Wasser am Bach, der durchs Tal fließt. Ich trinke einen Schluck und spucke ihn lieber wieder aus -- es schmeckt irgendwie seltsam. Wir beschließen, lieber woanders nach Wasser zu suchen und gehen ein Stück talaufwärts, wobei wir auch auf ein völlig trübes Rinnsal treffen, das direkt vom bräunlichen Schneefeld kommt. In Zukunft achten wir wesentlich genauer darauf, woher wir unser Wasser holen.
Ein paar Höhenmeter weiter verwandelt sich die Wiese spontan in ein Geröllfeld. Wir müssen an der Rentierherde vorbei. Die Anführerrentiere treiben die Herde zusammen, als wir näherkommen. Die ganze Herde läuft zusammen in einem ziemlich engen Knäul auf dem Schneefeld. Ich hoffe, dass nicht gleich die Panik ausbricht und sich die Tiere bei der Flucht durchs Geröll die Beine brechen, aber so gefährlich wirken wir wohl doch nicht. Die Anführer beschliessen bloß, irgendwann vom Schneefeld ein Stück bergaufwärts zu traben, die halbe Herde kommt mit, die anderen bleiben doch lieber auf dem Schneefeld. Schließlich finden die Anführer es doch besser auf dem Schneefeld und auch der Rest kommt wieder -- alles während wir langsam am Schneefeld vorbeilaufen.Wir machen am See auf dem Fjäll Mittagspause und haben einen exklusiven Blick auf das Bergmassiv, was wir morgen erreichen werden. Bald nach dem Abstieg vom Fjäll treffen wir auf ein Tal, das von Bächen durchzogen ist. Zu allen Seiten sieht man Flussbetten, die während der Schneeschmelze enorme Wassermassen transportieren müssen. Jetzt sind die meisten Zuflüsse jedoch trocken und man kann einfach über die Bäche im Tal rüberspringen oder an einer seichten Stelle mit Stiefeln durchlaufen. Wir finden eine große ebene Wiese und beschließen diesen idealen Zeltplatz zu nutzen, obwohl wir eigentlich noch ein bischen weiterwollten. Aber bei diesem Wetter kann man seine Zeit auch gut mit auf der Wiese in der Sonne liegen verbringen.
Die Fauna im Tal besteht hauptsächlich aus ein paar Fischen, die sich ebenfalls sonnen, und "Alarmvögeln" (vermutlich heißen sie in Wirklichkeit Tunturikihu). Diese Tiere sitzen hauptsächlich auf Felsen und schreien laut, um bekannt zu machen, dass wir vorbeikommen. Wenn man auf ein paar Meter herankommt, fliegen sie weg und lassen sich ein Stück weiter auf dem nächsten Felsen nieder. Man kommt sich schon ein bischen wie ein Eindringling vor. Sobald man im Zelt verschwindet ist man jedoch unsichtbar und nicht mehr meldenswert.
Einen Abendspaziergang auf ein nahegelegenes Fjäll machen wir natürlich auch noch -- heute kann man ein Tal mit vielen Sanddünen und einem breiten Fluss sehen.
Den Tag über ist mein Ohr auf doppelte Dicke angeschwollen und ist ziemlich warm, anscheinend haben die Kriebelmückenstiche von gestern erst jetzt die volle Wirkung entfaltet. Laut Harri steht das Ohr auch weit vom Kopf ab und ist sehr rot und kann deshalb vorzüglich als Leuchtsignal benutzt werden. Wer solche Mitreisende hat, braucht keine Feinde mehr ;-)
PS: Liest eigentlich jemand diese Einträge bis zum Ende? Und ist es überhaupt interessant? Ich bin noch nichtmal bei der Hälfte angelangt -- dauert doch immer eine Weile, das Tagebuch zu entziffern und mir fallen dann immer noch tausend andere Sachen ein, die ich kurz aufschreiben muss...
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Imke
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