Dienstag, 26. Februar 2008

Schnee für Willem

... bis zur Laterne. Wer will, kann den haben, mit Selbstabholung. Der Schnee vom Vorplatz wird regelmässig neben diesem Schild aufgetürmt und wenn der Haufen zu gross ist, wird der Schnee von dort auf die Schneehalde hinterm Parkplatz gebracht.
Interessant -- Schnee schafft hier wirklich Arbeitsplätze. Jeden Morgen wenn es geschneit hat muss eine Armada an Räumgefährten, vom normalen Auto mit Schneeschaufel bis zum Riesentraktor, ausrücken, um Strassen und Radwege wieder befahrbar zu machen. Ich habe leider immer noch nicht herausgefunden, wie viele das sind, aber es müssen eine ganze Menge sein.

Montag, 25. Februar 2008

Effizienz der finnischen Sprache

Manchmal wundere ich mich, wie die Finnen es durchhalten, nach ihrer Grammatik zu sprechen. Und es ist auch kein Wunder, dass beim Sprechen viel abgekürzt wird. Hier zwei Beispiele zu Zahlen in Finnisch:
1. Im Finnischunterricht wurde ein neuer Termin vereinbart und zwar für den "kahdeskymmennesviides päivä", also den fünfundzwanzigsten [Tag des Monats]. Im Finnischen wird dazu quasi jede einzelne Ziffer gebeugt: Auf kaksi(-)kymmentä(-)viisi, also 25, muss man also die Beugungsregel drei Mal anwenden. Argh.

2. Sehr lustig wird selbiges wenn man im Instantmessenger schreiben will, dass man sehr hungrig ist (ich schreib zumindest da meistens Finnisch, beim Schreiben hat man genug Zeit zum Überlegen):
"Mulla on nälkä kuin seitsemälläsadallayhdeksälläkymmenelläviidellä sutta." Was bedeutet: Ich habe Hunger wie siebenhundertfünfundneunzig Wölfe. Sehr lebensnahes Beispiel, aber ich war hungrig...

Man muss das natürlich nicht immer schreiben, aber zumindest doch aussprechen wenn man einen korrekten finnischen Satz bilden will...

Hier ein kleiner Vergleich:
siebenhundertfünfundneunzig
seitsemänsataayhdeksänkymmentäviisi (Basisform)
seitsemälläsadallayhdeksälläkymmenelläviidellä (gebeugt, vermutlich schlimmster Fall)

Dies zeigt, dass die Finnische Sprache nicht sonderlich effizient ist -- zumindest nicht in dieser Hinsicht. Allerdings ist redundante Kodierung natürlich auch sehr fehlerunempfindlich -- was bedeutet, dass die Leute auch mein Finnisch verstehen.

Viele Grüsse von der Effizienzberechnungsfront. Ich darf das gerade auch für meine Filterarchtektur machen...

Samstag, 23. Februar 2008

Schneereport

Von Donnerstag abend bis Freitag nachmittag hat es geschneit und heute morgen auch noch ein bischen. Das hat die Schneemenge hier ungefähr verdoppelt. Heute hat dann auch noch die Sonne geschienen und so fand sich ganz Oulu auf den Skiloipen wieder. Sehr nervig, wenn ständig Leute von hinten und vorne gleichzeitig an einem vorbei wollen oder den Weg blockieren. Ein echter Stau in Nordfinnland!
Der Lichtblick neben direkter Sonneneinstrahlung war, dass endlich die Nebenloipen auch geöffnet sind und wir eine neue, wenigbefahrene Loipe mitten durch den Wald fanden. Vor lauter Begeisterung sind wir gleich zwei Runden gefahren. Danach Sauna und Pizza. Und irgendwann morgen fang ich wieder mit der Diplomarbeit an...

Dienstag, 19. Februar 2008

Gedankenströme

Hier gehen gerade ein Mindmap-Spiel um. Nachdem ich erst überhaupt nicht verstand, was daran so toll sein soll hat es sich als durchaus suchtgefährdend aber auch sprachfördernd herausgestellt. Nun weiss ich zum Beispiel was "schlafwandeln" auf Finnisch heisst. Sehr hilfreich.

Und um andere Leute anzustecken, hier der Link (Ansku, Karen?): Tajunnanvirta.

Und falls einige meiner Leser der finnischen Sprache nicht ausreichend mächtig sein sollten, hier ein ähnliches Spiel in Englisch: Funny Farm.

Gibts das eigentlich auch auf Deutsch?
Und weiss jemand ein finnisches Wort mit 10 Buchstaben das mit "Skitsofrenia", "Hallusinaatio" und "LSD" zu tun hat?

Freitag, 15. Februar 2008



Licht schleicht sich langsam aber sicher wieder in mein Alltagsleben. Die Sonne geht beim Weg zur Arbeit auf (ca. halb 9) und wenn man sich extrem beeilt kommt man sogar in den Genuss von Licht am Feierabend (= Diplomarbeitsschreibzeit). Das hab ich diese Woche auch schon einmal geschafft, als ich mich schon um halb 5 auf den Weg machte. Und die Zeiten, wo es während der Kaffeepause zwischen halb 2 und 2 dunkel wurde sind auch lange vorbei: Echtes Sonnenlicht scheint gerade jetzt (15:03 Uhr) kräftig zum Fenster herein. Man könnte denken, es sei Frühling -- draussen wird man allerdings von -10 Grad und kräftigem Wind erwartet.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Landwochenende

Ich mag finnische Freizeitbeschäftigungen. Glücklicherweise habe ich meine "Adoptiveltern" in Tornio (hauptamtlich die Eltern meiner Mitbewohnerin).

Am Samstag war ich mit Seppo (Vater) und Nappe (Lapplandhund) im eigenen Wald skifahren -- mal nicht auf den fast täglich präparierten "artificial tracks" sondern auf selbstgemachten Loipen. Abgesehen davon, dass neumodische Skistöcke auf solche Gegebenheiten nicht eingestellt sind, war es sehr schön. Seppo hatte wie immer viele Waldgeschichten zu erzählen und Nappe perfektionierte seine Technik im Vorlaufen und dann plötzlich in der Loipe Stehenbleiben. Ich habe drei Elchspuren und null Elche gesehen.
Und am Sonntag liess sich Nappe vor den "Potkuri" (potkukelkka, Tretschlitten) spannen und rannte so schnell er konnte. Auf dem Rückweg trotteten wir dann gemeinsam nach Hause.

Für nächsten Sommer hat Seppo bereits geplant, Kaarina und mir sämtliche verschiedenen Fischereitechniken beizubringen -- wobei mir diejenigen, wo das kleine Ruderboot und einer der mächtigsten Flüsse Nordeuropas (Torniofluss), der im Hintergarten fliesst, zusammen vorkommen noch nicht ganz geheuer sind.

Ach ja, das Hauptereignis war der 60. Geburtstag von Kaarinas Mutter. In ländlichen Gegenden in Finnland scheint es üblich zu sein, dass man Leute nicht so direkt einläd, sondern höchstens sagt, sie könnten ja dann mal vorbeikommen. Andererseits kommen auch Leute vorbei, wenn man garnicht einläd -- einfach so zum Geburtstag.
Deswegen wusste niemand genau, wie viele Leute kommen würden -- es wurde so zwischen 10 und 20 geschätzt. Den ganzen Samstag und auch schon am Freitag davor wurde gebacken und anderweitig vorbereitet. Später kamen mindestens 20 Leute -- und sehr lustig zu beobachten war: Die Geburtstagsgesellschaft teilte sich fast sofort nach Geschlechtern -- die Frauen im Wohnzimmer, die Männer im Nachbarraum. Als ich nachfragte, wurde mir gesagt, dass das immer so sei.

Ansonsten bleibt nur zu vermelden, dass ich aus Versehen meine Kamera zu Hause vergessen habe und dass wir noch sehr leckere Moltebeerensahnetorte zu Hause haben.

Montag, 11. Februar 2008

Was ich an meinen finnischen Kollegen wirklich schätze ist, dass man sich Zeit lässt und ehrlich sagt, wenn man etwas nicht verstanden hat.
Wenn ich zum Beispiel mit irgendwelchen wirren Ideen für meine Filterarchitektur komme, kann es sein, dass mein Betreuer nach einer Präsentation und ausführlichem Erklären der Materie sagt:
"Könnte gut sein. Oder auch nicht. Da muss ich nochmal mehr drüber nachdenken."
Das finde ich gut, ich habe in Deutschland genug Betreuer (nein, nicht Stefan) erlebt, die auf jeden Fall was sagen mussten, damit man sie für kompetent hält.

Normalerweise gibt es dann später eine ausführliche Rückmeldung. Es sei denn, der Betreuer ist gerade Line-Manager in Espoo geworden...